Lernen Sie noch oder spielen Sie schon?

Bild: igradesign@ Adobe Stock

Von Katharina Demmel und Prof. Dr. Alfred Angerer

«Wohnst du noch oder lebst du schon?». Der Werbe-Slogan von IKEA ist vielen ein Begriff. In adaptierter Form lässt sich die Frage auch auf den Bildungskontext anwenden: «Lernen Sie noch oder spielen Sie schon?» Denn: spielbasiertes Lernen und Simulationsspiele gewinnen in der modernen Bildungswelt zunehmend an Bedeutung. Warum? Spielbasiertes Lernen ist nicht nur eine unterhaltsame Alternative und Abwechslung zum klassischen Frontalunterricht, sondern bietet auch nachweislich einen Nutzen für Lernende, und zwar jeden Alters. Oder in den Worten von Kerres et al. (2009): «Spielen ist ganz essentiell mit Lernprozessen verbunden.» (S. 1).

Das Beispiel Simulationsspiele für realitätsnahe Erfahrungen

Untersuchungen haben gezeigt, dass Erfahrungsgenerierung durch Simulationsspiele einen hohen Einfluss auf das konzeptionelle Verständnis eines Themas haben. Auch im Gesundheitswesen ist schon seit längerem ein Einzug spielbasierter Lernmethoden, z. B. in Form von Simulationsspielen, zu beobachten. Simulationsspiele ermöglichen es, Wirkungszusammenhänge komplexer Systeme (z. B. ein Spital) in geschützter Umgebung zu erleben. Fallstudien mit Pflegestudierenden in England haben gezeigt, dass Spiele mit Lego-Steinen (sog. LEGO® SERIOUS Play®) Engagement, Dialogbereitschaft und kritisches Denken fördern.

Der Nutzen spielbasierten Lernens im Kontext Gesundheitswesen

Hier sind einige Gründe zusammengefasst, worin nun genau der Nutzen des spielbasierten Lernens als effektive Didaktik-Methode liegen kann.

  • Spielen fördert Motivation und Engagement:

Gamifizierung, d. h. die Integration von Spielelementen und Mechanismen in einem bestimmten Kontext, können die Motivation steigern, sich mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen und kanalisieren die Aufmerksamkeit auf das Spielthema (vgl. u.a. Rojas et al., 2016). Simulationsspiele (haptisch wie digital) ermöglichen es einerseits, mit einem Thema ganz praktisch und ggf. auch plastisch in Berührung zu kommen und gleichzeitig Optimierungsideen direkt zu testen und zu validieren.

  • Spielen fördert das kritische Denken:

Spiele erfordern unsere volle Aufmerksamkeit, fordern uns heraus, Lösungen für Aufgaben zu finden und Entscheidungen zu treffen sowie Herausforderungen zu bewältigen. Dies sind alles Aktivitäten und Aspekte, mit denen wir uns auch im Berufsalltag auseinandersetzen müssen. Wenn Sie an die Welt der Spiele denken, stellen Sie sich z. B. Schach, Escape-Room-Spiele, Scrabble oder Kreuzworträtsel vor. Untersuchungen mit Doktorierenden im Bereich Healthcare Leadership sowie in der Ausbildung von Pflegefachpersonen zeigen, dass spielbasiertes Lernen ein effektiver Ansatz sein kann, um kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeiten zu fördern.

  • Spielen fördert Teamarbeit:

Viele Spielarten und -formen erfordern Zusammenarbeit. Vielleicht haben Sie schon einmal in der Gruppe nur mit ein paar Spaghetti, Klebeband und Marshmallow ausgestattet das Spiel «wir bauen einen Turm» gespielt? Auch ein Blick in die Welt der Wissenschaft unterstützt die These, dass spielbasiertes Lernen Teamwork-Fähigkeiten erweitert. Gerade wenn es darum geht, Lerninhalte wie das Denken in Prozessen über Fachbereichsgrenzen hinaus zu fördern, sind spielbasierte Lernformate hilfreich. Sie bieten den Lernenden einerseits die Möglichkeit, Lerninhalte gemeinsam zu erarbeiten und andererseits auch die Möglichkeit, diese Lerninhalte in Relation zueinander zu erleben.

Fazit: Spielen, um zu lernen

«Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen.» Dieses Zitat stammt von Oliver Wendel Holmes (1809-1894), einem US-amerikanischen Arzt und Schriftsteller. Wenn Sie also das nächste Mal zu einem Spieleabend verknurrt werden, denken Sie daran: Spielen, sei es als Freizeitaktivität oder in einer Aus- oder Weiterbildung, hat positive Aspekte für unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten, die wir im Alltag gebrauchen können. Und: Es hält uns jung!

Falls Sie zum Thema spielbasiertes Lernen im digitalen Zeitalter noch mehr wissen wollen, besuchen Sie die Website zu unserem SHIFT-Grossprojekt (Smart Hospital: Integrated Framework, Tools and Solutions) das Projekt D.1, welches ein innovatives digitales Spitalmanagement-Simulationsspiel entwickelt. Falls Sie das Spiel selbst erleben wollen, am 29.05.2024 im Rahmen eines Events der Initiative ZHAW digital, haben Sie die Möglichkeit dazu.

Entwicklung des Simulationsspiels im Rahmen des D.1-Projektes. Bildquelle: WIG ZHAW

Katharina Demmel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am WIG.

Prof. Dr. Alfred Angerer ist Leiter der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am WIG.

Literaturhinweise

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Kerres, M., Bormann, M., & Vervenne, M. (2009). Didaktische Konzeption von Serious Games: Zur Verknüpfung von Spiel- und Lernangeboten. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 2009(Occasional Papers), 1–16. https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2009.08.25.X

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