Zu Besuch in der Notfallpraxis im Pfadi Bundeslager

Quelle: eigene Aufnahme
Die Notfallpraxis befindet sich hinten im gestreiften Festzelt, mitten im Zeltdorf des Pfadi Bundeslagers.

Von Maria Carlander

Seit 1991 haben junge Erwerbstätige, welche sich in der Freizeit freiwillig für die Jugend engagieren, Anspruch auf zusätzliche Urlaubstage, den sog. «Jugendurlaub». Diesen Sommer konnte ich im Rahmen eines solchen Jugendurlaubs als Helferin am grössten Schweizerischen Pfadi Bundeslager im Goms teilnehmen. In diesem Blogbeitrag berichte ich über meinen Besuch in der Notfallpraxis des Bundeslagers.

Wenn 30 000 Pfadis für zwei Wochen in einem abgelegenen Tal im Wallis zusammenkommen, ist jahrelange Planung nötig. Für zwei Wochen ist eine kleine Stadt (die zweitgrösste im Wallis!) entstanden. Neben Wohnraum (Zelte), Essen (Verpflegungszentrale und Lagerküchen) und Sanitäranlagen musste natürlich auch die medizinische Grundversorgung vor Ort gewährleistet sein.

Die Notfallpraxis

Nach dreieinhalb Jahren intensiver Planung entstand auf der Wiese im Goms für zwei Wochen eine Notfallpraxis, welche die Kapazität hatte, an drei Standorten täglich bis zu 800 Patient:innen zu behandeln. Tatsächlich waren es dann jeweils etwa 400-500 pro Tag. Glücklicherweise lernte ich die Notfallpraxis nicht als Patientin kennen, sondern bekam eine Führung von Reto Hintermeister «Spirou» von der Rettungssanität. Abgesehen davon, dass die Praxis in einem grossen Festzelt aufgebaut war, funktionierte sie wie eine herkömmliche Notfallpraxis im Spital. 70 Ärzt:innen, ca. 200 Pflegende und Rettungssanitäter:innen arbeiteten zusammen und wurden von zwei Sanitätskompanien der Armee unterstützt. Beim Eintritt in die Praxis wurden alle Patient:innen (auf drei Landessprachen) empfangen und triagiert. Anschliessend wurden die Patient:innen in Behandlungskojen gebracht, wo sie untersucht und behandelt wurden. In der Notfallpraxis gab es auch einen Schockraum für lebensbedrohliche Situationen und einen kleinen Operationsraum. Die Notfallpraxis verfügte ausserdem über ein mobiles Röntgengerät und ein Ultraschallgerät, was die korrekte Diagnostik vereinfachte. Nur selten mussten Patient:innen ins Spital Visp gebracht werden. Wegen der geographischen Lage wurde der Helikopter als Transportmittel bevorzugt, da die Fahrzeit mit dem Krankenwagen eine Stunde dauerte.

Die Auswertung der Behandlungsgründe steht noch aus, aber typische Lagerverletzungen wie Schnittwunden und Frakturen stehen an der Spitze. Auch die heissen Temperaturen sorgten für viele Konsultationen.

Quelle: eigene Aufnahme
Statistik über die Anzahl täglicher Besuche an den drei Standorten der Notfallpraxis. Erkennen Sie in der Abbildung, wann der heisseste Lagertag war?
Quelle: eigene Aufnahme
Eine der 20 Behandlungskojen, in denen Patient:innen untersucht und behandelt wurden.
Quelle: eigene Aufnahme
Das Medizinzimmer war der einzige kühle Ort am Lagerplatz… Hier konnten auch Blutproben analysiert werden.
Quelle: eigene Aufnahme
Für einige Patient:innen war die «Heimwehpille» die richtige Behandlung.

Wie war es für die Freiwilligen, im Einsatz zu sein?

Am letzten Tag des Bundeslagers kam ich am Frühstückstisch ins Gespräch mit zwei Ärztinnen (eine Pfadi, eine «Zivil»). Sie haben sich je 3-5 Tage freiwillig in der Notfallpraxis engagiert. Sie erzählten, dass die Arbeit mit Fachpersonen mit unterschiedlichen Hintergründen zwar herausfordernd gewesen sei, ihnen aber Spass gemacht habe und dass sie einen solchen Einsatz gerne wieder machen würden!

Maria Carlander ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Versorgungsforschung am WIG und in der Pfadi seit 1998.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.