Forscher:innen aus 7 Departementen arbeiten gemeinsam für zukunftsfähige Technologien in der Gesundheitsversorgung

Von Dr. Renato Mattli

In der Gesundheitsversorgung gewinnen Technologien zunehmend an Bedeutung. Alle Vorgaben zu erfüllen, ist eine grosse Herausforderung und ein Grund, warum nur sehr wenige Produkte den Weg von der Idee bis in den Alltag schaffen. Das neue ZHAW-Kompetenzzentrum für Technologien in der Gesundheitsversorgung GEKONT vereint die Fach- und Forschungsexpertise der ZHAW in einem Kompetenzzentrum, baut starke Partnerschaften mit externen Stakeholdern auf und schafft so einen Nutzen für die Gesundheitsversorgung.

Interview mit Dr. Eveline Graf, Forscherin am Departement Gesundheit mit Schwerpunkt Entwicklung, Implementierung und Evaluation neuer Technologien, Mitinitiantin von GEKONT Kompetenzzentrum für Technologien in der Gesundheitsversorgung.

Eveline Graf, was ist «GEKONT»?
GEKONT steht für das ZHAW-Kompetenzzentrum für Technologien in der Gesundheitsversorgung. In unseren Projekten vereinen wir Kompetenzen der Forschenden aus verschiedenen ZHAW-Departementen und ermöglichen eine umfassende Betrachtung von Fragestellungen von Auftraggeber:innen aus der Praxis oder ZHAW-intern.

Was sind die Herausforderungen für die Markttauglichkeit von Technologien für die Gesundheitsversorgung?
In der Gesundheitsversorgung gewinnen Technologien zunehmend an Bedeutung. Das Spektrum reicht von sozialen Robotern, Technologien für das Training von Bewegungen in der Rehabilitation (z.B. Exoskelette), Geräten für die Kommunikation bis hin zu Expertensystemen, welche die Diagnostik unterstützen. Bei der Entwicklung, Implementierung, Anwendung und Evaluation dieser Technologien können folgende Aspekte beobachtet werden:

  • Entwickler:innen von Technologien fokussieren sich häufig einseitig auf die Umsetzung der technischen Machbarkeit. 
  • Potenzielle Anwender:innen finden sich aufgrund der Vielfalt und Dynamik der technologischen Lösungen nur schwer zurecht. 
  • Entwicklung, Implementierung und Anwendung hinken bezüglich Analyse der Chancen und Risiken hinterher. Nicht zuletzt, weil in vielen Fällen die End-Nutzenden zu wenig einbezogen werden. 
  • End-Nutzende sind aber gleichzeitig auf unabhängige und verlässliche Informationen zu Chancen und Risiken angewiesen. Anfragen hierzu treffen laufend an verschiedenen Stellen bei der ZHAW ein.
  • Sobald es um die Vergütung von Technologien geht, kommen zudem ökonomische, ethische, rechtliche, soziale und organisatorische Fragen ins Spiel.

Die umfassende Bearbeitung dieser Fragen erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise, die wir bei GEKONT anbieten.

Warum braucht es ein Kompetenzzentrum für Technologien in der Gesundheitsversorgung an der ZHAW?
Die ZHAW deckt sehr viele der notwendigen Kompetenzen ab. Jedoch sind die Expert:innen über alle Departemente verteilt und aufgrund der Grösse der ZHAW wissen die Personen teilweise nicht voneinander. GEKONT bringt die Expert:innen der ZHAW zusammen und schafft eine gemeinsame Plattform. GEKONT bietet daher externen Partnern, seien das Hersteller von Technologien, Gesundheitseinrichtungen oder Betroffenenorganisationen, aber auch ZHAW-Forschenden eine Ansprechstelle, um Zugang zu allen Kompetenzen, welche die ZHAW abdecken kann, zu erhalten. So können wir sicherstellen, dass Projekte ganzheitlich und praxisnah bearbeitet werden.

Wie ist die Zusammenarbeit bei GEKONT?
Im GEKONT-Kernteam sind wir sieben Forscher:innen aus sieben Departementen und treffen uns jede Woche für den Austausch. So koordinieren wir komplexe Fragestellungen. Für das ganze Angebot hat der Kunde eine Ansprechperson aus diesem Kernteam. Für die Projektarbeit rekrutieren dann die Vertreter:innen aus dem Kernteam die benötigten Mitarbeiter:innen aus ihren Departementen.

Unsere Projekte zeichnen sich durch ihren unabhängigen, umfassenden, interdisziplinären und strukturierten Ansatz aus. Dabei werden die Technologien bezüglich ihrer Nutzerfreundlichkeit, klinischen Effektivität, Wirtschaftlichkeit sowie den technischen, regulatorischen Anforderungen evaluiert und wir erarbeiten gemeinsam mit den Auftraggeber:innen auch die strategische Kommunikation für die Technologie zu den Nutzergruppen. Für Medtech-Firmen stellt die umfassende GEKONT-Arbeit den Abgleich mit den Anforderungen der End-Nutzenden sicher und erleichtert dadurch die Implementierung ihrer Produkte im Zielmarkt. End-Nutzende werden sich auf die eingehende Mitentwicklung, Weiterentwicklung und Evaluationen von uns verlassen können, wenn sie sich über Technologien informieren. 

v.l. Pirmin Pfammatter (Dep. P); Renato Mattli (Dep. W), Robert Vorburger (Dep. N), Eveline Graf (Dep. G), Andreas Binkert (Dep. T), Colette Schneider Stingelin (Dep. L) und Konstantin Kehl (Dep. S)
Quelle: lamarlenvisuals.com / GEKONT

Wie können potenzielle Auftraggeber an GEKONT gelangen? Organisationen, welche mit Technologien in der Gesundheitsversorgung arbeiten, können sich mit ihren Anfragen direkt an GEKONT wenden (gekont@zhaw.ch). Es besteht auch die Möglichkeit eine bereits bestehende Kontaktperson innerhalb der ZHAW anzufragen. Die ZHAW-Kontaktperson kann dann die Anfrage ZHAW-intern an GEKONT weiterleiten.  Die Details dazu sind auf der GEKONT-Webseite zu finden.

Wer kann bei GEKONT mitarbeiten?

GEKONT steht für alle offen. Externe Firmen und Mitarbeitende der ZHAW, welche Projektideen einbringen möchten, können sich bei uns melden, und wir evaluieren gemeinsam welche weiteren Kompetenzen in das Projekt einfliessen sollen und rekrutieren anschliessend das Personal ZHAW-intern. Personen, welche in Projekten mitarbeiten möchten, können sich auch jederzeit bei uns melden und ihr Kompetenzprofil hinterlegen. So können wir bei einem entsprechenden Projekt diese Personen direkt involvieren.

Warum engagierst du dich bei GEKONT?

Das Thema «Technologien in der Gesundheitsversorgung» ist so vielschichtig und komplex, dass es aus meiner Sicht zwingend die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachgebieten braucht, um erfolgreiche Produkte auf den Markt bringen zu können. Solche Produkte müssen zudem alle Themen von der technischen Realisierung über die Berücksichtigung der Anforderungen der Nutzenden bis hin zur gezielten Implementierungsstrategie einbeziehen. GEKONT schafft kurze Wege zwischen den Fachpersonen aus den verschiedenen Departementen und erleichtert so das Einbeziehen der verschiedenen Disziplinen enorm. Zudem finde ich den interdisziplinären Austausch im Kernteam äusserst spannend und bereichernd. Diese Erfahrungen können wir in die GEKONT-Projekte einbringen so dass die Arbeit in den Projekten für alle gewinnbringend wird.

Renato Mattli ist Teamleiter der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.


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