Rückblick auf ein Jahr Covid-19-Impfung – wer liess sich wann impfen und wer nicht?

Von Dr. Marc Höglinger

Die rasche Verfügbarkeit von Impfstoffen hat entscheidend zur Entspannung der Corona-Pandemie beigetragen. Die Anzahl Todesfälle und schwere Verläufe konnten dadurch stark reduziert werden und eine Lockerung anderweitiger Pandemie-Massnahmen wurde möglich. Doch die Impfkampagne verlief nicht immer nach Wunsch.

Denn es hat sich gezeigt, dass die Verfügbarkeit von Impfstoffen noch kein Garant für eine erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung ist. Eine möglichst universelle Akzeptanz ist entscheidend – und diese war in der Schweiz keinesfalls gegeben.

Wer liess sich wann impfen, wer überhaupt nicht, und was waren die Gründe gegen eine Impfung? Aus den Antworten auf diese Fragen lassen sich Lehren für zukünftige Impfkampagnen ziehen. Wir haben dies in einem Artikel untersucht, der eben in der Fachzeitschrift “Swiss Medical Weekly” erschienen ist. Datenquelle ist der Covid-19 Social Monitor, mit dem wir seit März 2020 das Befinden und Verhalten der Schweizer Bevölkerung während der Pandemie untersuchen (https://covid19.ctu.unibe.ch/).

Die Hauptbefunde daraus: Nach einem Jahr zeigt sich eine generell hohe Impfquote in allen Bevölkerungsgruppen – Menschen mit höherem Einkommen, höherem Bildungsstand oder aus urbanen Gebieten sind aber überdurchschnittlich häufig geimpft. Gesundheitskompetenz und Vertrauen in Behörden und Regierung korrelieren positiv mit der Impfbereitschaft. Auch Zugangshürden, wie etwa die Online-Registrierung oder die zeitliche Flexibilität, für einen Impftermin von der Arbeit frei zunehmen, dürften eine Rolle gespielt haben.

Die aktuelle Omikron-Variante ist zum Glück auch für Ungeimpfte deutlich weniger gefährlich – bei neuen Varianten und Wellen könnte sich die Impfung bzw. eine hohe Impfrate aber wieder als Schlüssel für die Bewältigung der Pandemie erweisen. Zukünftige Impfkampagnen müssen, um erfolgreich zu sein, mögliche Zugangshürden von Beginn weg aus dem Weg räumen und die Wirksamkeit der Impfung verständlich kommunizieren.

Marc Höglinger ist Dozent und Leiter Versorgungsforschung am WIG.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.