Jahrestagung in Hamburg über die Ökonomie der Pandemie

Quelle: eigenes Bild

Von Golda Lenzin

Ende März fand die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö) in Hamburg statt. Das Tagungsmotto lautete: Ökonomik der Pandemie. Ziel war es, die Auswirkungen und Implikationen der Pandemie aus gesundheitsökonomischer Perspektive zu betrachten.

Die Paneldiskussion im Eröffnungsplenum bezog sich auf die zentralen Bereiche des deutschen Gesundheitssystems und erörterte, wie gut diese für den Härtefall Covid-19 vorbereitet waren. Die Professoren Jonas Schreyögg (Universität Hamburg), Carsten Schultz (Universität Kiel) und die Professorin Amelie Wuppermann (Universität Halle-Wittenberg) zogen eine vorläufige Bilanz und formulierten Empfehlungen für Reformen im Hinblick auf zukünftige Herausforderungen. Ein wichtiges Thema in der Diskussion war die Fehlallokation des medizinischen Personals in den deutschen Krankenhäusern. So klagten während der Pandemie einige Bereiche wie die Intensivmedizin über einen Mangel an Fachkräften, während andere ihr Personal in die Kurzarbeit schicken musste. Weitere Herausforderungen waren die zeitnahe Verfügbarkeit von Daten und deren Übermittlung. Auch in Deutschland ruhten die Faxgeräte nicht. In diesem Zusammenhang wurde dem deutschen Gesundheitssystem allgemein eine mangelnde Digitalisierung diagnostiziert.

Nach einem kleinen Happen in der Mittagspause ging es los mit den über 180 Vorträgen zu aktuellen gesundheitsökonomischen Themen. Jede Vortragssitzung dauerte 80 Minuten und umfasste drei oder vier Vorträge. Die Vortragssitzungen mussten mit Bedacht gewählt sein, da jeweils drei gleichzeitig durchgeführt wurden und schnelles Raumwechseln nicht einfach war. Die grosse Auswahl an Themen machte die Entscheidungen schwer. Neben Sitzungen mit Vorträgen zur Pandemie gab es auch die Möglichkeit sich mit aktuellen Themen des Deutschen Gesundheitswesens, Vergütungssystemen, der Ökonomie der Spitäler, Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern und vielem mehr auseinanderzusetzen. Die WIG-Gruppe, bestehend aus Michael Stucki , Andreas Kohler , Mélanie Stamm und Golda Lenzin, teilten sich schnell den Interessen nach auf. Bei der gemeinsamen Kaffeepause tauschten wir uns dann aus und erzählten uns von dem neu gewonnenen Wissen.

Die Abendveranstaltung brachte uns ins ehemalige Hauptzollamt Hamburg in der Speicherstadt. Der weltgrösste, historische Lagerhauskomplex ist auf tausend Eichenpfählen gebaut. Wir schlossen den ersten Konferenztag mit einem reichhaltigen Buffet, Live-Musik und spannenden Diskussionen ab.

Am zweiten Konferenztag haben Michael Stucki und Andreas Kohler mit jeweils einem Vortrag das WIG vertreten. Michael Stucki präsentiere seine ersten Ergebnisse zu der Identifizierung von Diagnosen anhand von Machine-Learning-Algorithmen, während Andreas Kohler über die Rolle von unvollständigen Gesundheitsdaten sprach.

Die Konferenz war abwechslungsreich und eröffnete einen vertieften Blick ins deutsche Gesundheitswesen und dessen Herausforderungen (u.A. Pflegefinanzierung, Gesundheit der alternden Gesellschaft), in verschiedene Anwendungen statistischer Methoden (u.A. Algorithmus für optimales Spital bei Herzinfarkt, Discrete-Choice-Experiment zu Verteilungsgerechtigkeitsprinzipien) und in innovative Ansätze, wie bestehende Daten im Gesundheitswesen für die Wissenschaft genutzt werden können.

Golda Lenzin ist wissenschaftliche Assistentin im Team Gesundheitsökonomische Forschung am WIG.


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