Die Wirkung von Tabaksteuern – Die Schweiz im europäischen Ländervergleich

Copyright: Tobaccoatlas

Von Linda Vinci, Dr. Renato Mattli und Dr. Andreas Kohler

Das WIG hat heute eine neue Studie zur Wirkung der Tabaksteuer mit einem Fokus auf die Schweiz den Medien vorgestellt. Die Studie wurde im Auftrag der Lungenliga Schweiz und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention erstellt.

Aufgrund der Krankheitslast des Tabakkonsums versuchen Regierungen weltweit im Rahmen der öffentlichen Gesundheit den Tabakkonsum durch bestimmte Massnahmen zu beeinflussen. Diese Massnahmen reichen von Tabakkontrollmassnahmen wie Passivrauchschutz im öffentlichen Raum über neutrale Zigarettenpackungen bis hin zu Steuern auf Tabakprodukten. In der vorliegenden Studie untersuchen wir in einem europäischen Ländervergleich die Wirkung von Tabaksteuern auf das Rauchverhalten, mit einem Fokus auf die Schweiz.

Die Studie verwendet einen umfassenden und konsistenten Datensatz

In unserer Studie verwenden wir einen umfassenden Datensatz mit Daten zu 27 europäischen Ländern über den Zeitraum von 2010 bis 2020. Dazu haben wir Daten vom Euromonitor, der Tobacco Control Scale (TCS), der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammengetragen. Berücksichtigt werden die Prävalenz des Zigarettenrauchens, die Anzahl verkaufter Zigaretten, die Tabaksteuer, die Zigarettenpreise, das Bruttoinlandprodukt, die Bevölkerungsgrösse und der Score der TCS, welcher ausgewählte Tabakkontrollmassnahmen eines Landes zusammenfasst. Ein tiefer TCS Score bedeutet schwache Tabakkontrollmassnahmen.

Die Schweiz bietet ein relativ tabakkonsumfreundliches Umfeld

Zuerst zeigen wir, dass die Schweiz im europäischen Vergleich ein tabakkonsumfreundliches Umfeld hat mit einer tiefen Gesamtsteuerbelastung von Zigaretten, einem tiefen kaufkraftbereinigten Zigarettenpreisniveau und einem tiefen TCS Score. Bezüglich Prävalenz des Zigarettenrauchens und des Zigarettenkonsums liegt die Schweiz im europäischen Mittelfeld. Alternative Tabakprodukte werden in Europa meist viel tiefer besteuert als Zigaretten, so auch in der Schweiz.

Der Effekt der Tabaksteuer hängt vom Preisniveau und den anderen Massnahmen ab

In einer qualitativen Analyse isolieren wir den Effekt einer höheren Tabaksteuer auf die Prävalenz des Zigarettenrauchens und den Zigarettenkonsum, indem wir nur Länder mit konstanten Tabakkontrollmassnahmen im Zeitraum von 2010 bis 2020 betrachten. Wir zeigen, dass in einem relativ tabakkonsumfreundlichen Umfeld und bei tiefem Zigarettenpreisniveau viele Raucherinnen und Raucher auf Tabaksteuererhöhungen reagieren, indem sie ihren Zigarettenkonsum verringern, aber nicht mit dem Zigarettenrauchen aufhören. In einem relativ tabakkonsumunfreundlichen Umfeld und bei hohem Zigarettenpreisniveau hingegen reagieren viele Raucherinnen und Raucher auf Tabaksteuererhöhungen, indem sie mit dem Zigarettenrauchen aufhören. Die verbleibenden Raucherinnen und Raucher scheinen so stark abhängig zu sein, dass sie auch bei noch höheren Zigarettenpreisen in etwa gleich viele Zigaretten rauchen.

Schätzung der Preiselastizität

In einer quantitativen Analyse schätzen wir zudem auf Basis eines ökonometrischen Modells die Preiselastizität des Zigarettenkonsums. Unsere Resultate zeigen, dass der Zigarettenkonsum im europäischen Durchschnitt um circa 0.9 % sinkt, wenn der Zigarettenpreis um 1 % ansteigt. Das bedeutet, dass im Durchschnitt die Anzahl verkaufter Zigarettenpackungen pro Raucherin und Raucher um circa 25 Packungen pro Jahr sinkt, wenn der Zigarettenpreis um 10 % steigt.

Es braucht ein Bündel von Massnahmen

Unsere Resultate deuten darauf hin, dass es für eine deutliche Reduktion des Anteils an Zigarettenraucherinnen und -rauchern in der Bevölkerung ein Bündel von Tabakkontrollmassnahmen braucht. Hohe Tabaksteuern sind dabei eine notwendige, aber als Einzelmassnahme keine hinreichende Voraussetzung. Wenn die Gesellschaft und Politik in der Schweiz die Prävalenz des Zigarettenrauchens nachhaltig reduzieren wollen, müssen gemäss unseren Erkenntnissen gleichzeitig weitere strenge Tabakkontrollmassnahmen eingeführt werden.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Linda Vinci ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.
Renato Mattli
ist Teamleiter der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.
Andras Kohler ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Co-Leiter im Team Gesundheitsökonomische Forschung am WIG.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.