HTA und Gesundheitsökonomische Evaluationen

Mittels Patientencoaching Experte für seine Krankheit werden und damit Gesundheitskosten sparen

Quelle: Lungenliga Schweiz

Von Cécile Grobet

Wenn Patienten durch Weiterbildungen und Coachings Experten ihrer Krankheit werden, entlastet dies die Betroffenen selbst, aber auch ihre Angehörigen, die Ärztinnen und Ärzte, das medizinische Fachpersonal und das Gesundheitssystem insgesamt. Mittels einer Kosten-Wirksamkeitsanalyse können wir am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie diese Entlastung quantifizieren, indem wir den durch das Coaching erzielten Nutzen in Beziehung zu den damit verbundenen Kosten setzen.

Beispiel Selbstmanagement-Coaching «Besser leben mit COPD»

Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenkrankheit COPD leiden häufig unter Atemnot, Husten und Auswurf. Gewohnte Aktivitäten sind nicht mehr durchführbar, eine immer grösser werdende Isolation ist die Folge. Dank des in Kanada entwickelten Selbstmanagement-Coachings «Besser leben mit COPD» lernen Betroffene, mit der Krankheit besser umzugehen. In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie adaptierte die Lungenliga das Coaching auf die Schweiz und bot es 2018 erstmals in kantonalen Lungenligen an. Mittlerweile setzen elf Kantone das Angebot um. Ziel ist es, das Coaching in jedem Kanton anzubieten. www.lungenliga.ch/copdcoaching

Beim Selbstmanagement-Coaching geht es um Wissensvermittlung, Training und Begleitung, welche die Gesundheitskompetenz steigern und den Patienten befähigen, gelernte Strategien, Fertigkeiten und Verhaltensweisen im richtigen Moment anzuwenden. Die Betroffenen werden dabei während sechs Wochen in Gruppenmodulen von qualifizierten Coaches geschult und betreut und anschliessend während eines Jahres telefonisch durch den Coach begleitet.

«Besser leben mit COPD» wirkt

Nationale und internationale Studien haben mehrfacht gezeigt, dass «Besser leben mit COPD» die Anzahl sowie Dauer der Hospitalisationen signifikant reduziert und zudem die Anzahl der Notfallaufnahmen und Hausarztbesuche verringert[1],[2],[3]. Darüber hinaus verbessert das Programm die Lebensqualität von COPD-Betroffenen signifikant[1],[4],[5],[6],[7].

Quelle: Lungenliga Schweiz

Kosten-Wirksamkeitsanalyse

Wir am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie untersuchen nun im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz und der Lungenliga Schweiz das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Angebots.

Vier Forschungsfragen stehen dabei im Zentrum:

  1. Was kostet das Selbstmanagement-Coaching aus Sicht der Leistungserbringer respektive der Kostenträger?
  2. Senkt das Selbstmanagement-Coaching Programm den Behandlungsbedarf der Programm-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer und damit die Gesundheitskosten?
  3. Wie ist das Verhältnis zwischen Programmkosten und verminderten Gesundheitskosten?
  4. Wie beeinflusst das Programm die Lebensqualität der Teilnehmerinnen und -Teilnehmer und wie sieht das Verhältnis zwischen Kosten und Lebensqualität (Kosten-Nutzwert-Verhältnis) aus?

Methode

Die Programmkosten von «Besser leben mit COPD» werden über die kantonalen Lungenligen ermittelt. Die Gesundheitskosten analysieren wir in Zusammenarbeit mit mehreren Krankenversicherern. Dabei vergleichen wir die Kosten, welche im Jahr vor dem Coaching angefallen sind, mit den Kosten des Jahres ab dem Coaching. Zudem befragen wir die Patienten vor und nach dem Coaching-Prozess zu ihrer Lebensqualität. Der Gewinn an Lebensqualität wird als Nutzen des Coachings ausgewiesen.

Mit diesen beiden Angaben zu Nutzen (gewonnene Lebensqualität) und Kosten (angefallene oder gesparte Kosten durch das Coaching) können wir das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Selbstmanagement-Coachings berechnen.

Erwartete Ergebnisse

Unsere Analyse wird zeigen, in welchem Verhältnis die Kosten des Coachings zum Nutzen stehen. Diese Erkenntnis ist wichtig, um einen sinnvollen Einsatz der beschränkten finanziellen Ressourcen zu gewährleisten. Zudem können die Ergebnisse dieser Untersuchung helfen, eine langfristige Finanzierung des Angebots zu finden und definieren.

Quellen:
[1] Jean Bourbeau et al. Arch Intern Med. 2003 Mar 10; 163(5):585–91.
[2] M-A. Gadoury et al. Eur Respir J. 2005; 26:853–857.
[3] Jean Bourbeau et al. Chest 2006; 130:1704–1711.
[4] Zwerink M et al. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Mar 19; (3):CD002990.
[5] Carron T, Peytremann-Bridevaux I et al.; Swiss Med Wkly. 2017 Dec 6; 147:w14567.
[6] Claudia Steurer-Stey et al.; Eur Respir J. 2018 Jan 4; 51(1).
[7] Strassmann A et al.; Patient Education and Counseling 2021; in press.

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