Gesundheitsökonomische Forschung

Das Sturzpräventionsprogramm der Rheumaliga Schweiz vermeidet viele Stürze und ist sehr kosten-wirksam

Quelle: Colourbox.de

Von Stephanie Dosch

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung sind Stürze die häufigste Unfallursache in der Freizeit. Obwohl es jeden treffen kann, sind ältere Personen besonders gefährdet: sie stürzen häufiger und mit schwereren Folgen. Darum hat die Rheumaliga Schweiz ein Sturzpräventionsprogramm entwickelt, das selbständig wohnende Seniorinnen und Senioren dabei unterstützt, Stürze zu vermeiden sowie Autonomie und Lebensqualität zu verbessern. Die Intervention wurde vom Institut für Physiotherapie der ZHAW geleitet, und ein interdisziplinäres Forschungsteam mit Beteiligung des WIG hat eine zweiteilige Evaluation dieses Präventionsprogramms durchgeführt. Das WIG fokussierte sich dabei auf die Analyse der Kosten-Wirksamkeit, welche wir in diesem Beitrag vorstellen werden.

Das Sturzpräventionsprogramm in Kürze

Nach einem Pilotprojekt im Kanton Luzern wurde das Sturzpräventionsprogramm ab 2015 auf nationaler Ebene implementiert. Die Hauptintervention besteht aus einem 60- bis 90-minütigen Hausbesuch, bei dem ein(e) Physio- oder Ergotherapeut(in) die Sturz-Risikofaktoren (z.B. schlechte Beleuchtung oder lose Teppiche) aufzeigen und, wo es möglich ist, verändern. Ausserdem werden den Seniorinnen und Senioren Übungen für Gleichgewicht und Kraft erklärt und es wird mittels zwei Fragebogen die Sturzangst gemessen (beim Hausbesuch und vier Monate später).

Kosten-Wirksamkeitsevaluation des Programms

Die Kosten-Wirksamkeitsstudie des WIG hat gezeigt, dass das Sturzpräventionsprogramm deutlich kosten-wirksam ist. Wir haben anonymisierte Abrechnungsdaten von drei Krankenversicherern (CSS, Sanitas und Swica) für 741 Seniorinnen und Senioren ausgewertet. Abbildung 1 zeigt, dass bei den Teilnehmenden der Sturzprävention im Vergleich zum Vorjahr 63 weniger medizinische Behandlungen wegen Stürzen beobachtet wurden. Das entspricht einer Abnahme der Sturzrate um 48%.

Abbildung 1: Anzahl medizinisch behandelter Stürze vor und nach dem Hausbesuch

Weil die medizinischen Kosten eines Sturzes knapp 4’600 CHF betragen konnten dadurch pro Teilnehmenden durchschnittlich 388 CHF eingespart werden. Der Hausbesuch im Rahmen des Präventionsprogramm kostete 500 CHF pro Teilnehmenden. Die Nettokosten pro Teilnehmenden beliefen sich also auf 112 CHF, und die Kosten pro vermiedenen Sturz auf 1’317 CHF.

Obwohl die Kosten für die Vermeidung eines Sturzes höher sind als die gesparten medizinischen Kosten, muss man die Ersparnisse indirekter Kosten und die Erhaltung der Lebensqualität bedenken, die sehr gross sind und in der Evaluation nicht berücksichtigt wurden. Die vollständigen und umfassenden Ergebnisse und Erkenntnisse der Studie finden Sie hier.

Stephanie Dosch ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Gesundheitsökonomische Forschung am WIG.

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