Gesundheitsökonomische Forschung

Kleiner Trost in Corona-Zeiten: In den letzten 30 Jahren sind die Todesfälle alterskorrigiert stark gesunken

Von Prof. Dr. Simon Wieser

Die zweite Welle der Covid-19-Pandemie hat in der Schweiz eine starke Zunahme der Todesfälle ausgelöst. Während in der ersten Welle knapp 1’800 Personen gestorben sind, sind es in der zweiten Welle mit 4’000 Verstorbenen bereits jetzt mehr als doppelt so viele (Covid-19 Info Schweiz). Aufs ganze Jahr gesehen wird die Pandemie 2020 wohl die Ursache von jedem zehnten Todesfall sein. In den letzten Jahrzehnten konnte die alterskorrigierte Zahl der Todesfälle aber stark reduziert werden.

Insgesamt lag die Zahl aller Todesfälle in der Schweiz Ende November um 3’000 Todesfälle höher als während der gleichen Periode im Vorjahr. Dies zeigt die untenstehende Grafik auf der Grundlage von Zahlen des Bundesamts für Statistik. Damit ist die Zahl der zusätzlichen Todesfälle zurzeit etwa halb so gross wie die Zahl der Covid-19-Todesfälle. Grund für diesen Unterschied ist wohl, dass ein Teil der wegen Covid-19 gestorbenen Menschen bereits so schwer erkrankt war, dass sie auch aus einem anderen Grund in diesem Jahr gestorben wären.

Angesichts dieser dramatischen Zahlen kann ein Blick auf die langfristige Entwicklung der Todesfälle ein kleiner Trost sein. Besonders interessant sind dabei die alterskorrigierten Todesfälle pro Bevölkerung von 100’000 Personen. Diese Zahl korrigiert die Entwicklung der Todesfälle auf den Effekt der wachsenden Bevölkerung (die Todesfälle steigen, da immer Menschen in der Schweiz leben) und den Effekt der alternden Bevölkerung (die Todesfälle steigen, da der Anteil Seniorinnen und Senioren an der Gesamtbevölkerung steigt).

Die Grafik ganz oben zeigt, dass die Zahl der alterskorrigierten Todesfälle pro 100’000 Personen in der Schweiz in den letzten 30 Jahren um 40% gesunken ist. Während es 1990 noch 591 Todesfälle waren, waren es 2019 nur noch 353. Wichtigster Treiber war der Rückgang der Todesfälle wegen Herzinfarkt, Schlaganfällen und anderen Herz-Kreislauferkrankungen, die sich in diesem Zeitraum mehr als halbiert haben. Auf die heutige Schweizer Bevölkerung von 8,5 Millionen hochgerechnet haben wir jährlich etwa 20’000 Todesfälle weniger.

Diese Zahlen stammen aus der Global Burden of Disease Studie, einem grossen Forschungsprojekt an der University of Washington in den USA. Die eindrückliche Studie schafft ein umfassendes und detailliertes Bild der Entwicklung der Gesundheit der gesamten Weltbevölkerung. Die Ergebnisse des letzten Updates sind seit kurzem online und sehr schön visualisiert. Hier der Link zur vollständigen Grafik der Entwicklung der alterskorrigierten Todesfälle in der Schweiz.

Simon Wieser ist Institutsleiter am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie.

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