Weiterbildung

Chäserrugg, Finsteraarhorn oder Dufourspitze?

Quelle: Colourbox

Von Esther Furrer

Sie interessieren sich für die geeignete persönliche Weiterbildung und wollen sich agil neue Reize setzen oder keinesfalls stehen bleiben. Aber welche Höhen sollen erstiegen werden? Ein Master (MAS Master of Advanced Studies)? Ein MBA (Master of Business Administration)? Oder reicht ein Zertifikatslehrgang (CAS Certificate of Advanced Studies)?

Die Ausgangslage ist massgebend

In Zulassungsgesprächen zu Lehr- und Studiengängen im Kontext von Managed Health Care hat sich während des vergangenen Jahrzehnts gezeigt: Mitarbeitende im Gesundheitssektor anerkennen, dass dies ein weitreichendes und herausforderndes Berufsgebiet (geworden) ist. Sie wissen um die Notwendigkeit von Interprofessionalität im Umfeld von Gesundheitseinrichtungen und im Berufsalltag. Die stete Weiterbildung ist nahezu zwingend.

Oft entpuppen sich Zulassungsgespräche als Laufbahnberatungen. Es wird eine Auslegeordnung von Vorwissen und Erfahrungen gemacht sowie fehlende Kompetenzen oder Erwartungen an eine Weiterbildung erörtert. Die Absichten bei der Persönlichkeitsentwicklung, die aktuelle sowie angestrebte Berufstätigkeit, die Situation bei Familie und Freizeit sollen entsprechend persönlichen Werthaltungen in Balance sein.

Entscheidungsfindung

Initial steht nicht die Höhe des Abschlusses im Vordergrund – es gibt für jeden Bedarf einen passenden CAS-Lehrgang oder einen MAS- oder MBA-Studiengang. Vielmehr geht es darum, den Bedarf genau zu lokalisieren: Wo will ich hin? Welche Berufsgebiete und -positionen innerhalb des Gesundheitswesens interessieren mich? Wie werde ich fit für diese Position?

Es ist durchaus empfehlenswert, (noch in der Ferne liegende) Stellenbeschreibungen zu studieren, um sich zu vergewissern, welche Aufgaben Spass bereiten würden oder sogar in Reichweite liegen. Was gefällt an der bisherigen Tätigkeit und welche Aufgaben sollten gerne häufiger anfallen? Welche heutigen Herausforderungen bereiten keine Angst, sondern verschaffen Neugier? Wann hätte man sich im Berufsalltag gewünscht, angefragt zu werden oder Teil einer Projektgruppe zu sein? Dieses erste Stadium der Entscheidungsfindung ermöglicht eine gute Einschätzung der aktuellen IST- und der angestrebten SOLL-Situation. Der Entscheidungsprozess ist somit bereits gut aufgegleist.

So einfach?

Die Selbstbefragung ist, obwohl eher unspektakulär im set-up, doch ziemlich beschwerlich und mühsamer als gleich im Internet zu suchen, welche Weiterbildungen sich «interessant» anhören. Sich zu schnell auf solche Reize einzulassen, könnte auf falsche Fährten lenken.

Dies ist sicherlich wohl bekannt und natürlich sind die Fragen unbedingt mit Familie, Berufskollegen und Freunden zu erörtern. Die Erfahrung zeigt: Es gibt keine neuen Wege der Entscheidfindung. Je nach Vorgehensweise, ob mit Mapping oder Design Thinking können zwar neue Reize für die Gedankenführung gesetzt werden. Jedoch nur Betroffene selbst und deren Umfeld stellen berührende Fragen, welche Schlüsse zur Wahl der passenden Weiterbildung ziehen lassen.

CAS oder MAS?

Der Entscheid, ob CAS oder MAS, wird das Ergebnis aus dem Vergleich der Ausgangslage und der jeweiligen angestrebten Zielsituation sein. Es ist die Differenz zwischen «wo stehe ich?» oder «was bringe ich mit?» und «was fehlt mir?» oder «wo möchte ich mich neu besonders betätigen?». Je nachdem reicht eine begrenzte Vertiefung in einem Teilbereich des Gesundheitswesens mit Besuch eines CAS nicht aus und es muss eine breitere und intensivere Auseinandersetzung wie etwa im Rahmen eines MAS oder mindestens mehrerer ergänzender CAS stattfinden.

Die Höhe und damit Wertigkeit des Abschlusses (im CAS werden 10-15 ECTS und im MAS oder MBA werden in der Regel 60 ECTS erworben) kann ebenfalls ausschlaggebend sein. Wenn der Lebenslauf weiterbildungstechnisch besonders angereichert werden soll, wird die Wahl auf ein MAS- oder MBA-Studium fallen. Gemäss Angaben der MAS-Studierenden im MAS in Managed Health Care wählten in den vergangenen drei Jahren bis zu 70% dieses Studium, um sich bessere Berufsaussichten zu ermöglichen und tatsächlich haben 80% der Absolventen spätestens bis Ende Studium eine Führungsposition bekleidet.

Oft muss diese Entscheidung nicht schon zu Studienbeginn getroffen werden. Viele Masterstudiengänge in der Weiterbildung sind modular aufgebaut und setzen sich aus einer Auswahl von CAS-Lehrgängen zusammen. Es kann mit ein bis zwei Einstiegs-CAS gestartet und daraufhin einem Studienplan folgend der MAS inhaltlich und terminlich flexibel in Etappen weiter umgesetzt werden. Stark engagierte Fach- und Führungskräfte können ihren Weiterbildungsbedarf Ressourcen-gerecht und behutsam angehen.

Esther Furrer ist MAS Studienleitung am WIG.

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