Versorgungsforschung

COVID-19 Social Monitor – Zeitnahes Monitoring der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Schweizer Bevölkerung

Nicht-Beanspruchung medizinischer Leistungen wegen Corona-Krise

Die Grafik zeigt den Anteil der Bevölkerung, der in den ersten zwei Wochen des Lockdowns aufgrund der Corona-Krise auf eine medizinische Behandlung verzichten musste. 2024 Personen, befragt vom 30. März bis 5. April. Quelle: COVID-19 Social Monitor.

Von Marc Höglinger

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie erfasst in Zusammenarbeit mit dem Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich seit Ende März regelmässig und zeitnah das Befinden der Schweizer Bevölkerung während der COVID-19 Pandemie mittels einer für die Schweizer Bevölkerung repräsentativen Panel-Befragung. Laufend aktualisierte Resultate des COVID-19 Social Monitor finden sich hier.

Die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie sind gewaltig. Einerseits durch die Erkrankung selbst mit zahlreichen Todesfällen und einer enormen Belastung der Gesundheitsversorgung und andererseits durch Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie – dem Lockdown mit Social Distancing und der Schliessung von Schulen, Läden, Restaurants und dem Unterbruch fast des gesamten öffentlichen Lebens.

Negative Folgen für die Bevölkerung ergeben sich in verschiedensten Bereichen und dürften sich mit fortschreitender Dauer noch verschärfen. In der dritten Woche des Lockdowns vom 30. März bis 5. April 2020 schätzen38% der Befragten ihre aktuelle Lebensqualität als „eher schlechter“ und 4% als „viel schlechter“ als vor der Corona-Krise ein. Auf der anderen Seite geben immerhin 9% an, ihre Lebensqualität habe sich verbessert.

Unsere Studie erhebt laufend eine Reihe relevanter Indikatoren und ermöglicht so, Veränderungen über die Zeit und negative Entwicklungen frühzeitig zu registrieren: generelles Wohlbefinden, Gesundheitszustand, psychische Belastung, soziale Aktivitäten, Einsamkeit oder der Zugang zu medizinischer Versorgung.

  • Kurzfristig lassen sich Aussagen zur Wirksamkeit und den unmittelbaren Auswirkungen der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus machen.
  • Mittelfristig werden die negativen Folgen der Krise auf die Bevölkerung sichtbar (z.B. soziale Isolation, psychische Belastung, Zugangsbeschränkung zu Gesundheitsversorgung)
  • Langfristig können wir z.B. die öffentliche Akzeptanz von Gegenmassnahmen und deren Feinjustierung untersuchen. So gewinnen wir auch wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit zukünftigen Epidemien.

Unsere Daten zeigen etwa, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung in den ersten zwei Wochen des Lockdowns stark eingeschränkt war: Rund 20% der Befragten hat in dieser Zeit auf eine medizinische Behandlung bei der Hausärztin, beim Psychologen, in der Physiotherapie oder beim Zahnarzt verzichtet. Die Termine wurden abgesagt oder von den Patientinnen und Patienten selbst verschoben. Mehrheitlich handelte es sich dabei um geplante Termine und Kontrolluntersuchungen, vereinzelt aber auch um Notfälle.

Hält dieser Zustand weiter an, besteht das Risiko einer mangelnden Gesundheitsversorgung – wie sich die Situation entwickelt, werden wir in den nächsten Wochen mit dem COVID-19 Social Monitor genau verfolgen können.

Details zum Projekt, dem methodischen Vorgehen und laufend aktualisierte Resultate finden sich auf der Homepage des COVID-19 Social Monitors.

Marc Höglinger ist Versorgungsforscher am WIG und seit Beginn des Lockdowns vorwiegend mit dem COVID-19 Social Monitor beschäftigt.

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