Versorgungsforschung

Osteosynthese in der Frakturbehandlung: Was ist der Impact für die Gesellschaft?

Von Prof. Dr. Klaus Eichler

Wer ist die «AO»?

Die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (Kurz: AO) wurde vor 60 Jahren in der Schweiz gegründet.

Mit der Gründung der AO wurde der Wandel in der Behandlung der meisten Knochenfrakturen von einer konservativen Behandlung (mittels Gips oder Streckvorrichtung) hin zu einer operativen Behandlung zur Stabilisierung der Knochenfragmente (Osteosynthese mittels Platten und Schrauben) eingeleitet.

Die Ergebnisse für die Patienten besserten sich dramatisch: schnellere Mobilisierung, kürzere Spitalaufenthalte, bessere Funktionalität und kürzere Rehabilitation, weniger Todesfälle, schnellere Reintegration am Arbeitsplatz und weniger Invalidität.

Erstaunlicherweise wurden die Wirkungen der Osteosynthese für die Gesellschaft als Ganzes bisher nicht untersucht.

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie hatte von der AO aus Anlass ihres 60.Geburtstags den Auftrag erhalten eine solche Impact Evaluation durchzuführen.

Was hat die WIG-Studie genau untersucht?

Es wurde die hypothetische Abwesenheit der Osteosynthese angenommen und die Ergebnisse der Osteosynthese (OS) mit denen der konservativen Therapie (CONS) verglichen.

Es wurde eine Kostenvergleichsstudie mit einem Decision-tree-Model durchgeführt. Die erwarteten direkten und indirekten Kosten, sowie die erwarteten gewonnenen Lebensjahre wurden berechnet als Unterschied zwischen OS und CONS. Solche Berechnungen wurden für 3 Indexfrakturen vorgenommen (Femur-, Tibia- und Radiusfrakturen; Patientenalter: <65 Jahre).

Die Ergebnisse für die Schweiz aus 60 Jahren wurden auf 16 andere high-income-Staaten aus vier Kontinenten übertragen (z.B. Deutschland, USA, Japan, Australien).

Der sozioökonomische Impact der OS über 60 Jahre in 17 Ländern war mit Einsparungen von 855 Milliarden CHF an direkten und indirekten Kosten beträchtlich (ausgewiesenes Kostenjahr: 2015; Discounting 3%: Damit werden Einsparungen an indirekten Kosten, die erst später angefallen sind, entsprechend geringer gewichtet [z.B. OS in 1980 mit fortbestehenden Einsparungen in 1999]). Zudem wurden viele Lebensjahre eingespart.

Auch bei der älteren Bevölkerung (>=70 Jahre), bei der der Fokus auf proximalen Femurfrakturen lag, waren die Kosteneinsparungen beträchtlich. Zusätzlich führte die OS auch hier zu vielen gewonnenen Lebensjahren.

Die vom WIG beim 60th Anniversary Meeting in Davos am 08. Dezember 2018 vorgestellten Ergebnisse stiessen auf reges Interesse: AOFoundation 1104

Die Ergebnisse unserer Studie werden in wissenschaftlichen Journals veröffentlicht.

Das WIG hat neben dem Impact auf die Patientenversorgung zusätzlich auch dem Impact der AO als Organisation auf die Bereiche Education, Science und Business untersucht.

Zeitgleich zu den Arbeiten des WIG ist ein Buch von Prof. Jeannet, IMD Institute, erschienenen, welches die Entwicklungsgeschichte der AO aus einem Management-Blickwinkel beleuchtet: AOFoundation 1109

Prof. Dr. Klaus Eichler ist Leiter der Fachstelle Versorgungsforschung am WIG.

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