Gesundheitsökonomische Forschung

Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen ohne an Qualität zu verlieren – wie geht das?

Von Zoe Brack

Beklagen Sie sich auch manchmal über Ihre hohen Krankenkassenprämien? Und wenn ja, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Gründe für diese hohen Kosten sein könnten? Oder: Was könnte man tun, um den steigenden Kosten im Schweizer Gesundheitswesen entgegenzuwirken? Ist eine medizinische Behandlung überhaupt sinnvoll in einer bestimmten Situation oder verursacht sie nur unnötig Kosten oder schadet sogar der Gesundheit? Diese Frage möchte die Kampagne «aufgreifen und auf das Thema Fehl- und Überversorgung in der Medizin aufmerksam machen.

Die «smarter medicine» Kampagne

Die Kampagne «smarter medicine» möchte medizinische Behandlungen, die unnötige Kosten verursachen aber nichts zur Qualität der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung beitragen, eliminieren. Dazu wurden für folgende klinische Fachdisziplinen mindestens je fünf Empfehlungen zur Vermeidung unnötiger Behandlungen formuliert:

  • Ambulante Allgemeine Innere Medizin
  • Stationäre Allgemeine Innere Medizin
  • Geriatrie
  • Intensivmedizin
  • Gastroenterologie
  • Chirurgie
  • Radio-Onkologie
  • Nephrologie

Wie viel Effizienzpotential steckt hinter diesen Empfehlungen von «smarter medicine»? Oder anders formuliert: Wie viel Geld könnte eingespart werden, wenn diese Empfehlungen – unter der Voraussetzung, dass das Schweizer Gesundheitssytem nicht an Qualität verliert – sachgemäss umgesetzt würden? Und wie kann man sich eine solche Empfehlung vorstellen, die zu Kosteneinsparungen führen soll?

Ein Beispiel

Betrachten wir ein konkretes Beispiel einer oben erwähnten Empfehlung: In der klinischen Fachdisziplin «ambulante allgemeine Innere Medizin» empfiehlt «smarter medicine» den Ärztinnen und Ärzten, keine Antibiotika gegen unkomplizierte Infekte der oberen Luftwege zu verschreiben. Grund dafür ist, dass der Grossteil solcher Infekte viraler Natur ist, wogegen Antibiotika wirkungslos sind. Dies wird sehr anschaulich in einem kürzlich veröffentlichten Video erklärt, das in Zusammenarbeit des Bundesamts für Gesundheit, des Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse und der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH entstanden ist.

Zudem informiert das Video über die schwerwiegenden Konsequenzen von Antibiotikaresistenzen, die Mensch, Tier und Umwelt betreffen. Der falsche oder zu häufige Einsatz von Antibiotika stellt ein erhebliches Risiko für das Auftreten solcher Resistenzen dar. Die Folgen sind Bakterien, die weniger oder gar nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Sobald also Menschen oder Tiere durch resistente Bakterien infiziert werden, können sie nur schwer oder gar nicht mehr behandelt werden. Neben den Resistenzen bringt ein unsachgemässer Einsatz von Antibiotika auch andere unerwünschte Wirkungen mit sich; zum Beispiel werden nützliche Bakterien angegriffen. Aus diesen Gründen ist der richtige Umgang mit Antibiotika sehr wichtig und die Empfehlung von «smarter medicine» ernst zu nehmen.

Was können wir gegen «Overuse» tun?

Nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch wir als Patienten können zur Vermeidung von „Antibiotika-overuse“ beitragen, sollten uns eines Tages – hoffentlich nicht aufgrund unkomplizierter Infekte der oberen Luftwege – Antibiotika verschrieben werden. Zum richtigen Umgang mit Antibiotika als Patient gibt der Videobeitrag wertvolle Tipps.

Wenn sich also nach dem tropischen Hochsommer auch hier wieder langsam die kalte Jahreszeit einschleicht, sollte folgendes im Hinterkopf behalten werden: Die körpereigene Abwehr ist vielfach ausreichend! Infektionen können von einem gesunden Körper meistens sehr gut abgewehrt werden. Fieber beispielweise ist häufig ein Zeichen für eine funktionierende Abwehrreaktion und macht Antibiotika in vielen Fällen überflüssig.

Mit einfachen Massnahmen können somit Kosten eingespart und die Gesundheit gesteigert werden – nicht nur in diesem konkreten Beispiel, sondern auch bei vielen anderen medizinischen Behandlungen.

Zoe Brack ist Praktikantin im Team Gesundheitsökonomische Forschung am WIG.

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