Weiterbildung

Field trips sind keine Zeitverschwendung

Von Esther Furrer

Field trips kosten Geld und brauchen Zeit. Trotzdem ist es äusserst sinnvoll, als Klasse eine Exkursion innerhalb der Schweiz zu unternehmen oder an einer Studienreise konkrete Einblicke in das Gesundheitssystem eines anderen europäischen Landes zu bekommen.

Die Teilnehmenden des CAS Gesundheitssysteme und -politik machen sich kundig über Architektur, Akteure und Finanzierung von einheimischen und fremden Gesundheitsystemen. Seit bald einem Jahrzehnt bekommen sie an Exkursionen einen persönlichen Einblick in Behörden und Aufsichtsgremien. Sie verstehen dadurch die Akteure und ihre Rollen besser. Bei mehrtägigen Field trips in europäische Länder profitieren sie zudem von einer anhaltenden und vertieften Auseinandersetzung mit den fremden Strukturen. Dabei schätzen sie den Perspektivenwechsel und den regen Austausch mit ihren Mitstudierenden.

Was spricht für eine Exkursion?

Eine EXKURSION liesse sich vielleicht durch einen Inputreferate-Zyklus mit mehreren Rednern und Diskussionspartnern ersetzen. Dann würde aber der persönliche Augenschein fehlen und das Wissen, wo und wie Regierungsvertreter, Zulassungsbehörden oder Delegierte der Kantone ihre Lösungen und Entscheide beraten und ausarbeiten. Zwar besuchen die Studierenden des CAS Gesundheitssysteme und -politik lediglich Bürogebäude oder Amtshäuser, aber der individuelle Eindruck unterstützt das Verständnis der Materie. Vor allem dann, wenn die Studierenden Akteure in ihren Räumlichkeiten treffen und Behördemitglieder bei ihrer regulären Arbeit oder beim Lobbying beobachten können. Oder wenn sie dem Gesundheitsminister auf dem Weg zur Verhandlung und Vorbereitung von politischen Entscheidungen begegnen. Der Erfolg von Exkursionen liegt gerade darin, dass sich die Teilnehmenden Zeit nehmen können, Fragen direkt zu klären und die Experten in ihrem Umfeld wahrzunehmen.

Welche Vorteile bietet eine mehrtägige Studienreise?

Die Erkundung interessanter Vergleichsländer kann schon aufgrund der Distanzen oft nicht durch einen Tagesausflug abgeckt werden. Die schon für eine Exkursion genannten Beweggründe gelten bei STUDIENREISEN in verstärktem Masse. Gastgebende Regierungsvertreter haben sich als ausserordentlich besucherfreundlich erwiesen. Sie haben wiederholt zu verstehen gegeben, dass sie den Effort, den die Reisenden auf sich nehmen, schätzen.

Die Studierenden erkunden auf ihren drei- bis viertägigen Studienreisen nach Deutschland, Holland, England, oder Dänemark die fremden Gesundheitssysteme systematisch. Sie treffen Regierungsvertreter der Gesundheitsministerien, Behördenvertreter in der Versorgungsplanung oder in Qualitäts- und Aufsichtsbehörden, oder sie besuchen Leistungsanbieter wie etwa Spitäler. Im Vordergrund stehen Fragen wie die Finanzierung der jeweiligen Gesundheitswesen sowie das Potential zur Gesundheitskostendämmung oder Leistungsqualitätssteigerung. Interessant ist auch, welche Chancen aktuell lokal genutzt werden – und auch in der Schweiz genutzt werden könnten.

Die Studienreisen bieten einen wichtigen Mehrwert. Losgelöst vom Berufsalltag bekommen die Studierenden First-Hand-Informationen vor Ort und lernen kompetente Fachkräfte in ihrem angestammten Setting kennen. Sie bauen persönliche, internationale Kontakte auf, die es ihnen erlauben, im Anschluss an die Reise interessante Perspektiven weiterzuverfolgen. Deshalb ist es leicht nachvollziehbar, dass auch ehemalige Studien-Reisende dieses Angebot wiederholt nutzen.

Wieso braucht es die Studienreise ausserdem noch? Bilder und Videos ersetzen die Beobachtungen und eigenen Einschätzungen zur Umgebung und zu Aussagen der Referenten vor Ort nicht. Zudem ist der Goodwill, der durch das persönliche Treffen geschaffen wird, unersetzlich. Bereits mehrmals haben ehemalige Gastgeber aufgrund dieser Besuche später den Kontakt aufgefrischt und gar nach Handlungsempfehlungen für ihren eigenen Bedarf gefragt.

Exkursionen und Studienreisen bedeuten Zeitaufwand und Kosten (den Studierenden obliegen dabei lediglich die Reisekosten!), verhalten sich jedoch ganz nach dem Motto: Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen (Benjamin Franklin).

Esther Furrer ist Studienleiterin am WIG.

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