Management im Gesundheitswesen

Virtual Reality in der Spitalplanung: Digital Health trifft „The Matrix“

Von Irene Kobler und Prof. Dr. Alfred Angerer

Ob ich vor dem Kauf mein Auto neu konfigurieren und testen oder in einem Videospiel die Welt in der Vogelperspektive erkunden möchte – Virtual Reality (VR) macht’s möglich. Dass die computergeschaffene künstliche Wirklichkeit in der Welt der Computerspiele längst zum Alltag gehört, ist kein Geheimnis. Doch dass Spitäler bei der Planung eines neuen Gebäudes auf solch eine Technologie zurückgreifen, hätte man sich bis vor einigen Jahren noch nicht zu träumen gewagt.

Spitalräume virtuell erleben

Ein junges Team rund um Dr. Thomas Nescher hat das Potential von Virtual Reality erkannt und das ETH Spin-off Inspacion gegründet. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, die Spitalplanung zu revolutionieren. Die von Inspacion entwickelte Software erleichtert den Spitälern das Designen, Erleben und Prüfen von Neu- und Umbauten. Der Einsatz von Virtual Reality bietet vielerlei Möglichkeiten:

  • VR kann ganz zu Beginn der Planungsphase beigezogen werden, um zu definieren, welche Geometrie (Grobform) das Spital haben soll – ganz im Sinne des Prototypings. Gegenüber der Bierzelt-Variante entstehen geringe Kosten und die Möglichkeiten sind nahezu unbeschränkt. Ausserdem sind die Modelle zeitlich unbeschränkt verfügbar.
  • Sobald die Form des Gebäudes steht, können die Spitäler die konkreten Prozesse in der virtuellen Realität ohne grossen Aufwand in Nutzersimulationen konzeptionieren und von unterschiedlichen Mitarbeitenden bewerten lassen. Prozesse können verändert und ohne zeitliche Verzögerung virtuell ausprobiert werden.
  • Zu guter Letzt erleichtert VR in der Feinplanungsphase die Platzierung jedes Möbelstücks, jedes Geräts und jeder Anzeige. Durch das virtuelle Austesten können die Spitäler sicherstellen, dass die Prozesse fliessen und gleichzeitig effizientes und sicheres Arbeiten unterstützen.

Forschungsbedarf aus Managementsicht

Noch ist nicht definiert, wie die Software vom Spital-Management am besten eingesetzt wird, welche Mitarbeitenden idealerweise in die Nutzersimulationen miteinbezogen werden, zu welchen Themen sich die Testpersonen äussern sollen und wie die Rückmeldungen in die Planung mit den Architekten eingebunden werden. Für eine effiziente Nutzung der Software ist es an der Zeit, diese Themen sorgfältig zu untersuchen.

Ein Besuch in der virtuellen Welt

Der Besuch von Inspacion hat uns nachhaltig beeindruckt. Das Eintauchen in die virtuelle Spitalwelt wird innerhalb kürzester Zeit ermöglicht: Der Computer wird rucksackartig aufgeschultert, die Brille aufgesetzt, zwei Controller in die Hand genommen – schon befindet man sich im OP, schiebt OP-Liegen umher, platziert Lampen und Stühle und spielt konkrete Prozesse nach.

Doch die Methode hat auch Nachteile. Die Fortbewegung im virtuellen Raum ist zurzeit noch unausgereift. Man wird per Knopfdruck an den gewünschten Ort gezoomt. Diese ruckartige Bewegung führt zu Verwirrung und Desorientierung. Die Entwickler sind sich dessen bewusst und arbeiten mit Hochdruck an einer erweiterten Version. Zudem befindet man sich noch meistens alleine im virtuellen Spital, laut Nescher dauert es aber nicht mehr lange, bis man im Team Prozesse noch viel wahrheitsgetreuer nachspielen und sich zum Beispiel wie im Alltag Arbeitsinstrumente überreichen kann.

Überzeugen Sie sich selbst

Wenn Sie sich ein Bild der Simulationen machen möchten, können Sie sich über die untenstehenden Links Videos anschauen. Doch das ist nur ein Bruchteil der Erfahrung. Erst das persönliche Erleben der virtuellen Welt in 3D lässt einem die spannenden Möglichkeiten dieser Technologie erahnen.

Irene Kobler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prof. Dr. Alfred Angerer Leiter der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am WIG.

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