Versorgungsforschung

Mit strukturierten Behandlungsprogrammen zu einer optimalen Versorgung

Von Fabio Knöfler

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) leistet einen Beitrag zur Optimierung der Versorgung chronisch kranker Patienten: Im Auftrag der SWICA Krankenversicherung werden die Auswirkungen eines Disease-Management-Programms für Diabetiker auf die Qualität und die Kosten der Versorgung unter Alltagsbedingungen untersucht.

Um in möglichst guter Gesundheit und bei hoher Lebensqualität alt zu werden, müssen chronisch kranke Menschen lernen, langfristig mit der Erkrankung umzugehen und diese im Alltag zu integrieren. Für das Gesundheitssystem wiederum, welches primär auf die Behandlung akuter Erkrankungen ausgerichtet ist, sind die Anforderungen an eine koordinierte und effiziente Versorgung in Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen besonders hoch. So sind oftmals mehrere Gesundheitsberufe und Disziplinen an der Behandlung von chronisch Erkrankten beteiligt, was zu Doppelspurigkeiten und einer Überversorgung führen kann. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr einer Unterversorgung, gerade wenn die Ärzte wenig Zeit für die Konsultationen haben und die Patienten unzureichend in die Behandlung einbezogen werden. Es sind also Lösungen gefragt, um die Behandlung chronisch kranker Patienten zu optimieren.

Immer mehr Ärztenetzwerke bieten deshalb – unterstützt durch die Versicherer – sogenannte Disease-Management-Programme (DMP’s) an. Dabei handelt es sich um strukturierte und möglichst evidenzbasierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen, mit denen sowohl die Qualität als auch die Effizienz der Versorgung verbessert werden sollen.

Die Behandlung im Rahmen eines DMP erfolgt dabei nach einem individuellen Behandlungsplan und durch ein interprofessionelles Team. Der Behandlungsplan beinhaltet die gemeinsame Vereinbarung von Therapiezielen zwischen dem Arzt und dem Patienten, wobei sich die Ziele an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. Von den Therapiezielen werden entsprechende Massnahmen abgeleitet, welche unter anderem die Anpassung der medikamentösen Behandlung, Schulungstermine und regelmässige Kontrolluntersuchungen beinhalten können. Der evidenzbasierte Behandlungsplan für Diabetiker sieht beispielsweise regelmässige augenärztliche Untersuchungen vor, um mögliche Schädigungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Im Rahmen von Schulungen erhalten die Diabetiker zudem Informationen zur Erkrankung und erlernen die nötigen Kompetenzen, um im Alltag mit der Erkrankung umgehen zu können (z.B. das Messen des Blutzuckerspiegels). Die einzelnen Behandlungsschritte, Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse werden dokumentiert, in regelmässigen Abständen gemeinsam mit dem Patienten evaluiert und der Behandlungsplan gegebenenfalls angepasst.

Das Ziel von DMP’s ist es einerseits, die Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung zu unterstützen und sie aktiv in die Behandlung einzubeziehen. Anderseits soll die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachleuten und Einrichtungen anhand evidenzbasierter Behandlungsrichtlinien besser koordiniert und die einzelnen Behandlungsschritte besser aufeinander abgestimmt werden. Dadurch sollen die Lebensqualität der Betroffenen verbessert, Komplikationen und Folgeschäden sowie Doppeluntersuchungen vermieden und nicht zuletzt unnötige Kosten eingespart werden.

Fabio Knöfler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle Versorgungsforschung am WIG.

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