Immer wieder werden die Verkehrsexperten des Studiengangs Verkehrssysteme nach Ihrer Meinung gefragt. Nicht immer werden die Antworten komplett abgedruckt, häufig nur einzelne Aussage zitiert. Wie auch im Artikel „Grosse Pläne für fliegende Autos“ für die Zeitung 20min. Gerne liefern wir aber das komplette Interview nach:

20min: Kommen fliegende Autos wirklich schon so bald? Wer sind potenzielle Käufer (Superreiche, Taxifirmen, etc.)?
Thomas Sauter-Servaes (Studiengangleiter Verkehrssysteme): Aus rein technischer Sicht sehe ich grosse Chancen, dass wir schon bald erste Flugtaxis im kommerziellen Betrieb sehen könnten. Die Technologie ist durchaus beeindruckend, eine begeisternde ingenieurtechnische Antwort – aber auf welche Frage? Lösen wir damit wirklich ein relevantes verkehrstechnisches Problem? Und wenn ja, zu welchem Preis? Wir sind gerade dabei, unsere Strassen und Städte durch den grossflächigen Einsatz von Elektromotoren und Tempolimits leiser zu machen. Gleichzeitig denken wir nun über den verstärkten Einsatz von Luftverkehrsmitteln in Städten nach. Das ergibt für mich keinen Sinn. Entsprechend gross könnte letztlich das Akzeptanzproblem dieser Mobile sein.

Wird die Schweiz bei diesem Thema vorne dabei sein oder eher hinterherhinken?
Wir haben in der Schweiz ein sehr starkes öV-System. Als Massenverkehrsmittel, wie es derzeit in zahlreichen Visualisierungen dargestellt wird, erkenne ich keine Zukunft für Lufttaxis in der Schweiz. Ein Einsatz in Nischen wäre für Lilium, Volocopter & Co. durchaus denkbar. Aufgrund des hohen Wohlstandsniveaus in der Schweiz gibt es hierfür sicherlich auch einen Markt.

Was für Veränderungen würden fliegende Autos mit sich bringen? (Wie verändern sich Parkplätze, wie sieht es mit Lärm aus, was wären ökologische Auswirkungen, etc.?)
Fliegende Autos sind prinzipiell das falsche Signal. Wir sollten uns darauf fokussieren, den Verkehr nachhaltiger und unsere Städte lebensfreundlicher zu gestalten. Mikromobile wie E-Trottis, Velos und die eigenen Füsse bieten diesbezüglich grosse Potenziale: leise, flächeneffizient und klimafreundlich.

Wie ernst meinen es die grossen Player, die in fliegende Fahrzeuge investieren? (Daimler sieht sich zum Beispiel als Vorreiter auf dem Gebiet. Die Firma hat bisher rund 25 Millionen Euro in Volocopter investiert. Das scheint eher wenig, wenn man bedenkt, dass Daimler pro Jahr ungefähr 4,5 Milliarden Euro in R&D investiert.)
Die Verkehrsbranche ist im Umbruch. Klassische Fahrzeughersteller versuchen sich verstärkt als Mobilitätsdienstleister zu positionieren. Es steht der grosse Wettstreit der Mobilitätsplattformen bevor, die alle Mobilitätsservices vom Velo über Carsharing bis zum Zugticket aus einer Hand anbieten werden. Je breiter das Angebot der Plattformen ist, umso attraktiver sind sie für den Nutzer. Und wenn im Flatrate-Angebot dann auch noch eine monatliche Flugtaxi-Nutzung integriert ist, kann das ein spannendes Alleinstellungsmerkmal für den Anbieter sein.