«Vegane Ernährung und Zugreisen empfinde ich nicht als Verzicht»

Moira Trüb studiert im fünften Semester «Gesundheitsförderung und Prävention» an der ZHAW. Darüber hinaus setzt sie sich auch persönlich für mehr nachhaltige Entwicklung ein. Was dazu geführt hat, verrät die Studentin im Interview.

Wie engagierst du dich für Nachhaltigkeit?
Zunächst einmal im kleinen Rahmen bei mir selbst: Ich ernähre mich vegan und nutze mehrheitlich Velo oder Zug als Fortbewegungsmittel. Das macht als einzelne Person vielleicht wenig aus, aber das Vorleben ist mir sehr wichtig und sorgt im besten Fall für Nachahmung. Darüber hinaus engagiere ich mich als freiwillige Mitarbeiterin bei der Restessbar in Winterthur, wo ich einmal pro Woche beim Abholen der Speisen mithelfe.

Moira Trüb engagiert sich für weniger Food Waste.

Gab es einen Schlüsselmoment, der dich zu mehr nachhaltigem Denken geführt hat?
Einen speziellen Moment gab es zwar nicht, aber eine Reise hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich war vor ein paar Jahren für einige Monate in Neuseeland, um Englisch zu lernen und das Land zu bereisen. Diese Reise war aus ökologischer Sicht alles andere als nachhaltig, hingegen hat sie meinen persönlichen Horizont enorm erweitert. Ich hatte Zeit zum Nachdenken und habe zudem viele inspirierende Bekanntschaften gemacht. Dadurch habe ich meinem persönlichen Ressourcenverbrauch vermehrt reflektiert.

Und was hast du dann konkret unternommen?
Ich bin als Vegetarierin aus Neuseeland zurückgekehrt. Diese Ernährungsumstellung hatte für mich als Backpacker in Neuseeland auch praktische Vorteile, da tierische Produkte viel häufiger gekühlt werden müssen. Zurück in der Schweiz hatte ich mich längst ans vegetarische Essen gewöhnt und die Umstellung auf vegan fiel mir nicht schwer. Das ist inzwischen drei Jahre her. Bislang sehe ich keinen Grund, wieder damit aufzuhören. Auch Flugreisen unternehme ich keine mehr. Aber weder die vegane Ernährung noch das Reisen mit dem Zug empfinde ich als Verzicht. Vielmehr öffnet es den Blick für interessante Gerichte oder schöne Orte in Europa zu erkunden.

Mit einem Beitrag zum Thema vegane Ernährung hast du auch am Students4OER-Wettbewerb teilgenommen. Worum ging es dabei?
Ein Kommilitone und ich haben ein Informationspapier zu veganer Ernährung eingereicht. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen und mit den Mythen rund um Mangelernährung aufgeräumt. Man sieht auf einen Blick, warum es Vorteile hat, vegan zu essen. Zwar haben wir mit dem Projekt nicht gewonnen, es war mir aber ein persönliches Anliegen, etwas zur Aufklärung und Sensibilisierung über vegane Ernährung beizutragen. Und wir haben auch viel positives Feedback darauf bekommen.

Im nächsten Jahr schreibst du deine Bachelorarbeit. Wird es darin auch um Veganismus gehen?
Nein, aber ich habe ein anderes nachhaltiges Thema gefunden: Klimaangst auf der psychologischen Ebene. Das Thema liegt mir auch sehr am Herzen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der – bisweilen aussichtslos anmutende – Kampf gegen den Klimawandel nicht zu Depressionen oder Angststörungen führt. Ich werde in meiner Bachelorarbeit praktische Workshops für Schulklassen ausarbeiten. Nun verbringe ich aber erstmal ein Auslandssemester in Amsterdam.

Für Moira Trüb gilt wenn immer möglich “Zug statt Flug”.

Du bist selbstverständlich mit dem Nachtzug dorthin gereist?
Ja klar. Der Nachtzug hatte neben der ökologischen Nachhaltigkeit gegenüber dem Flugzeug den Vorteil, dass ich mein Velo mitnehmen konnte. Ausserdem habe ich sogar eine Prämie von CHF 100.- ausbezahlt bekommen, weil ich mich für den Zug anstelle des Flugzeugs entschieden habe. Das war eine nette Überraschung, denn ich wusste nichts von dem Förderprogramm. Ich finde, dieser Anreiz muss unbedingt an Bekanntheit gewinnen unter den Studierenden, damit auch andere ernsthaft den Zug als Alternative prüfen.

Wirst du Amsterdam auch ein bisschen nachhaltiger machen?
Mein Velo habe ich jedenfalls dabei, wobei das dort bekanntermassen das gängige Fortbewegungsmittel ist. Ich werde mich auch in Amsterdam bei einer Organisation für Lebensmittelrettung engagieren. Wer weiss, vielleicht kann ich etwas von meinen bereits gesammelten Erfahrungen einbringen oder umgekehrt ein paar Inputs mitnehmen für die Restessbar. So oder so freue ich mich, auf diese Weise wieder auf Menschen zu treffen, die sich für weniger Food Waste einsetzen.

Die Blogserie «humans4sustainability@ZHAW» stellt Studierende und Mitarbeitende der ZHAW vor, die sich persönlich für nachhaltige Entwicklung engagieren.
Du hast einen Vorschlag? Dann schreib uns: sustainable@zhaw.ch

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