Auf den Teller statt in den Abfall

Aus überschüssigen Lebensmitteln stellen Sophia Graupner und Ximena Franco vollwertige Mahlzeiten als Fertigprodukte her, so die Idee ihres Projekts «hängry foods». Die Gerichte werden kalt angeboten und können flexibel in der Mikrowelle erwärmt werden. Das Sustainable Impact Program fördert das Nachhaltigkeitsprojekt der beiden Lebensmitteltechnologie-Studentinnen.

Bald schon sollen ZHAW-Angehörige ein Fertiggericht zu Mittag essen können, das aus Lebensmitteln besteht, die vor dem Abfallkübel gerettet wurden. Dafür haben Sophia und Ximena ein Startup gegründet und planen die Durchführung eines Reallabors an der ZHAW. Mit ihrer Geschäftsidee überzeugten die Studentinnen auch an der diesjährigen Startup Challenge der ZHAW. Wir haben mit den Gewinnerinnen gesprochen.

Erst der Erfolg beim Sustainable Impact Program, dann der Sieg bei der Startup Challenge – ihr reitet gerade auf der Erfolgswelle. Wie fühlt ihr euch?

Sophia: Wir sind medial gerade sehr gefragt und haben in den letzten Wochen etliche Interviews gegeben. Zudem standen auch noch unsere Semesterprüfungen an. Und wir investieren natürlich viel Zeit in unser Projekt.

Ximena: Das mediale Interesse freut uns natürlich, aber manchmal ist es auch etwas schwierig, weil wir ja noch am Anfang stehen mit unserem Projekt. Wir haben zwar einen konkreten Plan, den wir umsetzen wollen, aber noch kein fertiges Produkt, das wir präsentieren können.

Womit seid ihr zwei derzeit beschäftigt?

Ximena: Wir haben ganz neu mit Valentin Holenstein ein drittes Mitglied in der Geschäftsleitung. Zudem haben wir Mitarbeitende für Logistik und Produktion eingestellt. Wir fangen jetzt testweise mit der Produktion unserer Gerichte an. Zum einen haben wir erste Partner:innen gewonnen, die uns Lebensmittel liefern, die sonst entsorgt werden würden. Zum anderen konnten wir uns in eine geeignete Grossküche einmieten. Wir sind in der sogenannten Proof of Concept-Phase, d.h. wir machen Probeläufe mit unserem eigenen Bekanntenkreis oder auch mit deren Büros, um etwas grössere Gruppen zu erreichen. So können wir erste Erfahrungen sammeln und unsere Prozesse und Kapazitäten prüfen und optimieren. Und wir sind natürlich gespannt, welche Gerichte bei unseren ersten Test-Kunden gut ankommen.

So könnte das fertige Produkt aussehen.

Sophia: Neben dem operativen Prozedere wollen wir als Startup auch geschäftlich vorankommen. Wir stellen also weiter fleissig Anträge bei Ausschreibungen, die zu unserem Projekt passen. Auch den Austausch mit anderen Startups und Netzwerken pflegen wir, um Beziehungen zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Beispielsweise sind wir kürzlich dem Ernährungsforum Zürich beigetreten. Diese Plattform hat zum Ziel, ein nachhaltiges Ernährungssystem im Raum Zürich zu gestalten und zu fördern.

Wie setzt ihr das Fördergeld aus dem Sustainable Impact Program der ZHAW konkret ein?

Ximena: Das Fördergeld ist eine riesige Hilfe und kommt zur rechten Zeit, denn wir müssen die Küchenmiete drei Monate im Voraus bezahlen. Das konnten wir nun stemmen. Ohne Küche kein «hängry foods», denn wir brauchen die ganze Ausstattung einer grossen Produktionsküche. Nur zum Verständnis: In der Küche wurden neulich drei Tonnen Rhabarber verarbeitetet. Die Dimensionen sind also nicht wie daheim in der Küche – wo wir aber aus rechtlichen Gründen ohnehin nicht produzieren dürften.

In der Grossküche finden derzeit Probeläufe der Menu-Produktion statt.

Wann plant ihr die erste Essenslieferung an die ZHAW?

Sophia: Es ist unser Wunsch, das Reallabor im Herbstsemester durchzuführen. Wir können es aber noch nicht genau terminieren, da zu viele Punkte offen sind. Unsere Menüs sollen auf jeden Fall am ZHAW-Standort Wädenswil verfügbar sein. Von den dort ansässigen Fachdisziplinen her passt das unseres Erachtens am besten, um vom Feedback der Studierenden und Mitarbeitenden zu profitieren.

Was sind dabei die grössten Hürden?

Ximena: In Wädenswil kommt eine beachtliche Anzahl von Studierenden und Mitarbeitenden zusammen. Es wird daher eine gute Gelegenheit sein, unsere Kapazitätsgrenzen auszuloten. Neben der grossen Anzahl an Menus, die es gleichzeitig zu produzieren gilt, ist die zweite Herausforderung die Frage des Transports. All dies gilt es jetzt schon im Proof of Concept im kleineren Rahmen zu berücksichtigen, um den Prozess dann später skalieren zu können.

Ich will das Reallabor auf keinen Fall verpassen. Wo kann ich mein Essen bestellen?

Sophia: Wir halten euch online auf dem Laufenden. Folgt einfach unseren Kanälen auf Social Media, um up to date zu bleiben.


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