Verlernen, leise zu sein: Journalistin Maja Zivadinovic im Porträt

Verlernen, leise zu sein: Journalistin Maja Zivadinovic im Porträt 

10’000 Menschen im Zürcher Hallenstadion. Ein Abend, der Geschichte schrieb.
Auf der Bühne: Maja Zivadinovic. Im Porträt von der Studentin Medea erzählt die Journalistin von ihrem unkonventionellen Weg in den Journalismus – von der Coiffeuseausbildung bis zu grossen Bühnenauftritten – und gibt Studierenden persönliche Tipps für den Berufseinstieg.

Autorin: Medea Benz, Studentin im Bachelor Kommunikation und Medien

Mister Schweiz‘ Karriereeinfluss

Maja ist gelernte Coiffeuse. Haare waschen, schneiden und trocknen lag ihr aber überhaupt nicht. Den Weg zum Journalismus hat sie über ihre Schwester gefunden – und mit ein bisschen Hilfe von Mister Schweiz. 

Miguel San Juan wurde im Jahr 2006 zum schönsten Mann der Schweiz gekürt. Maja durfte ihre ältere, als Journalistin tätige Schwester zum Event begleiten. Sie fand den dreizehnten Mister Schweiz grandios. Von da an hat Maja ihre Schwester heiss um ihren Job beneidet. Ihr war klar: Ich will Journalistin sein. 

Gesagt, getan. Bei Blick am Abend konnte man sich als Lesekolumnistin bewerben. Maja schickte drei Texte ein und wurde prompt eingeladen. Mit fast dreissig Jahren war sie dort Praktikantin. Der Chefredaktor sagte aber, dass die Jobaussichten schlecht seien. Nach dem Praktikum könne man sie wahrscheinlich nicht anstellen. Doch davon liess sich Maja nicht beirren. Sie überzeugte mit ihren Artikeln. Nach einem Jahr schickte der Chefredaktor sie an die Ringier Journalistenschule. 2008 hielt sie das Diplom in der Hand. 

Traumjob Journalistin

So, wie Maja zum Journalismus gefunden hat, lebt sie ihn auch aus. Ihr Fachgebiet ist der People- und Unterhaltungsjournalismus. Anfangs war es Mister Schweiz, später standen Lady Gaga oder Lenny Kravitz vor ihr. «Es war cool, Superstars zu treffen und zu merken, die sind ja einfach, wie du und ich», sagt Maja. Nach ihren Jahren bei Ringier war sie von 2011 bis 2016 stellvertretende Redaktionsleiterin von 20 Minuten Tillate

Dann machte sie sich selbstständig. Sie geniesse die Freiheiten, die sie als Freischaffende habe. Doch das Selbstständigsein brauche Disziplin. Damit habe sie am Anfang Mühe gehabt. Vor allem, bevor sie Mutter wurde. «Ich hatte früher viel mehr Zeit. Die habe ich gerne verplämperlet und dann drei Minuten vor Deadline das Zeug rausgehauen. Das mache ich heute nicht mehr, oder sehr selten.» Die Freude am Job ist Maja auch nach fast zwanzig Jahren in der Branche nicht vergangen. «Ich finde Schreiben den Hit. Jedes Mal, wenn ich ein leeres Word-Dokument aufmache, finde ich es mega toll.»

Kolumnenkosmos

Seit sie ein Kind hat, schreibt Maja vermehrt über Erziehungsthemen. In ihrer Kolumne «Mamaversum» im Magazin Wir Eltern erzählt sie mit viel Humor und Selbstironie vom Familienalltag – etwa davon, wie ihr Sohn sie nach dem Kindergarten mit «Hey Bro» begrüsst. 

Eine ganz andere Tonalität wählt sie im Zürcher Tagblatt. In ihrer Kolumne «Maja tratscht» kommentiert sie das Leben der Stars und Sternchen. Ein wiederkehrendes Thema ist ihr Lieblingsbachelor Vujo Gavric. Schon als Teenagerin war sie fasziniert von der Welt der Reichen und Schönen. Damals las sie die «Bravo». Heute schaut Maja alle möglichen Trash-TV-Formate. 

Standhaft im Gegenwind

Den Erfolg musste sich Maja hart erarbeiten. In jungen Jahren stiess sie mit ihren Ideen oft auf Gegenwind. Sie schlug Themeninputs vor, die ihr heute noch gefallen. Aber in der Redaktion kamen sie nicht immer gut an. Maja sagt, sie habe damals zu wenig für ihre Themen gekämpft. Hätte sie eine Tochter in derselben Situation, würde Maja sie ermutigen, sich durchzusetzen. «Ich würde ihr raten: Schreib es einfach mal und zeig einen fertigen Text.»

10‘000 Fans vereint

Majas Side-Hustle war der erfolgreiche Podcast «Zivadiliring». Im März 2026 gab das Trio die Trennung bekannt. Von 2021 bis 2026 plauderte Maja im Podcast mit Co-Hosts Yvonne Eisenring und Gülsha Adilji über verschiedenste Themen. Sie brachen Tabus, sprachen über den Tod und klärten dringende Alltagsfragen.

Dass ihr Weg sie einmal ins Hallenstadion führen würde, hätte sich Maja zu Beginn ihrer Karriere wohl kaum vorstellen können. Am 26. Oktober 2025 schrieben die drei Podcasterinnen Geschichte: Als erstes Schweizer Frauentrio füllten sie das Hallenstadion. Die Show begann filmreif mit einem Action-Video – Helikopter, Pferd und Schiff inklusive. Angekommen im Stadion wurden die drei Frauen mit tosendem Applaus von 10‘000 Fans begrüsst. An dem Abend wurde auf der Bühne gelacht, geküsst und geohrfeigt. Nach dem Auftritt applaudierten die Fans minutenlang. TeleZüri gegenüber beschrieb Maja ihre Gefühlslage an diesem Sonntagabend so: «Du bist mega frisch verliebt, multipliziert mit zehn Millionen.» Trotz des Riesenerfolgs mit dem Podcast: Majas Haupttätigkeit ist und bleibt der Journalismus.

Tipps für Studierende

Auf die Frage, ob es dem Journalismus wirklich so schlecht gehe, wie man immer wieder hört, reagiert Maja optimistisch: «Der Branche geht es seit dreissig Jahren nicht gut, aber wir sind alle noch da. Ich bin seit zehn Jahren freischaffend und es funktioniert problemlos. Ich sehe nicht schwarz. Ich finde es eine sehr coole Branche, die für mich sehr gut funktioniert.» 
Ihr Rat an junge Journalist:innen und Studierende: «Macht Themen, die überraschender sind als andere. Wagt euch dorthin, wo sich sonst niemand hinwagt, oder schreibt einfach herausragend. Ihr sollt verlernen, euch mit zu wenig Geld abspeisen zu lassen. Ihr sollt verlernen, immer freundlich, anständig und nett sein zu wollen. Ihr sollt verlernen, zu leise zu sein.»


Eine junge Frau mit langen Haaren sitzt vor dem PC

Entstanden ist dieses Porträt im Rahmen eines Moduls: Medea Benz, Bachelorstudentin in Kommunikation und Medien, hatte die Idee, Maja zu interviewen – was sie erfolgreich umgesetzt hat.

Schlagwörter: Studibeitrag

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