Sprachliche Empathie ist für Ilaria der Schlüssel zum Erfolg in der interkulturellen Zusammenarbeit. Als eine der Ersten hat sie den Master Language and Communication im Studienprofil Linguistic Diversity Management abgeschlossen. Im Portrait erzählt die Absolventin, was ihr an der Interkulturalität besonders gefällt, wie sie den Einstieg in ein ganz neues Arbeitsfeld gemeistert hat und wie sie das Masterstudium darauf vorbereitet hat.
Autorin: Christa Stocker
Ilaria Pizzulo ist 26 Jahre alt und hat den Master Language and Communication im Profil Linguistic Diversity Management abgeschlossen. Ihren ersten Job nach dem Studium hat sie bei der Medacta International SA als Event- und Marketingmanagerin gefunden, einem internationalen Unternehmen, das Prothesen für Hüfte, Schulter, Knie und Wirbelsäule produziert und verkauft. Dort plant und organisiert sie Kongresse und Hospitationen für Chirurg:innen auf der ganzen Welt, damit diese die Prothesen kennenlernen und ihre Operationstechnik verbessern können.
Begeistert vom interkulturellen Austausch
„Was mir besonders gut an meinem Job gefällt, ist, dass ich ständig mit anderen Personen in verschiedenen Positionen und aus verschiedenen Ländern aus der ganzen Welt zu tun habe.“ Die Vielfalt, die sie managt, liegt dabei nicht nur in den Kulturen verschiedener Länder, sondern auch in den verschiedenen Berufsgruppen: „Die Kommunikation mit Ärzten ist anders als mit Sekretariaten.“


Sprachliche und kulturelle Herausforderungen im Berufsalltag
Angesprochen auf die Herausforderungen ihres Jobs, nennt Ilaria etwas, das alle Kommunikationsprofis betrifft: „Ich bin ein Kommunikationsträger zwischen verschiedenen Parteien. Da ist es nicht immer einfach, die Übersicht zu behalten, wenn viele Sachen gleichzeitig laufen.“
Dann aber fokussiert sie auf Intercultural Collaboration Management und die kommunikativen Anforderungen nur schon in der Schweiz: „Die Kommunikation in der Deutschschweiz ist viel formeller: Wenn ich einen Arzt kontaktieren will, muss ich über das Sekretariat gehen.“ Und mit den Aussendienstmitarbeitenden schreibe sie E-Mails.
„In der Westschweiz hingegen ist die Kommunikation viel lockerer: Wir schreiben über WhatsApp und kommunizieren direkt mit den Ärzt:innen.“ Und das trotz der sprachlichen Hürden: „Ich versuche so gut wie möglich alles auf Französisch zu kommunizieren, wenn ich mit der Westschweiz zu tun habe. Manchmal ist das aber schwierig, weil ich einige Fachwörter nur auf Englisch kenne.“ Da rede man halt ein Mischmasch aus Englisch und Französisch. Und sie erklärt: „In der Westschweiz ist es tatsächlich so, dass es persönlicher ankommt, wenn man auf Französisch mit ihnen kommuniziert. Dann machen sie eher mal einen Witz und der Umgang ist gleich offener und vertrauter.“ Im Unternehmen dann sei Englisch die lingua franca aber eher nur fürs Formelle.
Bewerbung ohne Branchenerfahrung: Berufseinstieg nach dem Master Language and Communication
Die Bewerbung auf die Stelle in der Medizinaltechnik hat für Ilaria etwas Mut gebraucht. Denn, im Inserat wurde viel Fachjargon verwendet, so dass sie nicht alles verstand. Was sie daraus machte, sollten sich alle Absolvent:innen von Kommunikationsstudiengängen merken: „Ich habe mich trotzdem getraut und in meiner Bewerbung geschrieben:
- Ich habe keine Erfahrung in diesem Bereich.
- Aber ich bringe folgende Kompetenzen mit: …
- Und ich komme frisch aus dem Studium und bin sehr motiviert, irgendwo Fuss zu fassen und mich dort einzubringen, wo man mich braucht.”
Und das ist gut angekommen.
Durch das Masterstudium auf die Karriere gut vorbereitet – inhaltlich und mental
Das Studium hat sie darauf vorbereitet, sich mutig neuen Fachgebieten zu stellen. Auch ohne Erfahrung: „Ich habe im Studium gelernt, wie ich mich in einen Fachbereich einarbeiten kann und was ich kommunikativ einbringen kann.“ So hat sie den Berufseinstieg erfolgreich gemeistert und sich seither in die Branche und den medizinischen Fachjargon eingearbeitet. Ihr Fazit: „Egal in welcher Branche – Sprache wird überall gebraucht. Im Linguistic Diversity Management lernt man, wie man Sprache auf die verschiedenen Bereiche anpassen und managen kann.“
Aus dem Studium helfen Ilaria im Beruf vor allem die folgenden Punkte:
- Sich zu organisieren und sich immer wieder in etwas Neues einzudenken
- Über längere Zeit selbstständig an innovativen Ideen zu arbeiten und sich vertieft mit etwas zu beschäftigen
- Das Verständnis für verschiedene Sprachen und Kulturen: „Das brauche ich täglich.“
- Sich zu reflektieren: „Oft überlege ich mir am Abend noch schnell: Wie hätte ich die Mail anders schreiben können, wenn es zu einem Missverständnis gekommen ist.“
Und insbesondere:
- Sprachliche Empathie: „Wie kann ich empathisch auf jemanden zugehen? Und wie kann ich mit meiner Kommunikation Empathie gewinnen?“ – Für Ilaria ist das die Kernkompetenz, die sie aus dem Masterstudium mitgenommen hat.
Bewusste Entscheidung für ein neues Masterprofil
Von „Linguistic Diversity Management“ zum ersten Mal gehört, hat Ilaria während ihres Bachelorstudiums in Mehrsprachiger Kommunikation, wo ein Dozent sie auf das neue Masterprofil aufmerksam machte. Dafür entschieden hat sie sich, erstens wegen „der Vielfalt an linguistischen Modulen, in denen Linguistik und Sprache vertieft betrachtet und auf verschiedene Fachgebiete angewendet werden“.
Und zweitens „hat mich sehr gereizt, dass es ein ganz neues Master-Profil war. Ich wusste, dass man zusammen etwas schafft.“
„Meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt“
Diese Erwartungen haben sich für Ilaria mehr als erfüllt: „Ich wusste am Anfang nicht so genau, was Linguistic Diversity Management ist. Aber es war noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte: Es war wirklich vielfältig. Wir haben uns ganz verschiedene Perspektiven von Sprache und Sprachanwendung angeschaut, über die ich zuvor noch nie nachgedacht hatte.“
Und sie erzählt von der unterstützenden Atmosphäre unter den Studierenden und von Seiten der Dozierenden: „Die Stimmung im Studium war einzigartig. Wir hatten unter den Studierenden einen sehr vertrauten Umgang. Man konnte sich vor allen selber reflektieren und jederzeit mitteilen, auch mit neuen Erkenntnissen, von denen man nicht wusste, wie sie ankommen. Und der Austausch mit den Dozierenden war immer auf Augenhöhe.“
Ilarias Highlights im Studium und Empfehlung
Ein besonderes Highlight war für Ilaria, wenn Dozierende aus ihrem Berufsleben erzählten und ihr Insiderwissen teilten, „das man sonst nicht mitbekommt“. Noch jetzt findet sie faszinierend, „dass man, auch wenn man abschweifte, ständig auf Linguistic Diversity Management zu reden kam. Das war sehr spannend.“
So ist ihre Empfehlung klar: „Studieninteressierten würde ich sagen: Wenn ihr Lust habt, innovativ eigene Ideen umzusetzen, Projekte voranzutreiben und gesellschaftlich mit Sprache etwas zu bewegen, dann ist das Profil Linguistic Diversity Management genau das Richtige für euch.“
Berufsperspektiven
Für ihre berufliche Zukunft ist Ilaria klar und offen: „Ich möchte erst einmal richtig Fuss fassen in der Medizinbranche und noch mehr lernen. Später würde ich gern eine Führungsposition übernehmen und die Unterstützung, die ich von Führungspersonen und Dozierenden erfahren habe, jungen Menschen weitergeben.“ Längerfristig kann sie sich aber auch vorstellen, auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen zurückzukommen, mit der sie sich in der Profilschärfung befasst hat: „Ich habe die Sprachpolitik und die Schule noch nicht ganz aus dem Auge gelassen.“
Viel Erfolg, Ilaria, auf deinem weiteren Berufsweg und danke für die spannenden Insights!
