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Auslandsemester in Wien – Leiwand oder für’n Oasch?

Gute 700 Kilometer trennten uns und trotzdem studierten wir an derselben Universität – wie soll das denn gehen? Ganz einfach: Sandra verbrachte das Semester in Wien und Olivia nahm von Winterthur aus am Uni-Leben teil. In diesem Beitrag teilen wir euch unsere Eindrücke aus dem Auslandsemester unter Pandemiebedingungen und können euch sagen, es hat sich so und so gelohnt.

von Sandra Rolli und Olivia Ruffiner, Studentinnen im Bachelor Angewandte Sprachen

Sandra „vor Ort“ in Wien

Zugegeben, Wien war keine neue Stadt für mich. Da mein Freund in Wien wohnt, bin ich auch ohne Auslandsemester 1-2 Wochen im Monat dort. Dadurch kannte ich die Stadt schon einigermassen gut, als ich im Oktober ankam. Durch das Coronavirus habe ich die Stadt und insbesondere die Menschen nochmals auf eine ganze andere Art und Weise kennengelernt.

Wiener Volksgarten an einem sonnigen Tag.
Wiener Volksgarten im 1. Bezirk

Wiener Schmäh im Austauschsemester

Sandra mit einer 1-Meter-Pizza.
Sandra mit einer 1-Meter-Pizza

Wiener*innen sind bekannt als «Grantler». Das war mir bei meinen monatlichen Besuchen schon ab und zu aufgefallen und hatte mich teilweise auch etwas verärgert. In der Zwischenzeit muss ich zugeben, dass der Wiener Schmäh auch seine sympathischen Seiten hat. Die Menschen reden derart direkt und ehrlich, dass es auf Schweizer*innen fast unangenehm oder sogar angriffig wirkt. Doch nach wenigen Wochen hatte ich mich so daran gewöhnt, dass ich selbst schon den Schmäh auspackte. 😉
So, genug vom Wiener Grantler-Dasein, schliesslich war ich zum Studieren da.

Andere Hochschule, andere Sitten

Die Organisation an der Universität Wien ist zugegebenermassen nicht die einfachste, insbesondere wenn man bedenkt, dass einem an der ZHAW alles schön zusammengestellt wird und man sich um nichts kümmern muss. Die Zusammenstellung der Kurse war zwar eine echte Herausforderung, doch konnte ich enorm davon profitieren, dass ich auch Kurse an anderen Departementen belegen durfte. Die meisten Vorlesungen belegte ich in Kommunikations- und Publizistikwissenschaften, darunter waren beispielsweise Social Media, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikationsrecht. Aufgrund der Coronapandemie wurden alle Kurse online durchgeführt. Zu Beginn war ich deshalb etwas traurig, weil ich gerne die Vorlesungen vor Ort besucht hätte und etwas mehr unterwegs gewesen wäre. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran, legte mir einen guten Zeitplan zurecht und genoss dann die freie Zeit irgendwo in der Stadt.

Auf einem Wohnzimmertischchen steht Kuchen und Tee bereit.
Klassische Wiener „Jause“ im Home-Studium

Buddy-System, Ausflüge und Leckereien

Die spezielle Situation machte es auch etwas schwer, neue Leute kennenzulernen. Es gab aber die Möglichkeit, dass man sich bei einem Buddy-System anmeldete (wird extern und nicht von der Uni angeboten). So lernte ich Anna-Katharina kennen. Mit ihr traf ich mich regelmässig für Spaziergänge im Volksgarten, Kaffees to-go oder super leckere Süssspeisen (sie kennt echt jede tolle Bäckerei, Patisserie und Kaffees). Ausserdem gab es eine Erasmus Facebook- und eine WhatsApp-Gruppe, in der man sich mit anderen Austauschstudierenden unterhalten konnte. Dabei lernte ich zwei Studentinnen aus Israel kennen und obwohl vieles aufgrund des Lockdowns geschlossen war, konnten wir zusammen tolle Ausflüge machen. Wir waren unter anderem beim Schloss Belvedere, bei der Jubiläumswarte und im Lainzer Tiergarten. Wer einmal zu Besuch in Wien ist, sollte sich diese Orte keinesfalls entgehen lassen! 😊
Ein weiteres Highlight in Wien ist die kulinarische Vielfalt. Da die Stadt sehr international ist, lässt auch das Angebot an Restaurants keine Wünsche offen. Als ich im Oktober ankam, war ich praktisch jeden Tag in irgendeinem Kaffeehaus anzutreffen – natürlich mit einem Stück Sachertorte, Faschingskrapfen oder einem Briochekipferl auf dem Teller! Im November mussten die Restaurants und Kaffeehäuser leider schliessen. Jedoch konnte man sich das Essen als Take-away abholen. Das liessen wir – mein Freund und ich – uns nicht nehmen und so probierten wir praktisch jede Woche etwas Neues aus. Mein persönlicher Favorit: eine 1-Meter-Pizza! Wer das in der Schweiz schon mal gesehen hat, soll mir auf jeden Fall Bescheid sagen! 😊

Olivia in Winterthur

Bei der Planung meines Auslandsemesters rechnete ich damit, wie Sandra in Wien sein zu können und dort – trotz Schutz-Massnahmen – Erkundungstouren (oder wie Sandra Schlemmereien) zu unternehmen.

Wiener Auslandsemester eröffnet auch zu Hause in Winterthur neue Perspektiven

Olivias Schreibtisch, von dem sie die Vorlesungen in Wien verfolgt.
Mein Studien-Arbeitsplatz zu Hause.

Leider war es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, zum Semesterstart in Wien zu sein. Und als ich hinreisen wollte, kamen mir der Lockdown und die strengen Richtlinien Österreichs in die Quere. So studierte ich von der Schweiz aus in Wien. Hätte man mir das vor zwei Jahren vorgeschlagen, hätte ich nur dumm aus der Wäsche geguckt. Die Kursauswahl empfand ich als etwas chaotisch, da die Wiener Universität eine schier endlose Anzahl an Kursen und Fächern anbietet. Ich hatte regelrecht die Qual der Wahl.
Die meisten meiner Kurse belegte ich am Zentrum für Translationswissenschaften (ZTW). Doch nach Rücksprache mit dem Auslandsbeauftragten des Instituts für Deutsche Philologie konnte ich auch Kurse an diesem belegen. Dort trug ich mich für Psycholinguistik und Sprachgeschichte ein. Diese sogenannte fachfremde Belegung kann ich nur wärmstens empfehlen. So konnte ich mich selber herausfordern und Fächer belegen, die ich ansonsten nur durch ein Literaturstudium hätte besuchen können.

Online-Studium mit Herausforderungen

Übersicht meiner Kurse und Organisation für das Homeschooling.
Übersicht meiner Kurse und Organisation für das Homeschooling.

Das Semester selbst war für mich teilweise eine echte Herausforderung. Am Stoff lag es nicht, ich kam gut mit, hatte stets das Material, an dem ich arbeiten konnte, lernte dazu und profitierte vom Unterricht. Mein Problem war, dass mir der zwischenmenschliche Kontakt zu den anderen Student*innen fehlte. Jeder Kurs hatte zwar eine eigene WhatsApp-Gruppe. Jedoch waren dort zum Teil bis zu 150 Studierende drin, und es wurde nur gechattet, wenn etwas Wichtiges anstand. Die Menschen hinter den Telefon-Nummern mit der österreichischen Vorwahl lernte ich nicht kennen. Auch viele der Dozent*innen waren nicht wirklich präsent. In vielen Kursen wurden die Vorlesungen als Podcasts hochgeladen und es gab nur ein Minimum an Interaktion. Dies zum Teil, weil an einem Kurs schnell an die 300 Studierende teilnahmen und die Server überlastet gewesen wären. Es gab Momente, in denen ich mich in Privatchats mit Studierenden austauschen konnte, doch diese waren meistens themenbezogen und kurz.

Olivia im verschneiten Wald beim Eschenbergturm in Winterthur.
Olivia beim Eschenbergturm in Winterthur

Im Austauschsemester die Heimat kennenlernen

Meine Zeit verbrachte ich mit Spazieren (ich erkundete Winterthur), Lesen, Kochen und gelegentlich einem virtuellen Schwätzchen mit Sandra. Während der Prüfungsphase erwachten auch die WhatsApp-Chats zum Leben und man gab sich gegenseitig moralische Unterstützung, obwohl man sich noch nie begegnet war.

Zusammengefasst haben wir beide unsere Zeit durch die Corona-Pandemie an der Uni Wien zwar sehr unterschiedlich erfahren. Doch finden wir beide, dass ein Auslandsemester an der Uni Wien leiwand (toll) ist und garantiert nicht für’n Oasch.

In diesem Sinne, Bussi Baba! 😊

Dies ist einer von sechs prämierten Blogbeiträgen aus dem Herbstsemester 2020 des Bachelor Angewandte Sprachen.


Professionelle Mehrsprachigkeit erlangen Studierende nicht ohne vertiefte interkulturelle Erfahrung. Deshalb ist im fünften Semester des Bachelor Angewandte Sprachen ein Auslandsemester vorgesehen. Bei einem Studienaufenthalt an einer Gastuniversität tauchen die Studierenden ein in die Sprache, das Leben und die Kultur ihres Gastlandes und kommen zurück mit einem internationalen Netzwerk und vertieften interkulturellen Kompetenzen, die auf dem internationalen Arbeitsmarkt gefragt sind. In ihren Blogbeiträgen vermitteln die Studierenden persönliche Eindrücke – Blitzlichter eines reichen Studiensemesters an einer Partneruniversität. Jedes Jahr nutzen rund zwei Drittel der Studierenden im BA Angewandte Sprachen diese Möglichkeit und verbringen ihr fünftes Semester an einer Gasthochschule im In- oder Ausland. Das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen hat dafür ein grosses Netzwerk an Partnerhochschulen auf der ganzen Welt aufgebaut und unterstützt die Studierenden bei der Suche ihrer Wunschhochschule.

Informationshinweis zur Ausbildung für Language-Quality-Manager

Weitere Beiträge aus dem Auslandsemester


Im Bachelor Angewandte Sprachen bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen Sprachinteressierte zu Sprach- und Kommunikationsprofis aus, die sich souverän zwischen Sprachen, Kulturen und Domänen bewegen. Das Studium qualifiziert für eine Tätigkeit im mehrsprachigen Projekt-, Event- und Informationsmanagement, in verschiedenartigen Übersetzungskontexten oder in der Technikkommunikation an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik.

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