Zum Inhalt springen

Kommunikation kann Leben retten

Eigentlich wollte sie Ärztin werden, doch dann studierte Susanne Paul Germanistik, Sport und Spanisch. Bereits während der Ausbildung spezialisierte sie sich auf den Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ) und unterrichtet nun seit 20 Jahren als DaF-/DaZ-Dozentin. Ihre Faszination für die Medizin ist geblieben, weshalb sie den Kurs «Deutsch für Ärzte» konzipiert hat.

Von Lisa Gubler, Mitarbeiterin Leitung Weiterbildung am ILC Institute of Language Competence

Es ist kein klassischer Sprachkurs mit Inhalten zum Lesen, Schreiben und zur Grammatik. Vielmehr steht die Kommunikation im Zentrum und es kommen auch Aspekte der Landeskunde zur Sprache. Die Kursteilnehmenden sind Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen. Zum Beispiel ein Neurochirurg aus Griechenland, eine Endokrinologin aus Portugal, eine Kinderärztin aus der Ukraine, ein Neurologe aus Moçambique, eine Dermatologin aus Polen und eine Zahnärztin aus Ungarn. Sie besitzen gute allgemeine kommunikative Fähigkeiten, jedoch fehlt ihnen das spezifische Wissen zur Kommunikation in der Zielsprache Deutsch in ihrem Berufsumfeld. Das beinhaltet neben sprachlichem Wissen auch kulturelle Eigenheiten der Schweiz.

Im Zentrum steht der szenariobasierte Unterricht

Der Unterricht ist thematisch anders gestaltet als ein herkömmlicher Sprachkurs. Ein Deutschkurs für Ärzte ist viel kommunikativer, ganzheitlicher und individueller ausgerichtet. Im Fokus steht der szenariobasierte Unterricht. Das bedeutet, dass authentische Beispielssituationen aus dem Berufsalltag der ÄrztInnen geübt werden, zum Beispiel ein Anamnesegespräch, die körperliche Untersuchung oder auch die Diskussion einer Differentialdiagnose mit FachkollegInnen.

Im Flow mit den Kursteilnehmenden

Was fasziniert Susanne Paul (im Bild 2. von rechts) auch nach 20 Jahren Erfahrung noch an ihrem Beruf? Warum ist sie immer noch im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache tätig? Die Antwort kommt schnell und ohne Zögern: «Es gibt Momente, in denen ich zusammen mit den Kursteilnehmenden in einen Flow gelange, dann schwimmen wir gemeinsam auf derselben Welle. Lehren und Lernen passt dann genau zusammen.» Zudem beschäftigt sie sich tagtäglich mit der Frage der Didaktik und reflektiert ihren eigenen Unterricht. Immer mit dem Ziel, den Lernerfolg der Kursteilnehmenden positiv zu beeinflussen.

Eintauchen in andere Kulturen

Und dann gibt es diese Momente, in denen die Kursteilnehmenden aus aller Welt ungeahnt ihre Berufs- und Lebenserfahrung teilen. Zum Beispiel, als ein Neurologe aus Moçambique einen Deutschvortrag über einen Wundertrank von Medizinmännern hielt. Er erzählte, wie dort das Know-how von Medizinmännern in die Spitalbehandlungen integriert wird. Aus dem 5-Minuten-Vortrag wurde so eine ganze Unterrichtsstunde, in welcher Susanne Paul und ihre Kursteilnehmenden unerwartet auf eine imaginäre Kulturreise eingeladen wurden.

Ein Studiengang mit viel Potential

Die verschiedenen kulturellen Hintergründe und Bildungsgewohnheiten in einem Kurs unter einen Hut zu bringen erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Susanne Paul hat sich ein vielfältiges didaktisches Repertoire angeeignet und erweitert dieses stetig – immer mit dem Ziel, die Kursteilnehmenden in ihrem Lernerfolg zu unterstützen. Den Bachelorstudiengang Sprachliche Integration sieht sie deshalb als Ausbildung mit viel Potential: «Es braucht viele qualifizierte Fachpersonen im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.»


Sprachliche Stolpersteine im Berufsalltag von Ärzten

Im Dialog mit PatientInnen müssen Ärzte verschiedene Aspekte beachten und sich z. B. die folgenden Fragen stellen:

  • Welche Anrede benutze ich? Das «du» oder «Sie»?
  • Wie begrüsse ich sie? Mit einem informellen «hallo» oder mit einem höflichen «guten Tag»?
  • Welche Sprachstrategien verwende ich, um PatientInnen höflich zu bestimmten Handlungen aufzufordern?
  • Warum darf ich in einem schweren Gespräch keinen Fachvortrag halten?
  • Welches Sprachregister ist im Dialog mit PatientInnen angemessen?
  • Wann soll ich Fachsprache und wann Patientensprache verwenden?

Willst du mit Sprache die Welt verändern?

Der Bachelor­studiengang Sprachliche Integration bereitet dich auf eine Tätigkeit mit Sprache(n) und Menschen im inter­kulturellen Kontext vor. Studienstart ist im Herbst 2020 am ILC Institute of Language Competence.

Der Beitrag hat dir gefallen? Dann kannst du ihn:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.