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«Es herrscht ein stetiger Austausch zwischen Praxis und Forschung»

Ursina Ghilardi ist Studienleiterin für den CAS Kommunikationsberatung und blickt auf einen breiten Erfahrungsschatz als Kommunikationsberaterin und stellvertretende Geschäftsführerin einer Markenagentur mit digitalem Fokus zurück. Ihre Berufserfahrung paart sie mit fundierter wissenschaftlicher Expertise in Linguistik und Organisationskommunikation.

von Mauro Werlen, Redaktion Language matters

Als Ursina noch klein war, konnte ihre Mutter nie in Ruhe Zeitung lesen. «Ich wollte halt wissen, was da alles drinsteht», fängt sie lachend an zu erzählen, als sie nach ihrem Berufswunsch als Kind gefragt wird. Sprache habe sie von Anfang an fasziniert, die Begeisterung dafür hielt die ganze Schulzeit über an und mündete in ein Germanistikstudium an der Universität Basel. Ursina hatte während des Studiums keinen spezifischen Berufswunsch, konnte sich aber immer eine Tätigkeit im Journalismus oder auch als Übersetzerin vorstellen. Bis sie die Organisationskommunikation kennenlernte: «Während des Bachelors schaute ich mich nach Praktika um und entdeckte dieses Tätigkeitsfeld für mich». Obwohl sie auch Erfahrungen im Journalismus sammelte, blieb das Interesse für Organisationskommunikation so stark, dass Ursina sich für das Masterstudium Angewandte Linguistik mit Vertiefung Organisationskommunikation an der ZHAW entschied: «Ich mochte es immer, Dinge zu koordinieren, Konzepte zu erstellen und trotzdem zu schreiben und im Dialog mit der Zielgruppe zu stehen. Dabei stand stets auch der Praxisbezug im Zentrum.»

Wo Theorie und Praxis sich vereinen

«Ich denke gerne über Sprache nach. Darüber, was sie bewirkt, wie wir sie im Berufsalltag einsetzen. Zudem wollte ich unbedingt ein Studium mit starkem Praxisbezug absolvieren», erklärt Ursina. Die Wahl für den Master in Organisationskommunikation an der ZHAW sei daher eine naheliegende gewesen. Ihr war auch der Zugang zur Organisationskommunikation wichtig: nämlich nicht übers Marketing oder die Betriebswirtschaft, sondern über die Linguistik. Der Transfer von der Universität an die Fachhochschule? «Der funktionierte super, ich konnte das konzeptionelle und analytische Denken aus dem Uni-Bachelor nahtlos weiterführen und zusätzlich mit der Praxis verknüpfen. Es ist voll aufgegangen für mich.» Und zwar so gut, dass sie ein halbes Jahr vor ihrem Abschluss schon eine Jobzusage hatte.

Ein steiler Start ins Berufsleben

Direkt nach dem Studium stieg sie als Beraterin und Projektleitern bei einer Markenagentur mit digitalem Fokus ein und übernahm dort bereits nach einem halben Jahr die Leitung des Projektleitungs- und Beratungsteams sowie die Position der stellvertretenden Geschäftsführerin. Ursina erinnert sich: «Es war eine kleinere Agentur, daher ein super Einstieg, denn man macht von Anfang an alles.» Sie konnte ihre im Masterstudium ausgebildeten Fähigkeiten vollumfänglich einsetzen und weiterentwickeln, arbeitete oft konzeptionell, durfte jedoch auch viel Umsetzungsarbeit leisten und blieb so stets am Puls ihrer Zielgruppe. Drei Jahre lang betreute sie Kunden aus unterschiedlichsten Branchen und entwickelte in dieser Zeit ein noch feineres Gespür für die Beratung.

Wie Netzwerke Chancen schaffen

Nach drei Jahren in der Agentur zog es Ursina wieder zurück in die Hochschulwelt. Und zwar nachdem sie am Branchenanlass IAM live erfuhr, dass man auch mit einem Masterabschluss der Fachhochschule ein Doktorat absolvieren kann. «Ich hatte die Option PhD schon immer im Kopf und sah, dass ich an der ZHAW Synergien optimal nutzen konnte», erläutert sie. Ihre Tätigkeit am Departement Angewandte Linguistik umfasst nämlich zweierlei: Sie ist Leiterin des CAS Kommunikationsberatung und wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Wissenstransformation für die Praxis

Die beiden Einsatzbereiche sind unabhängig voneinander, passen aber sehr gut zusammen. Als Leiterin des CAS kann Ursina ihre Expertise aus der Praxis optimal einsetzen, und sie hat dank ihrer wissenschaftlichen Erfahrung aus dem Master auch immer den roten Faden im Blick. Passen die Vorlesungen zueinander, betten die Dozierenden ihre Themen richtig ein? In enger Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Programmleiter Peter Stücheli-Herlach stellt Ursina sicher, dass der Rahmen für den CAS stimmt und die Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigt werden. Sie baut auch den Leistungsnachweis auf: «Wir möchten den Wissenstransfer noch stärker einbinden. Es geht uns darum, dass über die vorgestellten Modelle nachgedacht und mit ihnen gearbeitet wird. Das kann auch bedeuten, Neues auszuprobieren oder mal zu scheitern. Der Lernprozess ist extrem wichtig.» Dabei stehe nicht nur der Transfer im Zentrum, sondern eben auch die Transformation von Wissen für die Praxis.

«Unsere Dozierenden kommen nicht mit einer fixfertigen Lösung an, die die Welt erklärt» fügt Ursina hinzu, «es herrscht ein stetiger Austausch zwischen Praxis und Forschung, das ist ein wahnsinnig faszinierender Prozess.» Die Teilnehmenden des CAS haben durchschnittlich knapp zehn Jahre spezifische Berufserfahrung und bringen einiges an Wissen mit. Dieses soll nicht verpuffen: «Wir bieten eine Plattform an, um Erfahrungen auszutauschen. Und zwar in beide Richtungen.»

Seit gut drei Jahren existiert zudem Kobenet, das Netzwerk für Kommunikationsberatung, wo Ursina seit Beginn mitwirkt und inzwischen auch als Vizepräsidentin waltet. Alle zwei bis drei Monate treffen sich Fachleute aus der Branche zur kollegialen Beratung, der Verein erfülle damit eine zentrale Funktion, um die Professionalisierung und Qualität voranzutreiben: «Das Reflektieren der eigenen Tätigkeit steigert die Beratungskompetenz enorm».

Warum die richtige Mischung zum Erfolg führt

Ursina hat Wissen aus dem Master mitgenommen in die Praxis, hat sich dort dank dieser Fähigkeiten weiterentwickelt und setzt nun ihre Praxiserfahrung nutzbringend in der Wissenschaft ein. Was konnte sie auf welche Weise mitnehmen? «Im Zentrum steht das unternehmerische Denken, man muss zielführend handeln, das zählt auch in der Weiterbildung. Manchmal fehlen im Agenturalltag Zeit oder Ressourcen, trotzdem erwartet der Kunde ein exzellentes Resultat. Dann sind kreative Lösungen gefragt.» Diese Haltung ist auch in der Wissenschaft von grossem Nutzen. Der Geist bleibe dadurch agil, die Lösung finde sich nicht nach einem fixen Schema, sondern führe manchmal auch auf unbekannte Pfade. Das sind Mechanismen, die in der Praxis sowie in der Wissenschaft äusserst wertvoll sind.

Kommunikationsverantwortliche sind Beratende, wenn sie interne oder externe KlientInnen unterstützen, Kommunikationsprobleme zu analysieren und spezifische Lösungswege zu entwickeln. Vom Coaching des CEOs für einen Medienauftritt über die Unterstützung beim inhaltlichen Aufbau einer neuen Plattform bis hin zum informellen Pausengespräch über die Gestaltung von LinkedIn-Posts – Kommunikationsberatung ist sehr vielfältig und kommt in verschiedenen Kontexten und Situationen vor.

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