Zum Inhalt springen

Gute Praktiken für kritische Situationen: Ein Selbstversuch.

Eines Tages einen Blogbeitrag für die ZHAW zu schreiben, das hatte ich mir zu Beginn des Studiums fest vorgenommen. Schliesslich kommt es nicht oft vor, dass man kostenlos von einem persönlichen Coaching und Briefing mit den Experten, Prof. Dr. Daniel Perrin und Deborah Harzenmoser, profitieren darf. Als frische Sprachwerkerin bietet sich für mich zudem die Möglichkeit, auf einer beruflich wichtigen Plattform sichtbar zu werden, meine Blogging-Fähigkeiten zu praktizieren und, im besten Fall, neue, wertvolle Kontakte zu knüpfen. Eine einmalige Chance, welche ich mir auf keinen Fall entgehen lassen möchte — so sehen zumindest meine theoretischen Überlegungen aus. 

von Anna Unternährer, Studentin Master Organisationskommunikation

In der Praxis lässt sich dieser Plan jedoch leider nicht immer ganz so einfach umsetzen. Tatsächlich ist es bereits spät, sehr spät, denn seit ein paar Stunden sitze ich vor meinem Bildschirm und überlege mir, wie ich, innerhalb einer vernünftigen Zeit, einen lesenswerten Beitrag zum Thema „Gute Praktiken für kritische Situationen“ erstellen könnte. Geplant war das nicht, zumindest nicht für heute. Erst vor ein paar Stunden, als ich im Treppenhaus an Daniel Perrin vorbeirannte, forderte er mich spontan dazu heraus, doch noch heute einen Blogbeitrag zu verfassen. Ein aufregendes Angebot, welches ich, angesichts meines heutigen Zeitplanes, zuerst als unmöglich erachtete und darum lächelnd ablehnte.

Im Zug angekommen, wurde mir klar: Daniel Perrin hatte mich soeben — bewusst oder unbewusst — in eine kritische Situation geführt. Kritische Situationen bezeichnen exemplarische Konstellationen von Umständen, die zum Scheitern führen können. Ihnen stehen die guten Praktiken gegenüber, welche das Potenzial haben, auch in solchen kritischen Situationen zum Erfolg zu führen. Kritische Situationen und gute Praktiken findet man überall – und beim Sport fallen sie besonders auf und beeinflussen, je nach Sportart, nicht nur den Erfolg im Wettkampf gegen andere oder sich selbst, sondern sehr direkt auch die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler. 

Zögern in der kritischen Situation

So zeigt mich beispielsweise das obige Photo in einer kritischen Situation beim Surfen in Uluwatu auf Bali. Ein zu später Take-off auf einer mächtigen Welle, welche über scharfen Korallenriff bricht, ist kritisch. Im Moment, dieser kritischen Situation zu zögern oder den Vorgang gar abzubrechen, wäre eine fatal schlechte Praktik. Viel zu gross wäre jetzt das Risiko, aus grosser Höhe zu fallen und mit dem ganzen Körper, in voller Wucht, auf dem Riff aufzuschlagen. Die gute Praktik besteht also darin, den Take-off zu vollenden, damit ein potentieller Sturz herausgezögert wird, mehr Wasser über dem Riff nachfliessen kann und somit schlimmere Verletzungen vermieden werden können. 

Zurück zum Bloggen: Die Tatsache, dass ich, innerhalb kürzester Zeit einen öffentlichen Blogbeitrag verfassen sollte, machen auch aus dieser Situation eine kritische. Jetzt eine Lösung finden … Hatte ich im letzten Kurs Daniel Perrin nicht gefragt, ob er gute Praktiken zur Laufbahngestaltung kenne? Hatte er nicht gesagt, ja, „erkennen und packen Sie die Chancen am Wegrand“? – Obwohl mir die Durchführung des Auftrages, bis morgen einen Blogbeitrag zu kritischen Situationen und guten Praktiken zu schreiben, noch immer unmöglich scheint, lasse ich mich also auf den Versuch ein. Aber: Da mir diese Blog-Geschichte am Herzen liegt, habe ich Angst zu scheitern. Wird der Inhalt meines Beitrages den Erwartungen der LeserInnen gerecht werden? 

Das positive Gefühl der Entschlossenheit

Immer wieder spiele ich mit dem Gedanken, den Versuch abzubrechen, zu Bett zu gehen und die Sache zu vergessen. Dann aber stelle ich mir vor, wie es sich anfühlen würde, diese kritische Situation zu meistern — ganz egal, wie gut oder schlecht. Sofort fühle ich mich besser, und mir wird plötzlich klar, dass es gerade diese kritischen, durchaus unangenehmen Situationen sind, welche in mir ein ehrgeiziges und positives Gefühl der Entschlossenheit auslösen, sei es beim Surfen oder beim Schreiben. Gestärkt von meiner Visualisierung bin ich bereit, mich meinen Ängsten zu stellen, und nehme die Herausforderung an.

Und Ihr, wie meistert Ihr kritische Situationen? 


Wie können sich Studierende vorbereiten auf die immer stärker werdende Digitalisierung ihrer (zukünftigen) Sprachberufe? – Indem sie lernen, kritische Situationen beruflicher Kommunikation zu erkennen und gute Praktiken zu entwickeln, mit denen sie Kommunikationsaufgaben so lösen, dass der menschliche Mehrwert überzeugt. Dabei hilft es, eine Kommunikationsaufgabe in ihrem Kontext zu sehen, plastisch, mehrdimensional, aus allen wichtigen Blickwinkeln. Diesen mehrdimensionalen Blick auf Sprache in einer sich rasch entwickelnden Berufswelt schärft die Vorlesung Einführung in die Angewandte Linguistik, in deren Rahmen dieser Blogbeitrag entstanden ist. 


Bei uns studieren

Der Beitrag hat dir gefallen? Dann kannst du ihn:

2 Kommentare

  1. Lisa Lisa

    Interessant, wie die Autorin die Angst vor dem Versagen als zentrales Element der kritischen Situation schildert und wie sie diese Angst durch positive Gedanken überwindet. Ich denke, die Angst ist wohl in vielen kritischen Situationen das, was uns am meisten lähmt und uns somit daran hindert, zu brillieren. Gute Praktiken schliessen aus meiner Sicht daher eigentlich immer die Bewältigung der eigenen Ängste mit ein.

  2. Rosina Korschildgen Rosina Korschildgen

    Und Ihr, wie meistert Ihr kritische Situationen?

    So konträr es doch klingt, kritische Situationen mit engen Zeitrahmen konnte ich oftmals mit der richtigen Prise Zeit und vor allem Geduld lösen.
    Während unterschiedlichster Arbeitserfahrungen in der PR Arbeit bin ich mehr als einmal unverhofft in die kritische Situation gekommen, vor einer bevorstehenden Deadline einer Abgabe zu stehen – und noch auf wichtige Rückmeldungen zu warten.
    In seinem eigenem Zeitplan plötzlich von anderen Person abhängig zu sein kann einen schnell nervös werden lassen, weil es den eigenen Plan aus dem Gleichgewicht bringt und somit eine weitere, unberechenbare Komponente mit ins Spiel bringt. Wird die andere Person noch rechtzeitig antworten? Was mache ich (anders), falls ich bis zur Deadline noch keine Antwort erhalten habe?
    Fragen über Fragen, die ein ganzes Konzept im Ernstfall über Bord werfen können. Anstatt jedoch die Deadline als einzige Zeitorientierung zu fixieren – auf die es hinzuarbeiten gilt – versuche ich in kleineren Zeitfenstern umzudenken:
    Was ist heute noch möglich zu erledigen? Wie viel Puffer bleibt mir? Wo lasse ich Zeit und wann sende ich nochmals eine Erinnerungsmail?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.