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Organisationale Gerechtigkeit und Entlohnung aus Perspektive der Mitarbeitenden

Prof. Dr. Andrea Müller

Etwa jede(r) zweite Erwerbstätige in Deutschland hält sich im Verhältnis zur eigenen Leistung für unterbezahlt. Meist bilden sich Arbeitnehmer ihre Meinung durch einen Vergleich mit anderen. Relativ selten werden Gehälter danach bemessen, wieweit die/der Betroffene zum Unternehmensergebnis beiträgt. Einige Arbeitnehmer wünschen jedoch häufig diesen Maßstab, berichtet Professorin Dr. Andrea Müller, Stellvertretende Zentrumsleiterin am Zentrum für Human Capital Management an der ZHAW in Winterthur, in der Fachzeitschrift Wirtschaftspsychologie.

Am häufigsten werden Gehälter am Kriterium „Fähigkeiten“ orientiert: „Hier zahlt das Unternehmen für Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale – unabhängig davon, wofür sie genutzt werden.“

Das zweitwichtigste Kriterium bilden „körperliche, geistige und andere Belastungen durch Arbeitsbedingungen: Hier zahlt das Unternehmen für interne Gerechtigkeit oder Marktchancen – unabhängig davon, welche Bedeutung diese für das Ergebnis haben.“

Etwa ähnlich häufig orientiert sich das Gehalt am Kriterium „Verantwortung und Entscheidungsfreiräume: Hier honoriert das Unternehmen die Verantwortung für Budget oder Mitarbeiterführung, unabhängig davon, welche Bedeutung diese für das Unternehmensergebnis haben.“

Am seltensten werden Beschäftigte nach ihrem Einfluss auf das Unternehmensergebnis honoriert: Hier wird der Wertschöpfungs- oder Kostenhebel jeder Funktion berücksichtigt.

„Das Thema Gerechtigkeit in Unternehmen wird generell durch den flexibler werdenden Arbeitsmarkt immer komplexer und vielschichtiger. Unternehmen werden in Zukunft mit einer sehr diversen Mitarbeiterschaft konfrontiert sein.“ Deshalb werden Lohngerechtigkeit und ihre Wahrnehmung immer differenzierter und kontroverser betrachtet. U.U. werden sie unerreichbar bleiben. Trotzdem: Andrea Müller reflektiert entscheidende Möglichkeiten und betont die Bedeutung: Wenn Beschäftigte sich gerecht entlohnt fühlen, begünstigt dies ihr Lebensgefühl, ihre Arbeitsmotivation und Produktivität. 

In: Wirtschaftspsychologie II/2018, S. 16-26 

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