Ethik

Empathie und Responsible Leadership

Prof. Dr. Mathias Schüz, Professor für Responsible Leadership

Das renommierte Caux-Forum in Montreux hat Anfang Juli im Rahmen eines viertägigen Programms zur Entwicklung einer „Ethical Leadership“ die Fähigkeit zur Empathie als wichtigen Baustein zur Vertrauensbildung etwa im Umgang mit Stakeholdern herausgestellt und ein Training dazu empfohlen.

Egoismus ist nicht angeboren

Schon vor mehr als zwanzig Jahren hat die Firma Levi‘s Empathie als die Fähigkeit, „sich in andere hineinversetzen“ zu können, sogar als eine von vier Eckpfeilern ihrer Unternehmenskultur erklärt. Und der Sozialökonom Jeremy Riffkin hat in seinem Bestseller „Die empathische Zivilisation“ nachzuweisen versucht, dass der Mensch von Natur aus gerade nicht auf Selbstinteresse ausgerichtet, sondern im Gegenteil empathisch sei. Neueste Forschungsergebnisse am Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie scheinen ihm Recht zu geben: Ein- bis zweijährige Kleinkinder zeigen gegenüber Erwachsenen in verschiedenen Situationen eine natürliche Hilfsbereitschaft. Diese verlieren sie jedoch, nachdem sie dafür belohnt wurden. Egoismus ist demzufolge nicht angeboren, sondern eher kulturell antrainiert.

Fairness wird belohnt

Auch im Geschäftsleben setzt sich immer mehr die Einsicht durch, dass purer Egoismus sich auf Dauer nicht rechnet. Stakeholder stehen mit einem Unternehmen in einem Tauschverhältnis und erwarten daher für ihren Einsatz eine faire Gegenleistung – zum Beispiel der Kunde für seine Bezahlung ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, die Mitarbeiter für ihren Einsatz sichere Arbeitsplätze oder gute Entlohnung, der Anwohner für seine Akzeptanz einer neuen Fabrikanlage geringe Emissionen usw. Die jahrzehntelang vorherrschende Idee, dass ein Unternehmen ausschliesslich dem Shareholder gegenüber verantwortlich zu sein hat, dürfte heute kaum noch jemand vertreten. Heutige Führungskräfte wissen, dass sie ihre Aktivitäten vor allen Stakeholdern gegenüber rechtfertigen müssen. Dazu sollten sie deren Interessen, Erwartungen und Ansprüche kennen. Dies setzt Empathie voraus, um nicht die eigenen Vorstellungen auf sie zu projizieren und dabei die wahren Bedürfnisse zu ignorieren. Erst dann kann ein faires Tauschverhältnis ausgehandelt werden, in dem das Vertrauen der Stakeholder in die Unternehmung erhalten wird.

Empathie selbst kann durch Achtsamkeit gegenüber den Interessen der Stakeholder gefördert werden. Indem man sich in die Position eines neutralen Beobachters versetzt, lernt man die eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Affekte und Begierden auszublenden und sich in die Situation der anderen Seite hineinzuversetzen.

Mit Mindfulness zu mehr Motivation und Kreativität

Die Firma SAP hat die Vorteile eines fokussierten Geistes erkannt und einen „Global Director for Mindfulness Practice“ ernannt. Dieser trainiert in dem Programm „Search Inside Yourself“ weltweit die Führungskräfte darin, wie man stressvolle Situationen z. B. durch Konzentration auf den Atem wesentlich leichter und kreativer bewältigen kann. Hirnphysiologische Studien beweisen, dass solche regelmässig vollzogenen Achtsamkeitsübungen sogar die Hirnstruktur positiv beeinflussen. So soll mit der Zeit die graue Hirnsubstanz in den Regionen für Stress geringer werden, während sie sich in den Regionen verdichtet, die Selbst-Wahrnehmung und Empathie steuern. Nachdem bereits Tausende von Mitarbeitern das Programm bei SAP durchlaufen haben, ist der Effekt nicht mehr zu leugnen: weniger Stress, grössere Motivation, höhere Kreativität, vermehrtes Wohlbefinden und deutlich zurückgegangener Krankenstand.

Achtsamkeit trainieren

Indem Achtsamkeit Empathie und damit auch das gute Auskommen mit den Stakeholdern fördert, ist ihre Einübung ein wichtiger Bestandteil in einem Trainingsprogramm zur Responsible Leadership. Einen Geschmack davon können Teilnehmer in dem Weiterbildungskurs „Responsible Leadership“ gewinnen, den der Autor am 28. September 2017 an der ZHAW anbietet: www.zhaw.ch/zhcm/seminar-responsible-leadership.

Discussion

One response to “Empathie und Responsible Leadership

  1. Ich kenne Mathias Schüz und seine Ansichten zu diesem Thema recht gut und bin überzeugt davon, dass der Besuch dieses Workshops für alle eine lehrreiche und äusserst wertvolle Erfahrung sein wird.

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