Lohn
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Mitarbeiter bestimmen ihr Gehalt selbst

Weshalb ist dies eine Rarität?

Bei der Social-Media-Agentur „Elbdudler“ bestimmen die Mitarbeiter seit drei Jahren ihre Gehälter, wie die Internetportale xing und news.at zu berichten wissen[1]. Die Nachricht scheint sensationell, liess doch selbst Ricardo Semler[2] bei Semco lediglich die Manager ihr Gehalt selbst bestimmen. Nur bei Umantis, wo (wie bei Elbdudler) die Geschäftsleitung von den Mitarbeitern gewählt wird, geht man bei der Salärfindung ähnlich weit. Weshalb eigentlich?

Wenn Mitarbeiter über den Geschäftsgang im Bilde sind, dann könnte doch davon ausgegangen werden, dass sie bei der Lohnfindung (über demokratische Verfahren) moderate Entscheide fällen würden. Dies bestätigt auch die Praxis in den erwähnten Unternehmen. Immerhin wissen die Mitarbeiter vielfach auch am besten, wer welche Beiträge zum Unternehmenserfolg beiträgt.

Der Grund dürfte darin liegen, dass es bei der Lohnfindung nicht nur um interne (oder externe) Fairness geht. Es geht auch um die Verteilung von erwirtschafteten Überschüssen und damit um die Verhandlungsmacht aller Stakholder. Die Gesamtlohnsumme eines Unternehmens ist eben nicht nur vom Arbeitsmarkt abhängig sondern auch von der Verhandlungsmacht der Stakeholder auf dem Absatz-, dem Beschaffungs- und dem Kapitalmarkt.

Wenn ein Unternehmen einen Überschuss generiert, so kann dieser nur dann an die Mitarbeiter verteilt werden, wenn deren Verhandlungsmacht jene der anderen Stakeholdern übertrifft. Andernfalls muss der Überschuss allenfalls an die Eigentümer als Dividenden abgegeben oder den Kunden als Preisnachlass in den kommenden Jahren weitergegeben werden. Der Entscheid über die richtige Verwendung der Überschüsse ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Unternehmensführung und kann nur in den seltensten Fällen von einer Stakeholdergruppe allein gefällt werden. Sobald andere Gruppen neben den Mitarbeitern ebenfalls über eine starke Verhandlungsposition verfügen, werden sie sich dem Entscheid der Mitarbeiter wahrscheinlich nicht einfach beugen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die Beispiele aus Unternehmen stammen, bei denen die Eigentümer bereit sind, sich den Entscheiden der Mitarbeiter unterzuordnen. Wenn der Absatzmarkt aber nicht mit macht, nützt auch dies nichts. Führen die Mitarbeiterentscheide zu hohen Preisen oder mangelnder Qualität, wird die Position eines Unternehmens gefährdet. Nicht umsonst geriet Semco mit dem mitarbeiterfreundlichen Konzept in grösste Schwierigkeiten.

Prof. Dr. Peter Meyer

 

[1] http://www.news.at/a/gehalt-selbst-bestimmen und https://www.xing.com/news/klartext/wie-es-ist-wenn-das-team-entscheidet-wer-wieviel-verdient-161?sc_o=da536_bn
[2] Ricardo Semler (1994) Das semco System. Heyne Verlag München

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