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Welchen Chef hätten Sie lieber: einen Manager oder einen Roboter?

Heutzutage wird bei der Mitarbeiterführung möglichst viel optimiert. Man strebt nach dem Unerreichbaren, nach Objektivität. Assessment Center, 360-Degree-Feedback, Mitarbeitergespräche, Evaluationen anhand der SMART-Zielvereinbarung. Gleich um die Ecke wartet die Arbeitswelt 4.0, in der es möglich wird, solche Beurteilungen an Robotern zu outsourcen, um möglichst objektiv zu bleiben.

Optimierungswahn bei der Mitarbeiterführung: wo ist das Optimum?

Reinhard Sprenger sucht nach Menschlichkeit im Unternehmen. Das oben genannte Personalmanagement-Instrumentarium nützt nicht viel, so Sprenger im Interview mit Beruf+Berufung . Ich widerspreche gerne: Führen dient dazu, die Zusammenarbeit auf die Erreichung der Organisationsziele auszurichten. Ohne Ziele geht es nicht. SMART Ziele – wenn nach dieser Formel formuliert – spornen an und fördern den unternehmerischen Geist. Fehlt nur ein Buchstabe, wirkt die Zielvereinbarung kontraproduktiv und nicht selten sogar destruktiv.

Das Feedback-Bedürfnis wird ebenso in Frage gestellt: „Mitarbeiter lernen, sich so zu verhalten, dass sie gutes Feedback bekommen“. In der 4.0-Welt kommen solche Mitarbeiter bei einem Roboter-Chef aber nicht weit. Das Feedback von Maschinen wird hart aber fair sein. Die Frage nach Fairness wird sich nicht mehr stellen, da die Beurteilungsfehler dank „Unmenschlichkeit“ der Roboter schlicht unmöglich werden.

Arbeitsteilung Mensch versus Maschine

In der „Zeit“ findet man das Best-Case Szenario. Managementaufgaben wie Planen, Steuern, Kontrollieren, können einem Roboter übertragen werden. In einer Studie des MIT wurde gar festgestellt, dass sich Menschen lieber von Robotern anweisen liessen. Die Arbeiter unter der „Führung“ von einem Roboter waren produktiver und zufriedener. Der Roboter hat das Mitarbeiter-Feedback besser verstanden und war gegenüber ihnen fairer.

Wo bleibt Leadership 4.0?

Das Personalmanagement-Instrumentarium sowie „technische“ faktenbasierte Feedback-Gespräche braucht es, auch in der Wirtschaft 4.0. Allerdings kann das Führen anhand dieser Instrumente an die Roboter abgegeben werden. Und zurück zum Thema Menschlichkeit. Ein Manager 4.0 wird sich durch eine ausgeprägte Sozialkompetenz statt Fachkompetenz ausweisen müssen. Das wird ein Typ Persönlichkeitscoach sein, der für das Commitment der Mitarbeiter verantwortlich sein wird, der ein offenes Ohr hat und dem Mitarbeiter oftmals nur zuhört. Denn auch in der Wirtschaft 4.0 bleibt der Mensch ein Mensch, auch wenn er rein fachlich von einer Maschine geführt wird.

Dr. Elena Hubschmid-Vierheilig

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