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Organisationale Entrümpelung – auch für die Führung bedeutungsvoll!

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie Organisationen nicht nur Neues schaffen, sondern auch auf Bestehendes verzichten? Wie eine Entrümpelung in einer Organisation angegangen werden kann?

Organisationen müssen innovativ sein. Ja, sie müssen agil sein. Auf diese Forderung wird ein Hohelied gesungen von einer Vielzahl von Wissenschaftlern und Praktikern. Innovation ist überlebenswichtig, um in einem dynamischen Wettbewerbsfeld bestehen zu können. Agil und schlank, auf den Kontext passend soll eine Organisation sich ausrichten.

Diese Ausrichtung ist jedoch permanent gefährdet, denn Unternehmen häufen im Laufe ihres Bestehens unvermeidbar Altlasten an, die ihren Chancenraum reduzieren; Hinzufügen ist angenehmer als Abschaffen. Es ist eine besondere Herausforderung, sich konsequent von Überholtem zu trennen.

Organisationale Entrümpelung

Der Frage, wie eine Organisation strategiegerecht für zukünftige Herausforderungen angepasst werden kann, hat sich in einem Vortag an einer SGO-Veranstaltung vom 4.2.2016 Prof. Dr. Norbert Thom gestellt. Es ist die Frage nach der Notwendigkeit organisationaler Entrümpelung.

Prof. Dr. Thom betonte die Bedeutung einer strategischen Vorarbeit. Dabei geht es um eine Beurteilung der Erfolgspotenziale der Zukunft und die Entscheidung, wo aktuell eine Über- oder Unterversorgung besteht. Welche Leistungsangebote in Zukunft eingespart werden können, weil sie nicht mehr nachgefragt werden. Welche Leistungen aufgebaut oder qualitativ verbessert werden sollten. Die Bedeutung einer solchen strategischen Analyse ist nicht zu unterschätzen. Als zweite Stufe betrifft eine organisationale Entrümpelung aber auch organisationale Aspekte. Dabei geht es um aufbau- und ablauforganisatorische Fragestellungen, um das optimale Design für veränderte organisationale Aufgaben. Hierzu kann aus einem grossen Wissensfundus im Bereich der Organisationsforschung geschöpft werden. Prof. Dr. Norbert Thom hat hier Ansätze angesprochen von radikalen Neuausrichtungen wie eines Business Reengineering, das Top Down erfolgt und keinen Stein auf dem anderen lässt. Und er hat Ansätze der kontinuierlichen Verbesserung – und in diesem Kontext der kontinuierlichen Entrümpelung – aufgegriffen. Dabei geht es um die Unterscheidung von Notwendigem und nicht Notwendigem mit dem Ergebnis, nicht Notwendiges zu entfernen. Und es geht um das Unterlassen nicht wertschöpfender Aktivitäten. Diese Überlegungen können in seinem neusten Beitrag in der zfo nachgelesen werden (Thom, 2015).

Entrümpelung von Führungspraktiken – weniger ist mehr

Ein Gestaltungsfeld, das im Zusammenhang mit Entrümpelung in vielen Unternehmen unterbeleuchtet ist, betrifft die Steuerung und Führung von Mitarbeitenden. Steuerung und Führung von Mitarbeitenden beinhaltet alle Aspekte, durch welche Manger versuchen, die Ziele, Kompetenzen, Aktivitäten und Ergebniserreichung der Mitarbeitenden mit den Organisationszielen und –bestrebungen in Einklang zu bringen und abzustimmen. Fundamental unterschieden werden können i) eine Einflussnahmen auf den Prozess, ii) eine Definition von zu erzielenden Ergebnissen sowie iii) Grade an zugelassener und unterstützter Selbstregulation und horizontaler Selbstkoordination. Dabei ist entscheidend, einerseits genügend Steuerungswirkung zu erzeugen und andererseits keine Übersteuerung zu erzeugen. Klassische Ansätze beabsichtigen, mit detaillierten Weisungen und Vorschriften den Leistungserstellungsprozess zu beeinflussen und zu steuern. Im Zuge einer Verstärkung der Führung über Ziele haben es allerdings Unternehmen verpasst, eine leistungs- und motivationsfördernde Entrümpelung der Steuerungsbemühungen in Angriff zu nehmen. Ein klassischer Fall einer Übersteuerung entsteht. Ergebniserreichung kann teilweise nur mit dem Brechen von Regeln erlangt erreicht werden. Oder die Häufung von Regeln und Weisungen kann fatale Folgen haben. Ein eindrückliches Beispiel für Übersteuerung dokumentiert das TA-Magazin im Jahre 2012. Unter dem Titel „Die Anomalie“ wird geschildert, wie VBZ-Chauffeure durch 133 Verhaltensvorschriften in ihrer eigentlichen Arbeit behindert bzw. blockiert werden. Geschildert wird die demotivierende Wirkung, die Verhaltensvorschriften einerseits und Ergebniskontrolle andererseits auslösen.

Will ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich agieren, dann hat es dafür zu sorgen, dass der zum Ergebnis passende Mix an Steuerung zur Sicherstellung der Leadership erkannt und angewandt wird. Hier gilt es zu erörtern, durch welche Führung die strategischen Ziele erreicht werden können. Welchen Spielraum den Mitarbeitenden in der Nutzung ihrer Kompetenzen und lokalen Kenntnissen eingeräumt wird. Wie Einflussnahme und Steuerung auf ein passendes Mass reduziert werden kann. Eine Entrümpelung auf diesem Gebiet tut vielerorts not.

Literatur


Dr. Nicoline Scheidegger

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