Allgemein

DSGVO und die Auswirkungen auf die Schweiz

Monika Rohrer

Ca. 50 HR-Professionals kamen am Donnerstagabend in die Europaallee, um sich über das Thema Datenschutz , insbesondere DSGVO, zu informieren. Die Zeit zur Umsetzung drängt und angesichts der Komplexität ist man vielleicht versucht, das Handtuch gleich zu werfen und den Kopf in den Sand zu stecken – in der Hoffnung, es werde schon nichts geschehen. Gar nichts zu tun, ist jedoch nicht empfehlenswert, denn die potenziellen Sanktionen sind beträchtlich (bspw. Bussen bis zu € 20 Mio. oder 4% des gesamten, weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens). Dr. Michael Widmer, Dozent der ZHAW, verstand es gut, Licht in den juristischen Dschungel zu bringen: Was versteht man überhaupt unter «Personendaten» und «Bearbeiten», wer ist betroffen und wie sollten die Unternehmen am besten vorgehen, um am 25. Mai 2018 parat zu sein, wenn die Umsetzungsfrist der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) abläuft?

Was bedeuten «Personendaten» und «Bearbeiten»?

Sobald Informationen einer Person betroffen sind, welche identifiziert ist oder identifiziert werden kann, spricht man von Personendaten. Darunter können also je nach den Umständen nicht nur Emailadressen, sondern auch Aufnehmen von Telefongesprächen (z.B. aus dem CallCenter) fallen, v.a. wenn die entsprechende Person klar zugeordnet werden kann. Eine Bearbeitung von Personendaten findet überdies nicht nur dann statt, wenn diese bspw. angepasst oder geändert werden, sondern bereits das Speichern von Personendaten oder auch deren Löschung stellen eine Bearbeitung dar. In diesem Zusammenhang sollten sich Unternehmen einen Überblick verschaffen, wo bei ihnen überhaupt welche Personendaten und zu welchem Zweck bearbeitet werden. Was geschieht mit diesen Daten? Das weiss man eben oft nicht so genau, und da liegt auch «der Hund begraben». Wo werden sie gespeichert bzw. gelagert, wer hat Zugriff und zu welchem Zweck, gibt es ein Logfile/Back-up, wann müssen die Daten gelöscht werden etc.? Ein guter Überblick über den IST-Stand ist wichtig als Ausgangspunkt.

Welche Unternehmen sind betroffen?

Von der DSGVO sind auch Schweizer Unternehmen betroffen. Aus dem Vortrag ging hervor, dass im Fall von Outsourcing in vielen Fällen die DSGVO zur Anwendung gelangen kann, bspw. bei Outsourcing der Bearbeitung von Personendaten in den EU-Raum (klassischerweise Payroll, Call-Center, Administration), aber auch bei eingehenden Bewerbungen von EU-BürgerInnen. Künftig sind jedoch alle Schweizer Unternehmen betroffen, da die Revision des Schweizer Datenschutzgesetzes ebenfalls ansteht und mit grosser Wahrscheinlichkeit sehr ähnlich wie die DSGVO der EU ausgestaltet sein wird.

Vorgehen bei der Umsetzung

Bevor man sich nun in die Umsetzung stürzt, empfiehlt es sich zum einen, eine interne Anlaufstelle für das Thema Datenschutz zu bestimmen. Diese Funktion kann natürlich nur wirksam sein, wenn sie die Fäden in der Hand sowie entsprechende Entscheidungsbefugnisse und mit den involvierten Abteilungen (bspw. HR, IT, Marketing, Sales) koordinieren kann. Zum anderen muss sich jedes Unternehmen gewisse strategische Grundfragen beantworten: Will man «best in class» sein – was auch einen Wettbewerbsvorteil sein kann – oder beschränkt man sich auf absolute Minimalstandards? Will man sie grössten Lücken zuerst angehen oder lieber offensichtliche, einfache Anpassungen vornehmen (also einen internen „Quick-Win“)?

Fazit

Die zahlreichen Fragen in der anschliessenden Q&A-Runde verdeutlichten vor allem Folgendes: die grossen Fragen sind bei vielen Unternehmen noch ungeklärt, weshalb viel Arbeit noch zu erledigen ist. Zudem zeigen sich auch in der aktuellen Praxis, beispielsweise im Bereich Active Sourcing, Diskrepanzen zwischen Recht und Praxis, die mit der anstehenden Verschärfung der neuen Datenschutzbestimmungen noch schwieriger zu überbrücken sein werden.

Veranstaltungen

Arbeitsrechtstagung Generationen am Arbeitsplatz – 15. März 2018, Zürich

lic. iur. Sara Licci, stv. Zentrumsleiterin Zentrum für Sozialrecht

Der Wandel in der Arbeitswelt und veränderte Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen üben einen grossen Einfluss auf die Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen aus. Wie können die Anliegen aller Generationen im Arbeitsalltag berücksichtigt werden? Welche rechtlichen Risiken stellen sich und wie können die neuen Herausforderungen gemeistert werden?

Lösungsansätze für rechtliche und praktische Fragen

Die Arbeitsrechtstagung Generationen am Arbeitsplatz geht den rechtlichen und praktischen Fragen im Zusammenhang mit Generationen am Arbeitsplatz auf den Grund und präsentiert Lösungen am Puls der Zeit. Die Tagung richtet sich an Personalverantwortliche, Mitglieder der Geschäftsleitung sowie juristische Fachpersonen.

Alumni der ZHAW profitieren von einem Vorteilspreis, weitere Informationen sind online sowie in der Broschüre zu finden. Die Tagung mit zahlreichen Referierenden aus Lehre, Forschung und Praxis wird organisiert vom Zentrum für Sozialrecht der ZHAW School of Management and Law in Kooperation mit Schulthess Juristische Medien AG.

Das Zentrum für Sozialrecht bietet die Zertifikatslehrgänge CAS Arbeitsrecht und CAS Sozialversicherungsrecht an, die auch im Rahmen des MAS Human Capital Management besucht werden können.

Veranstaltungsdetails:

Datum: 15. März 2018
Ort: Zürich, Belvoirpark Development Center
Zeit: 08:00 – 18:00

Alle Informationen und Anmeldung unter: www.arbeitsrechtstagung.ch

Studie

Vertrauen performt!

Daniela Frau

Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil exzellenter Teamarbeit. Die Ergebnisse der Project-Aristotle-Studie von Google (2016) zeigen, dass psychologische Sicherheit das wichtigste Kriterium für eine hohe Team-Effektivität darstellt.  Fühlt sich ein Teammitglied psychologisch sicher, fürchtet es sich nicht, bei Unklarheiten im Team nachzufragen oder Kritik offen auszusprechen (vgl. Edmondson, 2003). Psychologische Sicherheit ist ein Indikator für hohes Vertrauen im Team. Bereits vorgängige Studien konnten aufzeigen, dass hohes Vertrauen Mitarbeiterengagement, Hilfsbereitschaft und Kreativität fördert (vgl. Colquitt et al. 2007; Searle et al. 2011; Sexton et al. 2000). Continue Reading

Veranstaltungen

EU-Datenschutz-Grundverordnung („DSGVO“) und Revision des Schweizer Datenschutzgesetzes

Dr. Michael Widmer

Die DSGVO regelt in der EU die Verarbeitung von personenbezogenen Daten natürlicher Personen. Sie ist zwar am 24. Mai 2016 in Kraft getreten, wird aber erst nach Ablauf einer Übergangsphase von zwei Jahren am 25. Mai 2018 wirksam. Auf dieses Datum müssen sich Unternehmen vorbereiten und bis dahin die Umsetzung der DSGVO sicherstellen. Dabei sieht die DSGVO einen äusserst hohen Bussgeldrahmen vor. So können Geldbussen von bis zu € 20 Mio. oder im Fall eines Unternehmens von bis zu 4 % des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs verhängt werden. Continue Reading

Studie

Zukunftsstudie Bankfachspezialisten 2030: Beschäftigungssituation und Tätigkeitsfelder

Prof. Dr. Andrea Müller

Im Schweizer Bankensektor sind bei den traditionellen Banken und den bankennahen Finanzdienstleistern rund 145’000 Mitarbeitende (VZÄ) beschäftigt. Durch Digitalisierung bzw. Automatisation wird die Beschäftigung im Schweizer Bankensektor stark unter Druck kommen.

Rund 40 Prozent der Mitarbeitenden einer durchschnittlichen Universalbank arbeiten heute im Bereich Beratung und Betreuung, bei Banken mit einem hohen Outsourcing-Anteil sind es bis zu 80 Prozent. Dies ist ein typisches Tätigkeitsfeld für die klassischen Bankfachleute, weshalb Veränderungen in diesem Bereich von besonderer Bedeutung sind. Continue Reading

Publikationen

Arbeitsrecht für Vorgesetzte

Nadine Bircher, Zentrum für Sozialrecht 

Die handliche Publikation aus der ZHAW School of Management and Law bietet einen nützlichen Überblick über die rechtlichen Grundsätze, welche im Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden massgebend sind. Es geht um Themen wie Arbeitsvertrag, Personalsuche, Stellenwechsel, Bewerbung, Überstunden, Entlassung, Fehlverhalten, Treuepflicht, Ferien. Die Co-Autorin Nadine Bircher hat 2015 den CAS Arbeitsrecht erfolgreich absolviert und konnte das Know-How aus dem Zertifikatslehrgang für diesen Ratgeber anwenden. Sie arbeitet zusammen mit Co-Autorin und Forschungsverantwortlichen Dr. Sabine Steiger-Sackmann am Zentrum für Sozialrecht der ZHAW und meint:  «Wir haben uns auf das Essentielle konzentriert, was Vorgesetzte im Umgang mit ihren Teams wissen müssen, um ihre Führungsrolle zeitgemäss, korrekt und fair wahrnehmen zu können. Ich finde es spannend, dass ich als Nicht-Juristin das Arbeitsrecht nun anderen in einer verständlichen Sprache vermitteln kann.» Continue Reading

Digitalisierung / Industrie 4.0

Was heisst digital kompetent sein?

Dr. Elena Hubschmid-Vierheilig

Beim Swiss Leadership Forum am 29. November im Dolder Grand ging es um das Thema «Expect the Unexpected», also darum, wie wir uns als Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf das Unerwartete in Zusammenhang mit der industriellen Revolution 4.0 (aka Digitalisierung) vorbereiten und für den schnellen Wandel fit machen können. Digitales Führen, digitales Arbeiten, digitales Lernen etc. Das Wort ist heute in den Medien und an verschiedenen Veranstaltungen omnipräsent.

In der letzten Ausgabe des Handelsblatts spricht der EU-Kommissar für Haushalt und Personal, Günther Oettinger, von Digitalen Kompetenzen: «Digitale Kompetenzen sind essenziell. Wir müssen unseren Arbeitskräften die entsprechenden Qualifikationen vermitteln, um mit dem Tempo des technologischen Fortschritts mitzuhalten». Arbeitskräfte sind diesbezüglich in vielseitiger Hinsicht gefordert: Entwicklung von digitalen Konzepten, filtern, analysieren, interpretieren und nutzbar machen von „Big Data“, Risiken kennen und angemessen managen, in einer sich ständig verändernden Umwelt neue Formen von Kundenbeziehungen eingehen, und nicht zuletzt auch versiert verschiedene Programmiersprachen beherrschen. Was alles umfasst nun der Begriff der «digitalen Kompetenz?» Continue Reading

Veranstaltungen

Inländervorrang light – was man wissen muss!

Monika Rohrer

Am 28. November hat die International HRS zusammen mit dem Zentrum für Human Capital Management eine Veranstaltung zum Thema „Inländervorrang light“ durchgeführt. Dass sich gut 50 Personen eingefunden haben, zeigt, dass hier offenkundig Informationsbedarf besteht. Hier für Sie zusammengefasst nochmals die wichtigsten Punkte: Continue Reading

Studie

Analyse von Angebot und Nachfrage im Schweizer Stellenmarkt

Dr. Nicoline Scheidegger

In der aktuellen Studie zum Schweizer Stellenmarkt in Zusammenarbeit mit JobCloud AG wurde analysiert, welche Branchen wie viele Stellen ausschreiben und wo die Klicks verzeichnet werden. Im Zeitraum von rund drei Monaten wurden 110’000 Inserate und 40 Millionen Klicks in der Deutschschweiz berücksichtigt. Die Resultate erlauben wertvolle Rückschlüsse für das Employer Branding.

Lesen Sie hier das Interview mit Studienautorin Dr. Nicoline Scheidegger. Die umfassenden Resultate der Studie „JobCloud Market Insights“ finden Sie hier.

Veranstaltungen

Beschränkung von EU-Bürgern beim Zutritt in den Schweizer Arbeitsmarkt

Dagmar Richardson

Im Oktober hat das SECO an die Leiterinnen und Leiter der kantonalen Arbeitsämter (RAVs) und Arbeitslosenkassen geschrieben, dass eine gestaffelte Einführung des Inländervorrangs Light vorgesehen sei. Gemäss diesem Schreiben sollen sich die Vernehmlassenden zur Höhe des Schwellenwertes (5%) und zum Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Januar 2018) geäussert haben. Dabei wurde folgender Wunsch geäussert:

  • Ab dem 1. Juli 2018 soll ein Schwellenwert von 8 Prozent gelten.
  • Ab dem 1. Januar 2020 soll ein Schwellenwert von 5 Prozent gelten.

Dieser Wunsch basiert darauf, dass die RAVs in vielen Kantonen nicht bereit sind, resp. nicht das notwendige Personal zur Verfügung haben um den Inländervorrang Light zu administrieren.

Die Medien haben diese Information zur Vernehmlassung aufgenommen und es entstand der Verdacht, dass das Ganze verzögert wird.

Jedoch ist diesbezüglich noch KEIN Entscheid gefallen. Der Bundesrat muss in den nächsten Tagen / Wochen über die Verordnung und den Zeitpunkt des Inländervorrangs Light entscheiden. Wir haben 7 Bundesräte, zwei davon der SVP angehörig, die Druck aufsetzen und eine volle Einführung ab 1. Januar fordern werden – auch im Hinblick darauf, dass die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative verzögert wurde. Ihr Gegenpol ist der Wirtschaftsminister Bundesrat Schneider-Amann, der die kantonalen Arbeitsämter vertritt. Es bleibt spannend!

Was heisst das für SIE? Leider werden Unternehmen, welche die offenen Stellen einer Berufsgruppe, in der die Arbeitslosigkeit über 5% schweizweit liegt nicht dem RAV melden, mit mehreren tausend Franken gebüsst. Betroffen sein können Unternehmen und Organisationen sämtlicher Branchen. Gerade die Rekrutierungsbranche wird sich ebenfalls stark mit der Thematik auseinandersetzen müssen.

Die ZHAW organisiert am 28. November 2017 in Zürich einen Informationsabend zum Inländervorrang Light, um Interessierte und Betroffene über den letzten Stand der Einführung zu informieren und mögliche Prozessmassnehmen innerhalb einer Firma zu empfehlen.