Jede vierte Person bewegt sich zu wenig – die Folgekosten sind erheblich

Quelle: Adobe Stock

Von Linda Vinci

Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für verschiedene chronische Erkrankungen. Eine Studie der ZHAW, der Universität Luzern und der Berner Fachhochschule im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit zeigt, dass sich diese Folgekosten durch Bewegungsmangel auf 1.7 Milliarden Franken pro Jahr belaufen.

Leichter Rückgang – mit einer Ausnahme

Bewegungsmangel liegt vor, wenn Personen weniger als 150 Minuten pro Woche Bewegung mit mittlerer Intensität oder weniger als 75 Minuten pro Woche Bewegung mit hoher Intensität ausüben. Im Jahr 2022 wiesen in der Schweiz 22% der Männer und 27% der Frauen Bewegungsmangel auf. Zwischen 2012 und 2022 ging die Prävalenz von Bewegungsmangel insgesamt leicht zurück. Eine Ausnahme bildeten die 15-24-Jährigen: In dieser Altersgruppe stieg der Anteil mit Bewegungsmangel bei beiden Geschlechtern an.

Wie haben wir die Kosten berechnet?

Die Studie ermittelt die Kosten jener Krankheiten, die durch Bewegungsmangel verursacht werden können. Dabei kam ein prävalenzbasierter Ansatz zum Einsatz. Wir haben für jede Krankheit sogenannte «Population Attributable Fractions» (PAF) berechnet und sie mit den gesamten Gesundheitskosten der entsprechenden Krankheiten multipliziert. Die PAF geben an, welcher Anteil der Krankheitsfälle auf einen bestimmten Risikofaktor zurückgeht. Für die Berechnung wurden relative Risiken aus wissenschaftlichen Studien sowie Prävalenzdaten aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung herangezogen.

Jährliche Gesundheitskosten von 1.7 Milliarden Franken

Im Jahr 2022 entstanden durch Bewegungsmangel Gesundheitskosten von CHF 1.7 Milliarden. Den grössten Kostenanteil verursachten Demenz, Depression und Osteoporose. Mit zunehmendem Alter stiegen die Kosten an. Auffällig ist, dass Frauen etwa doppelt so hohe Kosten verursachten wie Männer. Von 2012 bis 2022 erhöhten sich die Gesundheitskosten durch Bewegungsmangel um 9% von CHF 1.5 Milliarden auf CHF 1.7 Milliarden. Dieser Anstieg erklärt sich vor allem durch die steigenden Gesamtkosten der berücksichtigten Krankheiten.

Fazit

Folgekrankheiten aufgrund von Bewegungsmangel führen nicht nur zu erheblichen Gesundheitsverlusten bei den Betroffenen, sondern auch zu beträchtlichen Gesundheitskosten. Gezielte Präventionsmassnahmen sind daher von grosser Bedeutung, um mehr Menschen zu ausreichender Bewegung zu motivieren und die dadurch entstehenden Gesundheitskosten zu senken.

Die Studie ist öffentlich verfügbar und zeigt nebst den Kosten der Risikofaktoren Bewegungsmangel sowie Übergewicht und Adipositas auch die gesamten Gesundheitskosten, Produktionsverluste und verlorene gesunde Lebensjahre nach Ursachen (Krankheiten und weitere) und weiteren Dimensionen.

Linda Vinci ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie.


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