Gesundheitspolitik

«Something is rotten in the state of Denmark!»

Quelle: Herlev and Gentofte Hospital (Modell New Herlev Hospital)

Von Matthias Maurer

Was liess Hamlet an seiner dänischen Heimat verzweifeln? Das staatliche Gesundheitswesen kann es nicht gewesen sein. Denn sonst würden nicht Heerscharen von interessierten Gesundheitsexperten und -politikern nach Dänemark pilgern, um sich einen Eindruck von den dortigen Ansätzen zu machen.

Was sind die Gründe, warum Dänemark eine Reise wert ist? Zum einen sind die Dänen Weltmeister in Digital Health. Zum anderen sind sie Hüter von wertvollen Gesundheitsdaten, die während Jahrzehnten gesammelt, systematisiert und analysiert worden sind. Ein weiterer Grund hat uns im Rahmen des CAS Gesundheitssysteme und -politik diesen Juni in die Heimat Hamlets geführt: Die Optimierung und Modernisierung der Spitalinfrastruktur, von der im Folgenden die Rede sein soll.   

Die Optimierung und Modernisierung der Spitalinfrastruktur war einer der Gründe für die Reform der Staatsebenen in 2007, bei welcher aus den 13 Bezirken neu fünf Regionen gebildet wurden. Das nationale Gesundheitsministerium ist zusammen mit den Gesundheitsregionen seither dabei, eine Kombination von medizinischer Spezialisierung und gleichzeitiger Entlastung der stationären Kapazitäten durch den Aufbau sektorübergreifender Versorgungs-Netzwerke zu schaffen.

Medizinische Spezialisierung

Zur Steigerung der Ergebnisqualität werden die medizinischen Eingriffe in spezialisierten Spitälern vorgenommen: hochspezialisierte Eingriffe werden in 1 bis 3 Spitälern in Dänemark, etwas weniger komplexe Eingriffe werden in 1 bis 3 Spitälern pro Region ausgeführt. Insgesamt werden damit rund 10% aller Eingriffe aus 36 Fachgebieten auf nationaler Ebene geplant.

Aufbau von sektorübergreifenden Versorgungs-Netzwerken

Durch den Einbezug von Hausärzten und gemeindebezogenen Dienstleistungen wie Spitex und weiteren Sozialangeboten, können die stationären Kapazitäten entlastet werden. Wie geht das? Das Spital kann nun auch komplexere Eingriffe ambulant vornehmen sowie stationäre Fälle früher entlassen, weil die Nachversorgung sichergestellt ist. Das Spital bleibt aber verantwortlich für den gesamten Behandlungspfad. Für dieses Vorhaben müssen die Kompetenzen der Hausärzte und Gemeinden gestärkt werden, damit sie ihre erweiterten Rollen wahrnehmen können.

«Superhospitals»

Die Spezialisierung und die Vernetzung in der ambulanten Versorgung schlagen sich auch bei der Infrastruktur nieder. Die Dänen bauen sogenannte «Superhospitals» entweder auf der grünen Wiese oder durch umfangreiche Modernisierungen und Erweiterungen an bestehenden Standorten. In diesen Spitälern wird prozessmässig und baulich eine klare Trennung vorgenommen zwischen notfallmässig sowie «ambulant» zu behandelnden Fällen (d.h. Fälle mit einer Aufenthaltsdauer von bis maximal zwei Tagen) einerseits und in den Spezialkliniken stationär aufgenommenen Fällen andererseits.

… or isn’t this rather the case of Switzerland?

Mit einiger zeitlicher Verzögerung hat die Welle der Optimierung und Modernisierung der Spitalinfrastruktur auch die Schweiz erreicht. Aber diese beschränkt sich meistens auf die betriebliche Optimierung an einem einzelnen Standort bzw. innerhalb einer Organisation. Von einer konsequenten Trennung des Leistungsangebots von spezialisierten Zentrumsspitälern und grundversorgenden Regionalspitälern kann weder auf nationaler Ebene noch in den Kantonen die Rede sein. Statt eines haushälterischen Einsatzes von Spitalkapazitäten werden diese grosszügig ausgebaut – und in der Folge auch genutzt.     

Matthias Maurer ist stellvertretender Institutsleiter am WIG.

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