Gesunder Start ins Studium

Der Beginn des Studiums ist eine aufregende Phase – kann für junge Menschen aber auch belastend sein. Am Departement Gesundheit gibt es zahlreiche Angebote und Aktionen, die Studierende ab Beginn der Ausbildung unterstützen können, gesund zu bleiben und Belastungen entgegenzuwirken.

von Tobias Hänni

Immer im Herbst, wenn sich das Jahr schon langsam dem Ende zuneigt, beginnt für Tausende junge Menschen ein neues Lebenskapitel: Sie treten ihr Studium an. Eine aufregende Zeit, die ein neues Umfeld, neue Freundschaften, einen neuen Alltag mit sich bringt – und damit zahlreiche wertvolle Erfahrungen. Es ist aber auch eine Phase mit vielen Herausforderungen: der Auszug aus dem Elternhaus, finanzielle Verpflichtungen, der eigene Erwartungsdruck – um nur einige zu nennen. «Der Studienstart stellt einen grossen Umbruch dar, der auch viele Unsicherheiten mit sich bringt», sagt Irene Etzer-Hofer, die am ZHAW-Departement Gesundheit die Fachstelle Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) leitet. «Darunter können Gesundheit und Leistungsfähigkeit leiden.»
Studierende seien – wie alle jungen Erwachsenen – heute ohnehin schon einer stärkeren Belastung ausgesetzt als noch vor ein paar Jahren, ergänzt sie. Grund dafür sei eine Fülle von Risikofaktoren, zu der eine instabile Weltlage, die zunehmende Digitalisierung des Alltags oder der Mangel an psychologischer Unterstützung gehörten. «Mit der Corona-Pandemie haben die Risikofaktoren noch zugenommen.» So sei etwa das Gefühl der Einsamkeit bei Studierenden heutzutage stärker ausgeprägt. «Die erhöhte Anzahl von Online-Studienformaten macht es gerade zum Studienbeginn herausfordernd, soziale Beziehungen aufzubauen.»

Früher punktuell, heute systematisch

Corona hat das Wohlergehen der Studierenden am Departement verstärkt in den Fokus gerückt. «Es gab schon immer Angebote zur Stärkung der Studierendengesundheit. Das waren aber punktuelle Massnahmen. Inzwischen bearbeiten wir das Thema systematisch.» Das zeigt sich auch in einem neuen Konzept zum Studentischen Gesundheitsmanagement, das kürzlich von der Departementsleitung verabschiedet wurde (siehe Zweittext). Gerade mit Blick auf die neuen Studierenden scheint es sinnvoll, dem Thema genügend Beachtung zu schenken. Denn die Kombination aus allgemeinen Risikofaktoren und den spezifischen Herausforderungen des Studienstarts kann psychische Belastungen oder Erkrankungen auslösen – zum Beispiel Burnout, Depressionen oder Angststörungen. Und auch die körperliche Gesundheit kann Schaden nehmen. «Die meisten Studierenden sitzen zu viel», sagt Irene Etzer-Hofer. Das könne etwa zu chronischen Rückenbeschwerden oder Übergewicht führen.

Von Coaching bis Chill-Raum

Um negativen gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, bestehen am Departement zahlreiche Angebote und Massnahmen. Diese sind in den einzelnen Studiengängen, den Instituten oder auf Departements- respektive Hochschulebene angesiedelt. In den Studiengängen gibt es beispielsweise Module zur Gesundheitsförderung, Mentoringprogramme oder Lerncoachings. Auf Departementsebene werden mit diversen Aktionen die Bewegung und Entspannung gefördert. Dazu gehören etwa ein No-Elevator-Day oder ein Chill-Raum, in dem sich Studierende ausruhen und austauschen können. Zudem wird jedes Jahr ein längerfristiges Projekt zur Studierendengesundheit umgesetzt. Das Neueste startet gerade und fördert mit In- und Outdoor-Spielgeräten Bewegung und soziales Miteinander. Wie bei den Vorgängerprojekten kam die Idee dazu von der Zielgruppe selbst. «Alle Studierenden können einen Projektvorschlag einreichen – eine Jury wählt dann eines zur Umsetzung aus», erklärt Irene Etzer-Hofer. Es sei zentral, dass sich Angebote an den Bedürfnissen der Studierenden orientieren und diese an der Planung beteiligt seien. Partizipation werde am Departement konsequent gelebt – etwa auch dadurch, dass die Studierendenvertretung «Alias – Sektion G» der Departementsleitung regelmässig Anliegen zu Studiumsbedingungen und zur Studierendengesundheit vorbringen könne.
Involviert werden Studierende auch in die direkte Umsetzung der Projekte. «Dadurch enthalten diese oft ein Peer-to-Peer-Element. Das ist gerade für Neustudierende wertvoll, da ältere Semester die Herausforderungen beim Studienbeginn kennen und wirkungsvoll unterstützen können.» Neben den internen Angeboten können Studierende die Beratungen und Coachings der ZHAW in Anspruch nehmen. Die Hochschule bietet kostenlose Unterstützung in verschiedenen Bereichen an, etwa bei persönlichen Belastungen, bei der Vereinbarkeit von Studium und Familie oder für LGBTQ+-Personen. Insgesamt, so findet Irene Etzer-Hofer, gebe es ein umfassendes Angebot zur Stärkung der Studierendengesundheit, das nun mit dem neuen Konzept nochmals mehr Systematik erhalte. «So wird den neuen Studierenden der Start in die Ausbildung erleichtert. Denn sie wissen, dass sie bei Bedarf Unterstützung erhalten.»


«Wir wollen die Studierendengesundheit holistisch sehen»

«Ein hochrelevantes Hochschulthema von gesellschaftlicher Tragweite»: So wird die Gesundheit von Studierenden in einem Konzept beschrieben, das am ZHAW-Departement Gesundheit seit kurzem umgesetzt wird. Relevant sei das Thema, weil Studierende gemäss Datenlage psychisch stärker belastet seien und sich ungesünder verhielten als nichtstudierende Gleichaltrige, heisst es darin. Und auch, weil im heutigen Arbeitsmarkt Kompetenzen zum Erhalt von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Produktivität erwartet würden. Vor diesem Hintergrund gibt das vom Institut für Public Health (IPH) erarbeitete Konzept dem Thema am Departement mehr Gewicht. «Es hilft uns, die Studierendengesundheit holistisch anzugehen», sagt Julia Dratva, Co-Leiterin des IPH und Mitglied der Departementsleitung. Nun könne man departementsweit gemeinsam aktiv werden, Synergien nutzen und Expertisen bündeln.

Keine Gesundheitspolizei

Das Konzept legt drei Ziele fest. Erstens soll die Gesundheitskompetenz der Studierenden gestärkt werden. Zweitens sollen Bedingungen und zusätzliche Angebote geschaffen werden, um ein gesundheitsförderliches Verhalten zu ermöglichen. Und drittens soll die Datengrundlage zur Studierendengesundheit verbessert werden. In einem ersten Schritt stehen laut Julia Dratva das Monitoring der Studierendengesundheit und die Bedürfnisanalyse im Fokus. «Das zeigt uns, wo noch Lücken bestehen.» Gleichzeitig wird eine «Toolbox» an gesundheitsfördernden Werkzeugen für Dozierende erarbeitet.
Für die Umsetzung des Konzepts hat das IPH einen «Kreis Studierendengesundheit» gegründet. Dieser ist offen für alle Mitarbeitenden am Departement, die sich mit dem Thema befassen. Explizit eingeladen sind auch Studierende. «Sie sind die Expert:innen für ihre Gesundheit. Ohne sie hätten wir blinde Flecken», so Julia Dratva. Die Beteiligung sei auch zentral mit Blick auf die Selbstbestimmung der Zielgruppe, eigene Gesundheitsentscheide zu treffen. «Diese respektieren wir selbstverständlich. Wir möchten keine Gesundheitspolizei sein, sondern den Studierenden Wissen, Bewusstsein und Kompetenzen vermitteln. Was sie damit machen, ist ihre Entscheidung.»//

Vitamin G, S. 15-16


Magazin «Vitamin G – für Health Professionals mit Weitblick»


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