Ein Gastbeitrag von S. Baumann, J. Brütsch, E. Dahinden, S. Dangleterre, C. Lobsiger, J. Suter

Die Verkehrsinfrastruktur stösst aufgrund des wachsenden Verkehrsaufkommens zunehmend an ihre Grenzen. Bisher hatte die Verkehrszunahme jeweils zu einem Ausbau der Infrastruktur geführt. In Anbetracht der verfügbaren Landressourcen und Kostenfolgen ist dies jedoch keine zukunftsorientierte Lösung mehr. Deshalb sind neue Ideen gefragt, um dem steigenden Bedürfnis nach Mobilität gerecht zu werden.

In Zusammenarbeit mit der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) haben sich ZHAW-Studierende des Studiengangs Verkehrssysteme mit Mobilitätsmanagement-Ansätzen für die Region Bern-Mittelland befasst. Initiiert wurde das Projekt von Martin Moser, Fachbereichsleiter «Verkehr» der RKBM und ehemaliger Verkehrssysteme-Student. Das Ziel war die Erarbeitung eines Massnahmenkataloges für ein zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement der Region Bern-Mittelland.

Im Rahmen des Moduls «Verkehrspraxislabor 2» entwickelten die Studierenden verschiedene innovative Ideen, wie sich die Mobilität zukünftig gestalten lässt. Konkret erarbeiteten die Studierenden Vorschläge und Handlungsempfehlungen, mit denen auch in Zukunft eine funktionierende, nachhaltige und effiziente Mobilität in der Region Bern-Mittelland gewährleistet ist. Die Abnahme des motorisierten Individualverkehrs und die Förderung des öffentlichen sowie des Fuss- und Veloverkehrs sind dabei die wichtigsten Stossrichtungen.

Im Bereich des Mobilitätsmanagements werden Möglichkeiten gesucht, das individuelle Mobilitätsverhalten der Menschen zu beeinflussen. Dabei wird mit Push- und Pull-Massnahmen verhindert oder dazu motiviert, bestimmte Verkehrswege und -mittel zu nutzen. Das neue Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmenden soll zu einer Reduktion der Verkehrs- und Umweltbelastungen führen.

Zu Beginn des Projekts fanden die Studierenden während ihren Recherchearbeiten über 150 Studien und Fachartikel aus dem In- und Ausland zum Thema Mobilitätsmanagement. Im Fokus standen vor allem bereits umgesetzte Massnahmen. In einem zweiten Schritt analysierten die Studierenden die Ist-Situation innerhalb der Region Bern-Mittelland. Der Fokus lag auf der politischen Situation, den verschiedenen Interessensgruppen, der aktuellen Verkehrssituation sowie dem Leidensdruck aus Sicht der Bevölkerung. Aus den gewonnenen Erkenntnissen konnten die Studierenden im Anschluss auf die Region zugeschnittene Handlungsempfehlungen ausarbeiten.

Abbilidung 1: Beispielmassnahme „Coworking Spaces“ aus dem Massnahmenkatalog

Aus dem erarbeiteten Massnahmenkatalog können die Gemeinden die für sie passenden Massnahmen entnehmen und umsetzen. Ein Beispiel einer Massnahme aus dem Katalog ist in Abbildung 1 dargestellt. Um den Auswahlprozess für die Gemeinden zu vereinfachen, sind die Massnahmen im Katalog in vier verschiedene Handlungsfelder unterteilt. Mit dem oben links rot markierten Puzzleteil wird auf das zugeteilte Handlungsfeld hingewiesen. Die abgebildete Massnahme Coworking-Spaces ist beispielsweise dem Handlungsfeld M «Betriebe motivieren» zugeteilt. Da sich die Gemeinden innerhalb der Region Bern-Mittelland aufgrund deren Lage, Grösse, Anzahl Einwohner etc. teilweise stark voneinander unterscheiden, weisen diese auch unterschiedliche Bedürfnisse auf. Die ausgearbeiteten Massnahmen tragen diesen Unterschieden Rechnung. Zwecks einer einfachen Einordnung der Massnahmen, sind im Katalog zudem auch der Raumtyp, Verkehrszweck, Verkehrsmittel, Umsetzungsdauer und die ungefähren Kosten jeder Massnahme angegeben.

Bei allen Massnahmen wurde auf eine einfache Umsetzbarkeit sowie ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis geachtet. Der gesamte Katalog umfasst 99 verschiedene Massnahmen und wird demnächst für alle Gemeinden der Regionalkonferenz Bern-Mittelland verfügbar sein.