Der neue Proteingarten am Campus Grüental zeigt, wie Hülsenfrüchte als pflanzliche Proteinquellen nicht nur unsere Gesundheit fördern, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Besucherinnen und Besucher werden dazu inspiriert, diese nährstoffreichen Lebensmittel in ihre Ernährung zu integrieren und aktiv an der Proteinwende teilzuhaben.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Nachhaltigkeitskommunikation
und Umweltbildung

Wissenschaftliche Assistentin Geography of Food
Warum wir umdenken müssen
Unsere Ernährung steht an einem Wendepunkt. Die «Proteinwende» beschreibt den dringend notwendigen Übergang von einem übermässigen Konsum tierischer Proteine hin zu pflanzlichen Alternativen. Proteine sind für den menschlichen Körper lebenswichtig, denn sie erfüllen zahlreiche Funktionen, von der Reparatur und dem Aufbau von Gewebe bis zur Produktion von Enzymen und Hormonen. Die empfohlene Menge liegt bei 0.8 g pro kg Körpergewicht
für gesunde Erwachsene.
Eine Reduktion der Zufuhr von tierischen Proteinen, insbesondere des Fleischkonsums, ist nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen dringend geboten: Die Fleischproduktion verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen, die zur Erderwärmung beitragen. Die Proteinwende ist somit ein wichtiger Hebel, um die Klimaziele zu erreichen und einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen zu fördern.

bei der Mais, Bohnen und Kürbis in einer symbiotischen Pflanzgemeinschaft wachsen.
Hülsenfrüchte – eine nachhaltige Proteinquelle
Pflanzliche Proteine bieten eine Vielzahl von Vorteilen. Insbesondere Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen sind wertvolle Alternativen zu Fleisch. Sie sind reich an Proteinen, Ballaststoffen und wichtigen Mikronährstoffen wie Eisen, Zink und Magnesium, die für eine ausgewogene Ernährung essenziell sind. Zudem sind sie äusserst ressourcenschonend: Ihr Anbau erfordert deutlich weniger Wasser und Fläche als die Produktion tierischer Proteine.
Darüber hinaus tragen Hülsenfrüchte durch die Fähigkeit zur Stickstofffixierung zur Verbesserung der Bodenqualität bei und fördern so eine nachhaltige Landwirtschaft. Diese besondere Eigenschaft von Hülsenfrüchten war schon vor mehr als 4’000 Jahren in Mittel- und Südamerika bekannt. Im traditionellen «Milpa»-Anbausystem wurden Bohnen, Mais und Kürbis zusammen angebaut, um die Fläche optimal zu nutzen und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.
Hülsenfrüchte bieten somit eine gesunde und umweltfreundliche Alternative zu tierischen Produkten.
Der Proteingarten: Ein Ort des Lernens und Erlebens
Um die Vorteile pflanzlicher Proteine greifbar zu machen, wurde auf dem Campus Grüental das bestehende «Gräserland» um einen neuen Proteingarten erweitert. Dieser Garten soll die Proteinwende erlebbar machen und zeigen, wie Hülsenfrüchte als pflanzliche Proteinquellen sowohl unsere Gesundheit fördern als auch einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Im Proteingarten gedeihen verschiedene Hülsenfrüchte, die durch informative Exponate ergänzt
werden. Diese beleuchten die Bedeutung von Hülsenfrüchten für eine nachhaltige Ernährung und vermitteln Wissen über ihre Anbauweise, ihre Nährstoffzusammensetzung und ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten in der Küche. Besucher:innen werden dazu inspiriert, diese nährstoffreichen Lebensmittel in ihre Ernährung zu integrieren und aktiv an der Proteinwende teilzunehmen.
Ein besonderes Highlight im Proteingarten ist die interaktive Gestaltung. Studierende des Bachelormoduls «Inszenierte Naturräume» haben im Frühjahrsemester 2024 Prototypen für Pflanzungen und Exponate entwickelt, die nicht nur im Unterricht, sondern auch bei Führungen und im Audioguide des Gartens zum Einsatz kommen. So zeigt beispielsweise ein übergrosser Sojafuttersack die Vorteile der Sojapflanze und thematisiert zugleich die globale Problematik des Sojaanbaus als Futtermittel. Diese Art der Darstellung soll die Besucher:innen zum
Nachdenken anregen und das Bewusstsein für die Auswirkungen unserer Ernährungsgewohnheiten schärfen.
Bildung und Genuss vereint
Neben der Wissensvermittlung ist im Proteingarten auch der Genuss wichtig. Praktische Tipps zur Zubereitung von Hülsenfrüchten sowie leckere Rezeptideen laden dazu ein, neue Gerichte auszuprobieren und den eigenen Speiseplan zu erweitern. Die Rezepte sind darauf ausgelegt, einfach und alltagstauglich zu sein, sodass sie sich leicht in jede Enährung integrieren lassen. Dies fördert nicht nur eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung, sondern macht auch deutlich, dass der Umstieg auf pflanzliche Proteine keineswegs Verzicht bedeutet, sondern vielmehr eine Bereicherung darstellt.
Ab September 2024 werden im Proteingarten interaktive Führungen für Schulklassen auf Oberstufen- und Gymnasiumniveau angeboten, die das Thema Proteinwende noch greifbarer machen. Zudem wird im Rahmen einer Masterarbeit im Master Umwelt und Natürliche Ressourcen eine digitale Führung zum Thema ausgearbeitet und evaluiert. Ein Audioguide erweitert das Angebot für individuelle Besucher:innen und ermöglicht es, die Inhalte des
Gartens im eigenen Tempo zu entdecken und sich intensiv mit den Themen auseinanderzusetzen.
Ein Bildungsprojekt für eine nachhaltige Zukunft
Der Proteingarten am Grüental ist ein innovatives Bildungsprojekt, das auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie eine nachhaltige Ernährung in der Praxis aussehen kann. Durch die Kombination von Bildung, Praxis und Genuss wird das Thema der Proteinwende auf vielfältige Weise erfahrbar gemacht.
Das Projekt lädt dazu ein, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen und neue Wege in der Ernährung zu gehen – zum Wohl der eigenen Gesundheit, zum Schutz unseres Planeten und zur Förderung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Mit dem Proteingarten im Grüental wird ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Ernährung getan, der hoffentlich viele Nachahmer:innen findet und zur Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft beiträgt.
Die Proteinwende ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine grosse Chance. Sie bietet uns die Möglichkeit, unser Ernährungssystem grundlegend zu überdenken und eine nachhaltigere und gesündere Zukunft zu gestalten. Der Proteingarten im Grüental zeigt, wie dies gelingen kann.
Hinweise
Der Proteingarten wird durch das Sustainable Impact Program (SIP) der ZHAW gefördert, der Audioguide wird durch die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) ermöglicht.
Der Proteingarten kann jederzeit besucht werden (mit Audioguide und einem Angebot für Führungen von Schulklassen und Studierendengruppen):
www.zhaw.ch/iunr/gaerten