Wer nachhaltige Landwirtschaft mitgestalten möchte, findet seinen Weg oft dort, wo Wissenschaft und Praxis zusammenkommen. Nach ihrem Master in Umwelt und Natürliche Ressourcen mit Vertiefung in Agrarökologie und Ernährungssysteme an der ZHAW arbeitet Laura Vetter heute in der internationalen Agroforstforschung in Spanien. Wie ein Workshop in Brasilien ihren Berufsweg veränderte, welche Erfahrungen sie beim Studieren besonders geprägt haben und warum sie einen Agroforst in Spanien pflanzt erzählt sie in diesem Porträt.

Laura Vetter
Master in Umwelt und natürliche Ressourcen mit Vertiefung Agrarökologie und Ernährungssysteme
ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
Studienbeginn 2023
Technische Mitarbeiterin, Forschungszentrum BETA in Katalonien, Spanien
Die spanische Sommersonne steht bereits hoch über Katalonien, als das Forschungsteam aufbricht. Bodenproben müssen entnommen werden, bevor die Hitze die Feldarbeit erschwert. Zwischen Mandel- und Olivenbäumen untersucht Laura Vetter, wie Landwirtschaft im Mittelmeerraum widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel werden kann. Noch vor wenigen Jahren sass sie selbst auf dem Campus in Wädenswil – heute arbeitet sie an europäischen Forschungsprojekten und baut gleichzeitig ein eigenes Agroforstsystem auf.
Eine Studienentscheidung mit Weitblick
Dass ihr Weg einmal hierherführen würde, war keineswegs selbstverständlich. Eigentlich stand sie vor der Entscheidung zwischen einem Master in Stadtentwicklung und dem MSc Umwelt und Natürliche Ressourcen an der ZHAW. Den Ausschlag gab schliesslich ein Workshop während einer Reise durch Brasilien. Dort lernte sie das Konzept der syntropischen Landwirtschaft in der Praxis kennen.
«Als ich in Brasilien mehrere Tage beim Aufbau von einem syntropischen Agroforstsystem mithelfen durfte, wusste ich: Ich möchte mich weiterhin mit Landwirtschaft und unserem Ernährungssystem beschäftigen.»
Diese Erfahrung veränderte ihren Blick auf Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Statt Städte standen plötzlich Böden, Ernährungssysteme und Agroforst im Mittelpunkt ihres Interesses.
Ein Studium, das Austausch fördert
Fragt man sie heute nach den prägendsten Erinnerungen an das Studium, spricht sie weniger von einzelnen Vorlesungen, sondern erinnert sich an eine besondere Atmosphäre: gemeinsames Lernen in der Bibliothek, Workshops zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen, Exkursionen und Gespräche, die oft weit über den Unterricht hinausgingen.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut FiBL eröffnete erste Einblicke in die angewandte Forschung. Gleichzeitig entstanden Freundschaften über die eigene Vertiefung hinaus – Kontakte, die bis heute geblieben sind.
«Das Studium hat mir Hoffnung gegeben und das Vertrauen, dass wir als junge Generation wirklich etwas bewirken können.»
Zum Studienalltag gehörte auch der Campus selbst. Zwischen den Vorlesungen boten der Zürichsee, das Glashaus und die grünen Freiräume Gelegenheit zum Durchatmen, Diskutieren oder einfach dazu, neue Ideen entstehen zu lassen.

Praxisnah studieren – Forschung erleben
Besonders in Erinnerung geblieben sind zahlreiche Exkursionen und Gastreferate aus der Praxis. Sie machten deutlich, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen ist, sondern täglich auf Betrieben, in Forschungsinstituten und in internationalen Projekten weiterentwickelt wird.
Diese Verbindung zwischen Theorie und Praxis erwies sich später als wertvoll. Methoden wie strukturierte Literaturrecherchen und der Umgang mit Literaturverwaltungsprogrammen, Datenanalyse mit R oder der Einsatz von GIS gehören heute selbstverständlich zu ihrem Berufsalltag.
Gleichzeitig zeigt sich: Lernen endet nicht mit dem Studienabschluss. Rückblickend hätte sie das Modul Advanced LCA (Life Cycle Assessment) gerne belegt. Heute arbeitet sie ab und zu mit Lebenszyklusanalysen und eignet sich das entsprechende Fachwissen gemeinsam mit einer Kollegin an.
Der Berufseinstieg führte direkt nach Spanien
Nach der Masterarbeit führte ihr Weg direkt nach Katalonien in Spanien. Heute arbeitet sie am Forschungszentrum BETA in Vic, wo sie europäische Projekte zu Agroforstsystemen in trockenen Regionen des Mittelmeerraums begleitet. Manche Tage verbringt sie in Meetings oder beim Projektmanagement, andere draussen auf Versuchsfeldern, wo Bodenproben genommen und Vegetationsdaten erhoben werden.
Besonders spannend seien die internationalen Projekttreffen und Konferenzen, auf denen Forschende ihre neuesten Erkenntnisse zu Agroforst, Carbon Farming und klimaresilienter Landwirtschaft austauschen. Parallel dazu verfolgt sie ein ganz persönliches Projekt. Auf einem eigenen Grundstück im Süden Kataloniens entwickelt sie Schritt für Schritt ein komplexes Agroforstsystem, in welchem junge Obstbäume mit schon bestehenden Oliven und Mandeln kombiniert werden. Dieses System soll künftig selbst Teil wissenschaftlicher Forschung werden, mit dem langfristigen Ziel, Lösungen für eine klimaresiliente, produktive und biodiverse Landwirtschaft zu finden. Gemeinsam mit weiteren Praktikerinnen und Praktikern entsteht dort ausserdem ein Verein, der Forschung, praktische Landwirtschaft und Wissensaustausch über diese Art von Agroforstsystemen miteinander verbindet.

Netzwerke und Kompetenzen, die bis heute tragen
Wer in der Klimaforschung und der Landwirtschaft gleichzeitig arbeitet, erlebt die Auswirkungen der Erderwärmung nicht nur in wissenschaftlichen Berichten. Wiederkehrende Dürren und Waldbrände gehören im Mittelmeerraum längst zum Alltag.
Gerade in einem Umfeld, das von grossen ökologischen Herausforderungen geprägt ist, sind fachliche Kompetenzen und starke Netzwerke entscheidend. Sie geben Orientierung, ermöglichen Zusammenarbeit und helfen dabei, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Lösungen zu entwickeln. So ist auch das immer grösser werdende Netzwerk an Agroforst-Forschenden für Laura eine entscheidende Kraft- und Inspirationsquelle.
«Trotz Klimakrise und einer zunehmend polarisierten Welt lasse ich mich nicht davon abbringen, unsere Ideen für eine nachhaltige Zukunft in die Tat umzusetzen.»
Was sie zukünftigen Studierenden mitgeben möchte
Mit etwas Abstand blickt sie auch kritisch auf den eigenen Bildungsweg zurück. Wer sich für nachhaltige Landwirtschaft interessiert, profitiere davon, bereits vor dem Studium praktische Erfahrungen zu sammeln. Viele theoretische Inhalte liessen sich dadurch besser einordnen. Mindestens ebenso wichtig sei jedoch etwas anderes: Menschen kennenzulernen und sich zu vernetzen.
«Vernetzt euch – nicht nur beruflich. Freundschaften sowie solidarische Netzwerke tragen auch dann, wenn die Herausforderungen grösser werden.»
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die von ihrer Studienzeit geblieben ist: Fachwissen eröffnet Möglichkeiten. Doch auch die Menschen, denen man unterwegs begegnet, entscheiden oft darüber, wohin der Weg tatsächlich führt. Und manchmal beginnt dieser Weg mit einem Workshop auf der anderen Seite der Welt.
Redaktion: Andrea van der Elst
