Fischzucht, Kreislaufsysteme und nachhaltige Lebensmittelproduktion: Moderne Aquakultur wird weltweit immer wichtiger. Wie gross das Potenzial von Aquaponik und Aquakultur sein kann, zeigt die Geschichte zweier Gastforscherinnen aus Kenia, die an der ZHAW Wissen für ihre Gemeinschaften sammeln.
Für sechs Monate tauschten die beiden kenianischen Ordensschwestern Monica Omondi und Rose Ochier ihre Heimat gegen Labore und Gewächshäuser in Wädenswil am ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR). Ihr Ziel: Wissen in Aquakultur, Aquaponik und Hydroponik zu vertiefen, um nachhaltige Ernährungssysteme in ihrer Heimat mitzugestalten.
«Ich bin hier an der ZHAW, um meine Ausbildung in Aquakultur- und Aquaponik-Systemen zu vertiefen und mit Fischen sowie erdlosen Kulturen für eine nachhaltige Landwirtschaft zu arbeiten, damit ich nach meiner Rückkehr nach Kenia die Gemeinschaften mit diesem Wissen positiv beeinflussen kann», sagt Rose Ochier im Podcast «Natürlich» des Departements Life Sciences und Facility Management der ZHAW.
Die Podcast-Folge erzählt nicht nur von Forschung und nachhaltiger Landwirtschaft, sondern auch von gesellschaftlichen Herausforderungen, Bildung und der Frage, wie Wissen Menschen neue Perspektiven eröffnen kann.
Aquakultur als Teil nachhaltiger Ernährungssysteme
Aquakultur umfasst die kontrollierte Haltung und Zucht von Fischen und anderen Wasserorganismen. Gerade moderne Kreislaufsysteme gewinnen weltweit an Bedeutung, da sie Wasser effizient nutzen und eine ressourcenschonende Produktion ermöglichen.
Eine besondere Form davon ist die Aquaponik. Sie verbindet Aquakultur mit Hydroponik – also bodenunabhängigem Pflanzenbau – in einem geschlossenen Kreislaufsystem. Die Nährstoffe aus der Fischhaltung versorgen die Pflanzen, während diese gleichzeitig zur Reinigung des Wassers beitragen.
Solche Systeme gelten als vielversprechend für urbane Räume und Regionen mit begrenzten Ressourcen. Denn sie ermöglichen Lebensmittelproduktion auf kleiner Fläche und mit vergleichsweise geringem Wasserverbrauch.

Komplexes Zusammenspiel von Biologie, Technik und Wasserqualität
Was einfach klingt, ist in der Praxis hochkomplex. Wasserqualität, Sauerstoffgehalt, Temperatur, pH-Wert, Fischgesundheit und Pflanzenwachstum beeinflussen sich gegenseitig. Bereits kleine Veränderungen können das gesamte System aus dem Gleichgewicht bringen.
Während ihres Aufenthalts an der ZHAW arbeiteten Monica Omondi und Rose Ochier mit modernen Aquaponik- und Hydroponikanlagen und vertieften ihr Wissen über nachhaltige Kreislaufsysteme. Besonders eindrücklich war für sie die Erkenntnis, wie wichtig wissenschaftliche Grundlagen für erfolgreiche Produktion sind.
Rose Ochier schildert im Podcast etwa, wie Pflanzen trotz täglicher Pflege keine guten Erträge lieferten – bis sie verstand, welche Rolle Faktoren wie der pH-Wert für die Nährstoffaufnahme spielen.
Die Erfahrungen der beiden Forscherinnen zeigen: Erfolgreiche Aquakultur basiert nicht allein auf Technik, sondern auf biologischem Verständnis, präzisem Anlagenmanagement und kontinuierlichem Lernen.


Rose Ochier bei der Ernte von Bananen.
Monica Omondi bei der Kultivierung von Organismen.
Landwirtschaft als Chance statt als Strafe
Im Podcast sprechen Monica Omondi und Rose Ochier auch über gesellschaftliche Herausforderungen in Kenia. Landwirtschaft werde vielerorts noch immer mit Armut oder fehlender Bildung verbunden.
«Wenn ein Schüler einen Fehler gemacht hat, sagen sie ihm: ‚Geh und nimm ein Jembe und grabe, jäte Unkraut.‘ So wird die Landwirtschaft als Bestrafung wahrgenommen», erzählt Rose Ochier.
Gleichzeitig berichten die beiden Frauen von patriarchalen Strukturen, fehlendem Zugang zu Bildung und schwierigen Perspektiven insbesondere für junge Frauen.
Genau hier sehen sie das Potenzial nachhaltiger Aquakultur- und Kreislaufsysteme. Ihre Vision ist ein «Agricultural Hub» in Kenia, in dem Wissen über Aquaponik, nachhaltige Landwirtschaft und ressourcenschonende Lebensmittelproduktion vermittelt wird.
Besonders grosses Potenzial sehen sie in kompakten Systemen wie Aquaponik oder Vertical Farming – etwa in städtischen Slums oder dicht besiedelten Regionen. Dort könnten Witwen und alleinerziehende Mütter auf kleinstem Raum in alten Containern Gemüse anbauen und gleichzeitig Fische züchten.
Wissen weitergeben und Verantwortung übernehmen
Die Geschichte von Monica Omondi und Rose Ochier macht deutlich, dass Aquakultur weit mehr sein kann als reine Lebensmittelproduktion. Sie verbindet Forschung, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.
Mit der Weiterbildung «FBA Aquakultur» vermittelt die ZHAW Grundlagen für eine fachgerechte und tierwohlorientierte Fisch- und Krebstierhaltung – von Wasserqualität und Anlagenbetrieb bis hin zur Biologie der Tiere.
Denn nachhaltige Aquakultur funktioniert nur dort langfristig erfolgreich, wo technisches Verständnis, biologisches Wissen und verantwortungsvolles Handeln zusammenkommen.

