EU-Projekt CHEERS

Vom Brauereiabfall zum nachhaltigen Rohstoff

Industrienebenströme gelten in häufigen Fällen als Abfall. Dadurch werden Ressourcen nicht ganzheitlich genutzt. Im Green Deal der EU sollen solche Rohstoffe nicht in der Abfallbehandlung landen, sondern mit neuartigen Technologien neue Anwendung finden und dadurch die Kreislaufwirtschaft unterstützen. Zu den wenig genutzten Rohstoffen gehören auch Nebenprodukte aus der Bierproduktion.

Autor: Dimitri Chryssolouris
Wissenschaftlicher Assistent
Forschungsgruppe Ökobilanzierung

Jährlich fallen weltweit Millionen Tonnen von Brauereinebenprodukten an, darunter insbesondere Treber. Bisher wird dieser meist als Tierfutter genutzt oder entsorgt, wodurch ein wertvoller Rohstoff verlorengeht. Genau hier setzt das EU-Projekt CHEERS an. Das Ziel besteht darin, aus Biernebenprodukten hochwertige Produkte zu gewinnen und somit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie zu leisten. Das hilft dabei, die Klimaziele zu erreichen und die Wirtschaft in Europa zu stärken.

Ökologische Vorteile neuer Produktentwicklungen

Im Rahmen dieses Projekts werden fünf innovative Produkte entwickelt: Insektenprotein, Chlor für Reinigungsmittel, Fettsäuren und Peptide als Lebensmittelzusatz sowie Ectoine für kosmetische Anwendungen. Die Forschungsgruppe Ökobilanzierung untersucht die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen dieser Produkte mithilfe der ganzheitlichen Life Cycle Sustainability Assessment (LCSA) Methode. Dabei werden die CHEERS-Produkte direkt mit bestehenden Referenzprodukten, etwa Insektenprotein mit Protein aus Erbsen oder Molkenprotein, verglichen.

Dimitri Chryssolouris präsentiert die ersten Ergebnisse des CHEERS Projektes an der Life Cycle Management Konferenz 2025 in Palermo.

Die Ergebnisse zeigen, dass Insektenprotein aus Brauereinebenströmen einen deutlich geringeren Umwelt-Fussabdruck, insbesondere in der Kategorie Treibhausgasemissionen nach IPCC aufweisen kann als Molkenprotein, welches zu den beliebtesten und kostengünstigsten Nahrungsergänzungsmitteln zur Proteinanreicherung gehört. Während die Produktion von Molkenprotein erhebliche landwirtschaftliche Ressourcen erfordert, nutzt CHEERS Abfallströme als Ausgangspunkt und spart dadurch Primärressourcen. Allerdings kann das Insektenprotein aus ökologischer Sicht nicht mit der pflanzlichen Alternative, Erbsenprotein, konkurrieren.

Bild: Relativer Vergleich der Treibhausgasemissionen von 1 kg Insektenprotein zu Molken und Erbenprotein nach der IPCC (2021) Wirkungsabschätzungsmethode. Die Emissionen des Biers basieren auf der Menge
von Bier, die produziert werden müssen, um den Biertreber für die Fütterung der Insekten bereitzustellen. Da der Biertreber normalerweise
als Tierfutterzusatz genutzt wird, muss beim Insektenprotein Sojafutter als Substitutionsprodukt dazugezählt werden.

Biernebenprodukte sind nicht nur ökologisch wertvoll

Auch die wirtschaftliche Sicht ist vielversprechend: Es ist anzunehmen, dass die CHEERS-Produkte bei steigender Produktionsmenge preislich konkurrenzfähig werden, insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen, klimafreundlichen Produkten. Die Bewertung der sozialen Dimension stellt im Projekt eine besondere Herausforderung dar. Da es sich um zukünftige Wertschöpfungsketten handelt, sind viele Daten noch nicht verfügbar. Dies erfordert gewisse Annahmen und erhöht die Unsicherheit. Im Weiteren ist die Akzeptanz von entscheidender Relevanz für einen Markterfolg, da sowohl Verbraucher:innen als auch die Industrie die Bereitschaft aufbringen müssen, neuartige Produkte zu akzeptieren.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert