Wie bringt man mehr Biodiversität und weniger Hitze in eine Stadt? Noah Mulheim arbeitet täglich an genau dieser Herausforderung – zwischen Stadtbäumen, Dachbegrünungen und urbanen Lebensräumen. Heute gestaltet er bei Grün Stadt Zürich die grüne Zukunft der Stadt mit.

Noah Mulheim
Umweltingenieur mit Vertiefung Urbane Ökosysteme
ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
Studienbeginn 2020
Projektleiter Stadtgrün/Naturberatung, Grün Stadt Zürich
Der berufliche Weg von Noah Mulheim führte ihn vom Zierpflanzengärtner in die Zukunft der klimaangepassten Stadtentwicklung. Nach seiner Lehre als Gärtner EFZ mit Berufsmatura und erster Berufserfahrung absolvierte er den Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen an der ZHAW in Wädenswil. Heute arbeitet er bei Grün Stadt Zürich als Projektleiter Stadtgrün/Naturberatung und trägt dazu bei, die Stadt biodiverser und hitzeresistenter zu gestalten.
Berufseinstieg in der Stadtökologie
Als Noah nach seinem Bachelor-Auslandssemester aus Berlin zurückkehrte, wusste er bereits ziemlich genau, wohin ihn sein beruflicher Weg führen sollte: weg von der Theorie, hin zur praktischen Gestaltung klimaangepasster Städte. Während er auf die Rückmeldung zu seiner Bewerbung bei Grün Stadt Zürich wartete, reiste er für einen Monat nach Asien. Nach den Vorstellungsgesprächen kam schliesslich die Zusage.
Heute arbeitet er im 80%-Pensum für das Förderprogramm Stadtgrün mitten an der Schnittstelle zwischen Ökologie, Beratung und konkreter Umsetzung. Ziel des Programms ist es, private Eigentümerinnen und Eigentümer in Zürich bei Begrünungsprojekten fachlich und finanziell zu unterstützen. Im Fokus stehen Biodiversität, klimaangepasste Gestaltung und die Reduktion von Hitzeinseln im urbanen Raum.
Stadtgrün in der Praxis: Beratung, Prüfung, Wirkung
Kein Tag gleicht dem anderen: Noah prüft Fördergesuche, analysiert Pläne, Pflanzenlisten und Offerten und beurteilt, ob Projekte einen wirksamen Beitrag zur ökologischen Aufwertung leisten. Gleichzeitig berät er Eigentümerschaften direkt vor Ort und zeigt Potenziale für Begrünungen, Entsiegelungen oder Baumpflanzungen auf.
Dabei geht es darum, ökologische und bauliche Zusammenhänge gleichzeitig zu verstehen und daraus fundierte Empfehlungen abzuleiten.
Zum Förderprogramm gehören unter anderem ökologische Aufwertungen im Aussenraum, Dach- und Vertikalbegrünungen, Baumerhalt sowie Entsiegelungsmassnahmen. Ergänzt wird die fachliche Arbeit durch Öffentlichkeitsarbeit: Führungen, Vorträge und Veranstaltungen sensibilisieren die Bevölkerung für die Bedeutung von Stadtgrün und Biodiversität.

Studium mit starkem Praxisbezug
Rückblickend beschreibt Noah das Bachelorstudium in Umweltingenieurwesen am ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen als ideale Grundlage für seine heutige Tätigkeit. Besonders prägend waren die Vertiefung Urbane Ökosysteme sowie der Minor Arten und Biodiversität. Viele Inhalte aus der Vertiefung entsprechen nahezu eins zu eins den Aufgaben, mit denen er heute täglich arbeitet.
«Das Studium bot mir die Chance, mich nach meinen Interessen so zu vertiefen, dass ich mich heute als Spezialist für Umwelt und Biodiversität bezeichnen darf.»
Die Kombination aus naturwissenschaftlichen Grundlagen, praxisnahen Modulen und individuellen Vertiefungsmöglichkeiten habe ihn optimal auf die Berufswelt vorbereitet. Besonders wichtig waren für ihn Fächer wie Biodiversität im Siedlungsraum, Gehölze im urbanen Raum oder Lebensräume der Schweiz.
Fundierte Ausbildung mit individueller Vertiefung
Auch die Grundlagenfächer leisteten einen entscheidenden Beitrag: Chemie, Geologie, Klimatologie oder Mikrobiologie helfen ihm bis heute, komplexe ökologische Zusammenhänge richtig einzuordnen.
Neben dem Fachwissen spielten Projektmanagement sowie Projekt- und Gruppenarbeiten eine zentrale Rolle. Sie ermöglichten ihm, eigenständig Wissen aufzubauen, wissenschaftlich zu argumentieren und sich intensiv mit konkreten Fragestellungen auseinanderzusetzen.
Besonders prägend war seine Bachelorarbeit zum Thema «Schwammstadt-Bausteine in Zürich am Beispiel eines Strassenbaums». Dabei setzte er sich intensiv mit der Frage auseinander, wie Städte mit Hitze, Starkregen und versiegelten Flächen umgehen können und welche Rolle Stadtbäume dabei spielen. Dieses vertiefte Fachwissen gibt ihm heute Sicherheit in Beratungen, Diskussionen und fachlichen Entscheidungen.
Spezialisierung als Erfolgsfaktor
Schon während des Studiums merkte Noah, dass ihn ein Thema besonders faszinierte: der Stadtbaum.
«Ab dem fünften Semester habe ich gezielt Fächer gewählt und Arbeiten geschrieben, die zu diesem Thema passten.»
Auch sein Auslandssemester in Berlin nutzte er, um sein Wissen in diesem Bereich gezielt auszubauen. Rückblickend sieht er genau darin einen entscheidenden Vorteil.
«Die Spezialisierung hat mir geholfen, ein klares fachliches Profil aufzubauen und mich gezielt für meinen heutigen Beruf zu qualifizieren.»
Seine Empfehlung an Studierende: Die Freiheiten des Studiums aktiv nutzen, eigene Interessen verfolgen und früh beginnen, ein individuelles Profil aufzubauen.
Lernen endet nicht mit dem Abschluss
Trotz der starken fachlichen Grundlage brachte der Berufseinstieg neue Herausforderungen mit sich. Besonders im Bereich Landschaftsbau, bei Kostenfragen oder der praktischen Umsetzung von naturnahen Begrünungsmassnahmen musste er sein Wissen weiter vertiefen.
Im Berufsalltag gehe es darum, ökologische Prinzipien an reale Rahmenbedingungen anzupassen. Vieles lernte er direkt im Arbeitsalltag: draussen bei Begehungen, in Gesprächen mit Eigentümerschaften oder im Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen.
Aktuell absolviert er berufsbegleitend die Weiterbildung Fachperson Biodiversität. Diese vertieft insbesondere die praktische Umsetzung und Kommunikation von Biodiversitätsprojekten.

Mit Fachwissen die Stadt von morgen gestalten
Was ihn an seiner Arbeit besonders motiviert, ist die direkte Wirkung seiner Projekte. Seine Tätigkeit verbindet fachliche Prüfung, Beratung, Wissensvermittlung und Kommunikation. Gleichzeitig kann er aktiv dazu beitragen, die Stadt klimaangepasster und biodiverser zu gestalten.
Für ihn ist klar: Die Themen Umwelt, Biodiversität und Hitzeminderung entwickeln sich laufend weiter – genauso wie die Anforderungen an Fachpersonen.
«Mein Arbeitsalltag bietet mir täglich neue Möglichkeiten, dazuzulernen und mich weiterzuentwickeln.»
Das Studium an der ZHAW habe ihm dafür nicht nur das nötige Fachwissen vermittelt, sondern auch die Freiheit gegeben, eigene Interessen zu vertiefen und daraus einen klaren beruflichen Weg zu formen.
«Die Kombination aus breitem Grundlagenwissen und individueller Vertiefung war für mich der Schlüssel. Sie hat mir ermöglicht, heute genau in dem Bereich zu arbeiten, für den ich brenne.»
Redaktion: Andrea van der Elst, ZHAW-IUNR
