Wie entstehen globale, nachhaltige Lösungen für die Lebensmittelproduktion von morgen? Das EU-Projekt INCiTiS-FOOD zeigt, dass Innovation dort entsteht, wo Wissen geteilt, lokale Herausforderungen verstanden und gemeinsam neue Wege entwickelt werden. Als Projektpartner bringt die Forschungsgruppe Aquakultur Systeme des IUNR ihre Expertise in Fisch- und Pflanzenproduktion ein und unterstützt den Aufbau von Living Labs in Afrika.
Gemeinsam Lösungen für Ernährungssicherheit entwickeln
Seit dem Start des EU-Forschungs- und Innovationsprojekts INCiTiS-FOOD im Jahr 2023 ist die Forschungsgruppe Aquakultur Systeme des IUNR Projektpartner. Das Projekt verbindet Partner aus Europa und Afrika mit dem Ziel, nachhaltige Lösungen für Ernährungssicherheit, Kreislaufwirtschaft und lokale Wertschöpfung zu entwickeln.
Im Zentrum von INCiTiS-FOOD stehen lokale Living Labs. In diesen praxisnahen Innovationszentren arbeiten Forschungseinrichtungen mit lokalen Akteuren und der breiten Öffentlichkeit zusammen, um neue Ansätze zu entwickeln, zu testen und an die jeweiligen regionalen Bedingungen anzupassen.
Das Schwerpunkt des Projekts liegt auf Kreislauftechnologien wie Aquaponik, rezirkulierende Aquakultursysteme (RAS) und hydroponic. In Aquaponik werden Fisch- und Pflanzenproduktion in einem geschlossenen Kreislauf kombiniert: Die Ausscheidungen der Fische liefern Nährstoffe für die Pflanzen, während Mikroorganismen das Wasser so aufbereiten, dass es wieder zurück zu den Fischen geführt werden kann. Dadurch werden Wasser und Nährstoffe effizient genutzt.
Wissen weitergeben – und voneinander lernen
Im Rahmen von INCiTiS-FOOD (https://www.zhaw.ch/de/forschung/projekt/73874) durfte unser Team vier Partnerländer besuchen: Kenia, Ghana, Gabun und Nigeria. An den jeweiligen Partneruniversitäten führten wir zweiwöchige Workshops zu Aquaponik und den damit verwandten Themen durch.
Die Workshops richteten sich an die zukünftigen Living Lab Leaders. Ziel war es, sie auf ihre Rolle vorzubereiten und ihnen das notwendige Wissen für den Aufbau und Betrieb ihrer Living Labs zu vermitteln. Neben theoretischen Grundlagen standen praktische Übungen sowie die gemeinsame Diskussion lokaler Herausforderungen und möglicher Lösungsansätze im Mittelpunkt.

Dabei war der Austausch keine Einbahnstrasse. Die Begegnungen mit Forschenden, Studierenden und Praxispartnern ermöglichten auch uns wertvolle Einblicke in lokale Begebenheiten und Perspektiven. Sie zeigten, dass nachhaltige Lösungen nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden können.
Einen Einblick in gibt unser Video zu INCiTiS-FOOD und unseren Erfahrungen in Afrika:



Internationale Zusammenarbeit braucht Verständigung
Besonders eindrücklich war unser Aufenthalt in Gabun. Dort führten wir die Workshops zweisprachig durch: Die Inhalte wurden auf Englisch vermittelt und direkt von unserem Team ins Französische übersetzt.
Diese Erfahrung zeigte, dass erfolgreiche internationale Zusammenarbeit nicht nur fachliches Wissen erfordert. Sprache, kulturelles Verständnis und gegenseitiger Respekt sind entscheidend, um Wissen nachhaltig weiterzugeben und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Zwischen Forschung, Begegnungen und unerwarteten Momenten
Neben den fachlichen Inhalten prägten auch persönliche Erfahrungen unsere Reisen. Jeder Aufenthalt brachte neue Begegnungen und Herausforderungen mit sich – von Kakerlaken im Zimmer bis hin zu kulinarischen Entdeckungen wie Python auf dem Teller.
Gerade diese Erlebnisse machten die Reisen besonders wertvoll. Internationale Projekte bestehen nicht nur aus wissenschaftlichem Austausch, sondern auch aus den Menschen, Geschichten und Erfahrungen, die hinter der Zusammenarbeit stehen.

Wissen bleibt nicht vor Ort – es reist weiter
Ein weiteres Highlight im Rahmen von INCiTiS-FOOD war der sechsmonatige Aufenthalt von zwei Schwestern aus Kenia an der ZHAW. Rose und Monica sind am Living Lab der Egerton University beteiligt und erhielten während ihres Praktikums am Campus Grüental vertiefte Einblicke in Fischzucht, Pflanzenproduktion und Kreislaufsysteme. Der Aufenthalt wurde durch Beiträge der Jurt Stiftung Schweiz, der Conrad N. Hilton Foundation, sowie des Dicastero per il Servizio dello Sviluppo Umano Integrale Vatican ermöglicht.
Der Austausch war nicht nur für Rose und Monika wertvoll, sondern bereicherte auch unsere eigene Arbeit durch neue Perspektiven und Erfahrungen aus einem anderen Kontext. Unser bereits veröffentlichter Blogbeitrag gibt einen ausführlicheren Einblick in ihren Aufenthalt an der ZHAW, die Bedeutung des Wissenstransfers zwischen Wädenswil und Kenia und enthält auch den Podcast, in dem die beiden über ihre Erfahrungen und ihre Arbeit im Living Lab erzählen: https://blog.zhaw.ch/natuerlich/2026/04/20/von-waedenswil-nach-kenia-wie-aquakultur-und-kreislaufsysteme-neue-perspektiven-schaffen/
Kontakt
Nathalie Pfister, Text- und Videoproduktion
Wissenschaftliche Assistentin in der Forschungsgruppe Aquakultursysteme, ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
Dr. Zala Schmautz & em. Prof. Dr. Ranka Junge, Forschungsgruppe Aquakultursysteme