Kakaoanbau und Verarbeitung

Auf den Spuren des braunen Goldes der Karibik – Ökobilanz von Bio-Kakao aus der Dominikanischen Republik

Wie nachhaltig ist Bio-Kakao wirklich? Auf einer Kakaoplantage in der Dominikanischen Republik begibt sich Silvan Wanner auf die Spuren des «braunen Goldes» und untersucht erstmals die Ökobilanz von Bio-Kakao aus dem Karibikstaat. Seine Masterarbeit zeigt, wo die grössten Umweltbelastungen entstehen, welche Rolle Agroforstsysteme spielen – und warum Landnutzung und Biodiversität entscheidend für die Zukunft nachhaltiger Schokolade sind. Ein Einblick in eine faszinierende Reise zwischen Kakaobäumen, Klimaschutz und Artenvielfalt.

Silvan Wanner
Wissenschaftlicher Assistent Ökobilanzierung
Absolvent Master Umwelt und Natürliche Ressourcen mit Schwerpunkt Agrarökologie und Ernährungssysteme
ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
Studienbeginn 2020

Don Juan, ein kleines Dorf in der Dominikanischen Republik. Bei 32 Grad und über 90 % Luftfeuchtigkeit liefen wir über die Plantage von Gregorio, vorbei an Bananenstauden, Avocado-, Orangen- und vielen Kakaobäumen. Er hatte sich als einer von rund 50 Kakaoproduzenten bereit erklärt, mir für meine Masterarbeit Rede und Antwort zu stehen. In Zusammenarbeit mit der Pronatec AG hatte ich die Möglichkeit, die erste Ökobilanz zu Bio-Kakao in der Dominikanischen Republik überhaupt zu erstellen. Der Besuch der Plantagen sowie die Bekanntschaften mit den Produzenten ermöglichten mir einen wertvollen Einblick in die Welt des Kakaos.

Begehrter Rohstoff

Die weltweite Nachfrage nach Kakao steigt: In den letzten 20 Jahren hat sich die Produktion auf rund 5 Millionen Tonnen pro Jahr fast verdoppelt. Der grösste Teil davon wird mit konventionellen Methoden in Monokulturen erzeugt. Das steigende Umweltbewusstsein erhöht den Bedarf an nachhaltig produzierten Lebensmitteln: Mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 9.5 % zwischen 2021 und 2026 auf insgesamt 130 000 Tonnen Jahresproduktion gewinnt biologisch produzierter Kakao langsam, aber stetig mehr Anteile am Weltmarkt. Die Dominikanische Republik ist weltweit das grösste Produktionsland von Bio-Kakao. Ein Grossteil davon wird in Agroforstsystemen angebaut.

Austausch zwischen Jephte Jocelyn (links) und Silvan Wanner (rechts) im Verarbeitungscenter von
Yamasa (DR). Bild: Nicolas Merky

Problematik des Anbaus

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Kakaos, vom Anbau über die Ernte bis zur Weiterverarbeitung und den Transport, entstehen Emissionen. Niedrige Erträge führen zu einem hohen Flächenbedarf, der bei der Pflanzung oft auf Kosten der verbleibenden einheimischen Wälder ging. Die Abholzung solcher Biodiversitäts-Hotspots führt zu einem hohen potenziellen Artenverlust und hohen Treibhausgasemissionen. Mit ihrem grossen Anteil
endemischer Tier- und Pflanzenarten sowie kleiner, fragmentierter Lebensräume ist die Dominikanische Republik besonders gefährdet. Angesichts des Rückgangs der Wildtierpopulationen von bis zu 94 % in den lateinamerikanischen Ländern ist der Erhalt
der verbleibenden Arten von grosser Bedeutung. Die genannten Probleme drängen auf nachhaltige Anbaumethoden, die höhere Erträge und Einkommen für die Produzenten bei möglichst geringer Belastung der Umwelt ermöglichen. Ein Teil der Lösung könnten Agroforstsysteme sein, die langfristig höhere Erträge und ein diversifiziertes Einkommen
ermöglichen.

Umweltauswirkungen von Kakao

Zurück in der Schweiz ging es an die Auswertung der Daten und ans Schreiben der Masterarbeit. Ich untersuchte sämtliche Prozesse vom Anbau über den Transport, die Fermentierung, die Trocknung und die Verpackung bis hin zum Überseetransport nach Europa. Die Produktion von 1 kg getrocknetem Bio-Kakao aus der Dominikanischen Republik führt zu durchschnittlichen Treibhausgasemissionen von 2.8 kg CO2-eq. Dabei hat die Landnutzungsänderung, also beispielsweise das Roden von Wäldern für den Kakao-Anbau in der Vergangenheit, einen Anteil von 89 %. Emissionen durch den Transport tragen 7 % zur Klimabelastung von Kakao bei. Verpackung und die Infrastruktur sowie der Gasverbrauch für die Trocknung des Kakaos haben nur einen geringen Anteil an den Emissionen.

Gewichtetes durchschnittliches Treibhauspotenzial (CO2-eq) von getrocknetem Bio-Kakao aus der Dominikanischen Republik, aufgeteilt in die drei Regionen Medina, Yamasa, Navarrete sowie der Durchschnitt gemäss der Methode IPCC (2021). Grafik: Silvan Wanner

Grosse regionale Unterschiede

Da ich die Datenerhebung in drei verschiedenen Regionen machte (Medina, Yamasa und Navarrete), wollte ich auch untersuchen, ob es bei den Umweltauswirkungen regionale Unterschiede gibt. Im Vergleich zu den durchschnittlichen Emissionen hat Kakao aus den Regionen Medina und Yamasa um 89 % niedrigere Treibhausgasemissionen (0.33 und
0.30 kg CO2-eq), wobei der Transport mit bis zu 67 % den grössten Anteil ausmacht, gefolgt von der Gastrocknung mit einem Anteil von bis zu 23 %. Kakao aus der Region Navarrete hat um 54 % höhere Emissionen, wobei Emissionen im Zusammenhang mit Landnutzungsänderung das Ergebnis dominieren (93 %). Resultate aus anderen Studien und Anbaugebieten variieren zwischen 0.32 kg CO2 und 40.9 kg CO2, womit die Umweltauswirkungen der von mir untersuchten Regionen im unteren Bereich liegen.

Gefährdete endemische Tierwelt

Im Vergleich zu Kakao aus anderen Produktionsländern ist der potenzielle Artenverlust von Kakao aus der Dominikanischen Republik um den Faktor 2 bis 18 höher. Hauptgründe dafür sind die hohe Empfindlichkeit gegenüber Störungen, der hohe Anteil endemischer Arten bei den Pflanzen in der Dominikanischen Republik (82 %) sowie die eher geringen Erträge, die zu einem höheren Bedarf an Landfläche führen. Kakao aus der Elfenbeinküste führt mit einem um 95 % niedrigeren Wert zum geringsten potenziellen Artenverlust innerhalb der verglichenen Länder.

Fazit und Ausblick

Weltweit stehen Kakao- und insbesondere Schokoladenproduzenten vor grossen Herausforderungen, die jetzt und in den kommenden Jahren angegangen werden müssen, um die Klimakrise und das fortschreitende Artensterben zu bewältigen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Landnutzung der entscheidende Faktor für die Umweltauswirkungen ist und die grösste Hebelwirkung hat. Einige wenige Anbauflächen mit einem hohen Anteil an gerodeter Waldfläche dominieren das Ergebnis. Um die Treibhausgasemissionen insgesamt zu verringern, ist es zentral, dass eine Ausweitung der Kakaokulturen keine weiteren Waldflächen, insbesondere keine Primärwälder, gefährdet. Darüber hinaus können die Verjüngung von Plantagen, die Anpflanzung ertragreicherer Sorten und eine verbesserte Betriebsführung die Erträge steigern. Höhere Erträge reduzieren den Flächenverbrauch und die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt erheblich. Das Anpflanzen verschiedener Arten von Schattenbäumen wirkt sich ebenfalls positiv auf die Biodiversität aus und erhöht die Resilienz gegenüber dem Klimawandel. Letztlich müssen wir als Konsumierende bereit sein, mehr für nachhaltig produzierte Bio-Schokolade zu bezahlen und diese als Luxusgut zu geniessen und zu schätzen wissen.

Weitere Informationen

Masterarbeit «Life cycle assessment and biodiversity impact assessment of organic cocoa from the Dominican Republic»


Banner mit der Verlinkung zum ZHAW Master Umwelt und Natürliche Ressourcen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert