Wie sieht die Hochschule der Zukunft aus? – Flexibel, hybrid und zugleich ein Ort für echten Austausch. Das zeigte die grosse ZHAW-Studierendenumfrage 2024, an der über 1’500 Studierende und Weiterbildungsteilnehmende teilgenommen haben. Diese Erkenntnisse sind nun in das überarbeitete Framework Educational Design für Dozierende und Modulverantwortliche der ZHAW miteingeflossen. Dieses soll in Zeiten von disruptiven Bildungsentwicklungen Orientierung über Haltung und Selbstverständnis der ZHAW geben.
Ein Beitrag von Franziska Hirt
Campus trifft Cloud: Wie ZHAW-Studierende lernen möchten
Die Ergebnisse der Umfrage zur Hochschulbildung der Zukunft bieten einen guten Überblick über die Bedürfnisse der ZHAW-Studierenden und -Weiterbildungsteilnehmenden (im Weiteren als «Studierende» zusammengefasst). Zu bedenken bleibt die leider geringe Rücklaufquote.
Im Folgenden werden 6 zentrale Erkenntnisse präsentiert.
1. Die goldene Mischung: rund 60% flexibel, 40% vor Ort
- Im Durchschnitt wünschen sich die Studierenden rund 60% der Lernzeit synchron (zeitgleich/live) – davon rund zwei Drittel onsite (vor Ort auf dem Campus) und ein Drittel remote («online»).
- In Bezug auf Flexibilität ergibt dies rund 60% der Lernzeit ortsunabhängig und rund 40% der Lernzeit zeitlich unabhängig (unter der Annahme, dass die asynchrone Lernzeit remote stattfindet).

Mittelwert des gewünschten Anteils an Lernzeit Remote-Synchron, Onsite-Synchron und Asynchron in
der ZHAW-Studierendenbefragung 2024 (N = 1560)
Fazit: Die Studierenden stellen sich die zukünftige ZHAW als Blended University mit Präsenzfokus vor. Entsprechend dürfte der Unterricht noch digitaler/flexibler werden als im Status Quo.
2. Unterschiedliche Bedürfnisse – kein „One size fits all“
Die genannte Mischung basiert auf Durchschnittswerten. Die Umfrage ermöglicht aber einen Einblick, welche Studierendengruppen mehr oder weniger Flexibilität als der Durchschnitt wünschen, bspw.:
- Frauen wünschen sich deutlich mehr zeitlich flexible Lernphasen (54% vs. 36 % bei Männern) und einen höheren Anteil an Remote-Veranstaltungen (38% vs. 32% bei Männern).
- Bachelor-/Masterstudierende bevorzugen einen höheren Anteil an Remote-Veranstaltungen als Weiterbildungsteilnehmende (44% vs. 35%).
- Überraschend: Berufstätige und Betreuende wünschen NICHT mehr örtliche und zeitliche Flexibilisierung – sondern eher gegenteilig.
Fazit: Die ZHAW-Studierendenlandschaft ist vielfältig. Umso wichtiger ist es, dass Studienformate – in ihrer berechtigten Vielfalt – transparent kommuniziert werden. So können Studierende ihre Entscheidung bewusst auf ihre Bedürfnisse abstimmen.
3. Mehr Hybrid- und Remote-Anteile gewünscht
- Über zwei Drittel der Studierenden wünschen sich mehr Hybrid-Veranstaltungen und örtlich flexiblen Remote-Unterricht verglichen zum Status Quo.
- Zeitlich flexibles (asynchrones) Selbststudium wird ebenfalls stärker gefordert.
- Im Vergleich zur Dozierendenbefragung von 2023 fällt auf, dass beide Gruppen sich mehr örtlich und zeitlich flexible Formate wünschen, wobei die Studierenden insgesamt deutlich stärkere Anpassungen fordern – insbesondere beim Hybrid-Unterricht (siehe Grafik).

Reflexion: Unterschätzen Dozierende den Wunsch der Studierenden nach mehr Hybrid und Remote-Lernen oder gibt es Gründe dagegen, welche Studierende weniger gewichten als Dozierende (bspw. Aufwand, Didaktik)? àWir dürfen gespannt die Ergebnisse des TEF-Projekts zur Didaktik in Hybridsettings erwarten (siehe auch den Blogbeitrag dazu).
4. Pragmatische Gründe für Remote-Präferenz
Der Onsite-Unterricht wird besonders für den sozialen Austausch und den direkten Kontakt mit Dozierenden geschätzt, während Remote-Unterricht aufgrund der wegfallenden Anreisezeiten und erhöhter zeitlicher Flexibilität punktet.
Fazit: Es scheint für Studierende um ein Abwägen zwischen dem Bedürfnis nach direktem sozialem Austausch und der Vereinbarkeit mit den Alltagsverpflichtungen zu gehen – weniger um didaktische Überlegungen.
5. Hochschule als «Social Experience»
Trotz aller Flexibilitätswünsche: Studierende wollen soziale Begegnungen.
- 38% der Weiterbildungsteilnehmenden und 17% der Studierenden wünschen sich mehr Austauschgelegenheiten während der Lerneinheiten/Unterricht verglichen zum Status Quo.
- 29% der Weiterbildungsteilnehmenden und 21% der Studierenden wünschen sich mehr soziale Anlässe.
- Der informelle Austausch untereinander liegt unter den Top 4 der Gründe auf den Campus zu kommen (siehe Grafik unten).

Mittelwerte der Gründe auf den Campus zu kommen, Skala von (1) stimme gar nicht zu bis (5) stimme voll und ganz zu
Fazit: Der physische Campus bleibt wichtig – nicht nur zum Lernen, sondern auch als Ort für Gemeinschaft und Vernetzung.
6. Zeitgemässe Prüfungen sind digital
Im Vergleich zum Status Quo wünschen die Studierenden mehr digitale Prüfungsformate – weniger handschriftlich. Flexibilität in Bezug auf Ort und Zeit der Prüfungen spielt dabei allerdings eine untergeordnete Rolle.
Fazit: Digitale Prüfungen sollten ausgebaut werden – die ZHAW unterstützt Dozierende dabei (siehe bspw. hier).
Vielfalt an Bedürfnissen – im Framework Educational Design berücksichtigt
Studierende wünschen sich eine Hochschule, die hybride Lernformate mit echter sozialer Vernetzung verbindet. Die Vielfalt an Bedürfnissen lädt dazu ein, vielfältige, flexible Lernformate zu gestalten, die unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht werden. Klar kommunizierte Angebote, Wahlmöglichkeiten und Gelegenheiten für informellen Austausch sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren für eine zukunftsfähige, lebendige Hochschulbildung.
Das grundlegend überarbeitete Framework Educational Design berücksichtigt die Ergebnisse der Studierendenbefragung und gibt Dozierenden und Modulverantwortlichen Orientierung in Bezug auf didaktische/organisatorische Gestaltungsmöglichkeiten an der ZHAW.
| Das Framework Educational Design für Dozierende zielt auf eine sinnvolle Integration von physischem und digitalem Campus ab, wodurch flexibles, zukunftsfähiges Lernen für ZHAW-Studierende ermöglicht werden soll. So liefert es Anhaltspunkte zum Prozess des Educational Designs, zu Dimensionen von Lernsettings (Ort, Zeit und Interaktivität) und Formen von Leistungsnachweisen. Auch die Rolle von generativer KI im Educational Design darf natürlich nicht fehlen – sehen Sie selbst! |