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Do it yourself: Lernvideos produzieren

Ein Beitrag von Daniela Lozza und Giovanna Spielmann-Prada

Foto: Thomas William/Unsplash

Lehrpersonen erstellen immer häufiger selbständig Lernvideos und Tutorials, um den Studierenden Arbeitsabläufe oder den praktischen Umgang mit Anlagen zu erklären. Die Lernvideos dienen auch an der ZHAW Life Sciences und Facility Management als Vorbereitung für Praktika in den Laboren, den Produktionsanlagen, auf dem Feld oder in den Gärten. Sie werden auch gerne während der eigentlichen Tätigkeit als Nachschlagewerk oder Schritt-für-Schritt Anleitung genutzt. Manche Handgriffe und Arbeitsschritte können multimedial besser in einem Video demonstriert als auf Papier erklärt werden, vor allem, wenn es eine lineare Sequenzierung gibt.

Studierende schätzen diese Videos sehr, allerdings kann deren Erstellung zeitaufwändig und anspruchsvoll sein. In einem Digital Learning Projekt am Departement Life Sciences und Facility Management hat deshalb ein Team 2020 getestet, wie Lehrpersonen mit einfachen Mitteln effizient Lernvideos erstellen können.  Für das Projekt haben Mitarbeitende aus zwei Instituten zusammengearbeitet und Lernvideos für die einheitliche Vermittlung der Grundlagen Mikrobiologie in den drei Studiengängen Biotechnologie, Chemie und Lebensmitteltechnologie produziert.

Am Projekt beteiligt waren Giovanna Spielmann-Prada (Projektleitung), Susanne Miescher Schwenninger, Sandra Mischler, Andrea Tönz, Gottfried Dasen und Walter Krebs.

Vorbereitung ist die halbe Miete
Die Dozentin hat als Vorbereitung für den Dreh für jedes Video ein kurzes Drehbuch/Briefing erstellt, in dem folgende Punkte definiert wurden:

  • Lernziel
  • Materialliste
  • Schritt-für-Schritt Erklärung der korrekt demonstrierten Arbeitsmethode, wo nötig ergänzt mit Infos zu den häufigsten Fehlern.

Die Entdeckung der Langsamkeit
Für die Produktion musste das Filmteam im Labor gemäss eigenen Angaben die Langsamkeit neu erlernen. Denn als routinierte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen mussten Sandra Mischler und Andrea Tönz alle Händebewegungen langsam durchführen, damit die Studierenden die Techniken im Video gut sehen können. Obwohl die beiden die Abläufe und Arbeitsschritte der gezeigten Methoden in- und auswendig kannten, war es hilfreich, dass der Ablauf im Vorfeld Schritt-für-Schritt definiert worden war, so konnte das Filmen auch mal zwischendurch unterbrochen werden, ohne dass wichtige Details vergessen gingen.

Filmen mit Smartphone und Stativ
Gefilmt wurde mit einem Smartphone und einem sog. Gimbal-Stativ, welches Erschütterungen und Bewegungen ausbalanciert und im Labor – mit seinen engen Platzverhältnissen – mehr Bewegungsfreiheit erlaubt. Zusätzlich wurde die kostenlose App DJI GO genutzt, welche die Steuerung der Aufnahme via Smartphone erleichtert.

Dieses mobile Setting hat sich bewährt, weil die Handhabung auch für Video-Laien sehr einfach und selbsterklärend ist. Die Qualität der Aufnahmen mit neueren Smartphones ist mittlerweile sehr überzeugend. Das mobile Setting hatte aber noch einen andere Vorteil: Weil das Smartphone als Kamera immer griffbereit war, konnte das Team spontan entscheiden, ein Video zu drehen, wenn aufgrund einer regulären Arbeit im Labor gerade alle Materialien für den Dreh zur Verfügung standen.  

Die ZHAW in Wädenswil stellt Lehrpersonen Videoausrüstung zur Ausleihe zur Verfügung. Unter anderem stehen Beastgrip-Pro-Sets mit Mikrofon und Licht sowie Stative zur Verfügung. Alternativ sind auch semi-professionelle Videokameras mit drahtlosen Mikrofonen erhältlich. Neu werden aufgrund dieses Projektes auch Gimbal-Stative in das Sortiment aufgenommen. Dieses Material muss aber natürlich jeweils im Vorfeld reserviert werden und steht damit nicht allzeit griffbereit im Labor bereit.

Anleitungen ohne Ton
Nach der Produktion der ersten Prototypen wurden die Videos mit den Studierenden besprochen. Dabei zeigte sich, dass die Studierenden Videos ohne Ton bevorzugen. Das mag auf den ersten Blick überraschen, da es sich aber um Arbeitstechniken im Labor handelt, können sich die Studierenden dadurch ganz auf die visuell gezeigten Handgriffe konzentrieren, ohne sich vom Ton ablenken zu lassen. Es werden nur einige kurze schriftliche Informationen im Video gezeigt. Zudem ist der Ton im Labor eher störend, wenn alle Studierenden vor Ort das Video als Anleitung für ihre Praktika verwenden. Der Verzicht auf den Ton hat aber noch einen weiteren Vorteil, denn dadurch werden die Videos international nutzbar. Für den Einsatz bei unterschiedlichen fremdsprachigen Zielgruppen müssen nur noch die eingeblendeten Texte übersetzt werden.

Da der Ton weg viel, erübrigte sich auch die Frage nach einem Mikrofon. Für den mobilen Einsatz mit Smartphones können wir jedoch das Samson Go Mic Mobile empfehlen, diese können ebenfalls ausgeliehen werden.

Postproduktion mit Adobe Rush
Bearbeitet wurden die Aufnahmen mit Adobe Premiere Rush, ein Videoschnittprogramm, welches allen Lehrpersonen an der ZHAW zur Verfügung steht. Das Produktionsteam hat dazu eine Schulung für das Filmen mit dem Smartphone besucht, welches das Team Digital Education am Departement in Zusammenarbeit mit Judith Steiner durchgeführt hat. Mit diesem Grundlagenwissen war das Team gut für ihr Vorhaben gerüstet. Judith Steiners Video-Tutorials können wir allen Video-Interessierten sehr empfehlen.

Für die Nachbearbeitung hat das Team jeweils rund 30-60 Minuten pro Video benötigt. Die Einarbeitung in Adobe Premiere Rush gelingt rascher, als bei professionelleren Videoschnittprogramme wie Adobe Premiere Pro oder Final Cut (Mac), dafür bietet das Tool weniger Funktionen. iMovie eignet sich ebenfalls gut für einfache Schnitt- und Tonarbeiten, ist allerdings nur für Mac’s verfügbar. Beide Programme sind auch für Smartphones und Tablets verfügbar. Für eine einfache Nachbearbeitung der Videos kann auch Camtasia verwendet werden, welches den Lehrpersonen ebenfalls zur Verfügung steht. Allerdings ist das Arbeiten mit Videos rechenintensiv, wer öfters mit Videos arbeitet sollte sich daher ein Gerät mit mind. 16 GB, besser noch 32 GB Arbeitsspeicher zulegen.

Publikation via SwitchTube und Einbinden ins Moodle
Die Lernvideos werden auf dem akademischen Streaming-Dienst SwitchTube hochgeladen und anschliessend ins Moodle eingebettet. Leider bietet SwitchTube kein PlugIn für Moodle, so dass die Videos manuell via HTML-Code in Textelemente im Moodle eingebettet werden müssen.

Für Lernvideos, insbesondere Schritt-für-Schritt Videoanleitungen würden sich auf SwitchTube Kapitel eignen, damit Studierende jeweils direkt zum gewünschten Arbeitsschritt im Video springen können. Leider ist diese Funktion z.Z. noch nicht verfügbar. Alternativ kann ein Kanal auf SwitchCast direkt via PlugIn ins Moodle integriert werden, diese Variante ist allerdings weniger beliebt, weil nur ganze Kanäle und nicht einzelne Videos angezeigt werden können.

Sind Sie neugierig geworden? Im folgendem Demo-Video erhalten Sie einen Einblick in den 3-Ösen-Ausstrich:

Dieses Werk steht unter der Lizenz CC BY ND Giovanna Spielmann-Prada ZHAW, Life Sciences und Facility Management (Stand 08.06.2021)

Legende: Der Dreiösenausstrich ist ein in der Mikrobiologie eingesetzter Verdünnungsausstrich zur Isolierung einzelner Bakterienkolonien aus einer Suspension (Bakterienkolonie) mit unbekannter Bakterien-Zahl. Durch Übertragung einzelner Kolonien auf eine Agarplatte wird die Reinheitskontrolle eines Mikroorganismus (Bakterium, Hefen oder Schimmelpilz) ermöglicht.

Möchten Sie selber Lernvideos produzieren?
Im Moodle-Kurs https://moodle0.zhaw.ch/course/view.php?id=26318 (intern) finden Sie Anleitungen und Tipps

Auf der Collab (intern) können Mitarbeitende des Departements Life Sciences und Facility Management Video- und Audioausrüstung ausleihen.

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