Wie kann das digitale Handeln in der Hochschullandschaft unterstützt werden? Diese Frage stand im Zentrum eines Forschungsprojekts, das sich mit den Rahmenbedingungen und Herausforderungen digitaler Arbeitsweisen von Forscher:innen und Dozierende an Hochschulen auseinandersetzte. Die zentralen Erkenntnisse zeigen: Zum digital effektiven Handeln gehört neben digitaler Kompetenz auch Achtsamkeit im Umgang mit den digitalen Möglichkeiten.
Autorin: Carmen Koch
Wie eine Person im Arbeitsumfeld digital unterwegs ist, hängt nicht nur von den individuellen digitalen Kompetenzen ab. Digitale Performanz ist das Ergebnis eines vielschichtigen Zusammenspiels. Dies zeigen die Forschungsergebnisse von Carmen Koch, Fiona Fehlmann und Angelica Hüsser. Sie haben zwanzig Forschende und Lehrende der ZHAW in Leitfadengesprächen zu ihrer digitalen Performanz, den Anforderungen und Herausforderungen in der Arbeit mit digitalen Tools sowie den Chancen, die sie darin sehen, befragt. Die Studie wurde durch einen Fellowship von ZHAW digital, einer strategischen Initiative der ZHAW, unterstützt.
Die Faktoren der digitalen Performanz

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass zum einen die Offenheit gegenüber digitalen Entwicklungen eine zentrale Rolle spielt – also die Bereitschaft, sich auf digitale Veränderungen einzulassen. Dazu gehört auch, welche Chancen wahrgenommen werden und welche Ängste bestehen. Ebenso wichtig ist die digitale Kultur. Sie wird geprägt durch den Grad der digitalen Transformation innerhalb eines Teams oder einer Organisation, vorhandene Kompetenzen, gemeinsame Haltungen, Kollaboration, Leadership, Wertschätzung und Impulse. Darüber hinaus sind die strukturellen Rahmenbedingungen entscheidend. Diese umfassen technische und administrative Voraussetzungen, wie verfügbare Software, Hardware, Ressourcen und organisatorische Vorgaben. Nicht zuletzt tragen Unterstützungsangebote, Anlaufstellen und gezielte Massnahmen, also Services & Empowerment, zur Befähigung der Mitarbeitenden dazu bei, digitale Performanz zu fördern. Digitale Performanz
Herausforderungen in der digitalen Arbeitswelt
Viele Mitarbeitende sind grundsätzlich bereit, digitale Tools zu nutzen und bringen auch die notwendigen Anwenderkompetenzen mit. Doch Zeitdruck und eingefahrene Routinen lassen oft wenig Spielraum, um neue digitale Arbeitsweisen auszuprobieren. Die Herausforderung liegt also nicht nur darin, digitale Werkzeuge zu beherrschen, sondern auch darin, Strukturen zu schaffen, die digitale Innovation ermöglichen und unterstützen. Besonders in der Lehre und Forschung kann dieser Balanceakt anspruchsvoll sein, da bewährte Methoden häufig bevorzugt werden, um Risiken und potenzielle Störungen zu minimieren.
Ein weiteres Hindernis zeigt sich in der Zusammenarbeit mit externen Partner:innen, seien es andere Hochschulen oder Praxispartner:innen. Unterschiedliche Vorgaben bezüglich Plattformen, Kommunikationswege und Datenschutzrichtlinien erschweren die Etablierung einer einheitlichen digitalen Arbeitsweise. Dies führt dazu, dass digitale Potenziale nicht vollständig ausgeschöpft werden.
Vorreiter:innen als Inspiration
Welche digitale Kultur in Teams gelebt wird, beeinflusst auch die individuelle Arbeitsweise der einzelnen Teammitglieder. So orientiert man sich in der digitalen Zusammenarbeit in vielen Teams an jenen, die die geringsten digitalen Kompetenzen und die geringste Offenheit digitalen Möglichkeiten gegenüber mitbringen. Gleichzeitig zeigt sich, wie wertvoll digitale Vorreiter:innen sind:
- Sie senken Hemmschwellen,
- inspirieren ihr Umfeld
- und helfen, neue digitale Möglichkeiten zu erschliessen.
Auch die Rolle von Führungskräften ist entscheidend. Wenn sie digitale Tools aktiv nutzen, schaffen sie eine Kultur der Offenheit und des Experimentierens.
Praxisnahe Unterstützung verbessert digitale Performanz
Eine unterstützende digitale Kultur fördert nicht nur den Umgang mit digitalen Technologien, sondern auch die Bereitschaft, Routinen zu hinterfragen und neue Arbeitsweisen auszuprobieren. Die Befragten betonten die Bedeutung einer offenen Atmosphäre, in der Teammitglieder voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen können. Hier sind nicht nur Schulungen, sondern vor allem auch eine praxisnahe Unterstützung und direkte Ansprechpersonen wichtig.
Neben einer unterstützenden Kultur sind nutzerfreundliche, moderne Tools essenziell. Doch auch die beste Technologie bleibt ungenutzt, wenn keine ausreichenden Ressourcen für deren Erprobung und Einführung zur Verfügung stehen. Die Studienergebnisse zeigen, dass Schulungsangebote oft nicht in Anspruch genommen werden, da sie entweder zum falschen Zeitpunkt stattfinden oder zu wenig individualisiert sind. Hier sind gezieltere, alltagsnahe Unterstützungsformate gefragt, die sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren lassen.
Hochschulen als Gestalter des digitalen Wandels
Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass die Gestaltung der digitalen Kultur entscheidend ist. Hochschulen haben die Chance, eine Kultur des digitalen Wandels aktiv mitzugestalten und so langfristig die digitale Leistungsfähigkeit ihrer Teams zu steigern. Dabei geht es nicht nur darum, den Umgang mit digitalen Tools zu lehren, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem digitale Innovationen nachhaltig etabliert werden können. Förderlich ist eine Umgebung, die digitale Experimente ermöglicht und Fehler als Lernchancen begreift.
Die Erkenntnisse aus der Studie sind nicht nur für Hochschulen relevant. Ähnliche Muster zeigten sich auch in anderen Forschungsprojekten, etwa zur Schul- und Freiwilligenkommunikation. Dies deutet darauf hin, dass diese Faktoren in verschiedenen Arbeitskontexten bedeutsam sind
Assessment-Tool hilft einschätzen
Um Teams an Hochschulen dabei zu unterstützen, ihre digitale Performanz zu verbessern, wurde im Rahmen des Forschungsprojekts ein Assessment-Fragebogen entwickelt, der sich aus den Dimensionen des Modells orientiert. Es hilft Teams, ihre digitale Performanz gezielt zu reflektieren, Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam Handlungsfelder festzulegen. Dabei steht nicht die Bewertung einzelner Mitarbeitender im Fokus, sondern auch die Entwicklung einer Gesamtstrategie zur Verbesserung digitaler Arbeitsweisen.
Achtsam durch die digitale Welt
Ein wichtiger Aspekt digitaler Performanz ist aber nicht nur der kompetente Umgang mit Technologien, sondern auch ihre gesunde Nutzung. Dabei geht es um
- die Balance zwischen ständiger Erreichbarkeit und fokussiertem Arbeiten,
- den bewussten Umgang mit digitalen Informationen
- und die Fähigkeit, sich in der digitalen Welt nicht von ständiger Verfügbarkeit überfordern zu lassen.
Nur wenn neben den digitalen Fähigkeiten auch digitale Achtsamkeit gefördert wird, kann langfristig eine produktive und gesunde Arbeitsweise etabliert werden.
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