Warum der Zug für Familien oft die bessere Wahl ist – und was das über unsere Mobilität verrät

Wer schon einmal mit Kindern, Koffern und vielleicht noch einem Kinderwagen unterwegs war, weiß: Reisen ist mehr als nur von A nach B zu kommen. Es geht um Kosten, Komfort – und um kluge Entscheidungen. Genau hier wird es spannend, denn eine aktuelle Studie der ZHAW auf Grundlage einer von Greenpeace entwickelten Methodik zeigt: Für Familien und Reisende mit viel Gepäck lohnt sich der Blick auf den Zug deutlich öfter, als man denkt.

Studierende der ZHAW School of Engineering haben im Rahmen ihres Bachelorstudiums Mobility Science 136 europäische Verbindungen untersucht und Bahn- sowie Flugreisen auf denselben Strecken verglichen. Die Ergebnisse überraschen – zumindest alle, die bei günstigen Reisen reflexartig ans Flugzeug denken.

Wenn Zusatzkosten den Preis kippen

Auf den ersten Blick wirken Flugpreise oft unschlagbar günstig. Doch dieser Eindruck hält meist nur so lange, bis man genauer hinschaut. Denn während Einzelreisende ohne Gepäck im Flugzeug häufig tatsächlich günstiger unterwegs sind, dreht sich das Bild schnell, sobald Gepäckstücke, Kinder oder mehrere Sitzplätze hinzukommen. Versteckte Gebühren, Gepäckzuschläge und fehlende Familienrabatte lassen Flugpreise rasant steigen.

Bei der Bahn ist das anders: Kinderrabatte, transparente Tarife und großzügige Gepäckregelungen sorgen dafür, dass der Endpreis näher an dem liegt, was man ursprünglich gesehen hat. In den untersuchten Familienszenarien waren Flüge im Durchschnitt sogar mehr als doppelt so teuer wie Bahnreisen.

London, Barcelona – und die Macht der Low-Cost-Airlines

Besonders groß sind die Preisunterschiede auf Strecken mit Start oder Ziel in Städten wie London oder Barcelona. Große Flughäfen und starke Low-Cost-Airlines drücken dort die Flugpreise massiv. Für Bahnunternehmen wird es dadurch schwierig, konkurrenzfähig zu bleiben. Gleichzeitig zeigt sich hier ein strukturelles Problem: Extrem günstige Flugtickets spiegeln weder Umweltkosten noch langfristige Nachhaltigkeit wider.

Die Schweiz als Sonderfall – mit Chancen

Für Reisende aus der Schweiz sieht das Bild differenzierter aus. Auf vielen Strecken in die Nachbarländer – etwa nach Paris, Berlin oder Wien – ist der Zug häufig die günstigere Wahl. Reisen nach Spanien bleiben hingegen meist günstiger per Flugzeug. Auffällig sind die großen Preisspannen bei Bahntickets: Zwischen 29 Euro von Genf nach Paris und über 400 Euro von Zürich nach Madrid liegt eine enorme Bandbreite, die zeigt, wie komplex europäische Mobilitätssysteme funktionieren.

Mobilität verstehen – und gestalten

Was diese Studie besonders macht: Sie ist nicht nur ein Preisvergleich, sondern ein Blick hinter die Kulissen unserer Verkehrssysteme. Sie zeigt, wie politische Rahmenbedingungen, Marktstrukturen und Tarifmodelle unser Reiseverhalten beeinflussen – oft subtil, aber wirkungsvoll.

Genau hier setzt Mobility Science an. Der Studiengang beschäftigt sich mit der Frage, wie Mobilität wirtschaftlich, nachhaltig und nutzerorientiert gestaltet werden kann. Dass Studierende bereits im Bachelorstudium reale Fragestellungen analysieren und gesellschaftlich relevante Erkenntnisse liefern, zeigt, wie praxisnah und aktuell dieses Feld ist.

Oder anders gesagt: Wer verstehen will, warum der Zug für Familien oft die bessere Wahl ist – und wie Mobilität von morgen aussehen kann – findet im Mobility Science-Bachelorstudium nicht nur Antworten, sondern auch jede Menge spannende Fragen. 🚆✨


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