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Belalp – wo Visionen wahr werden

Gastbeitrag von Nadine Stucki und Sina Tollardo, Klasse VS18a

Mit einem E-Shuttle soll das abgebildete Hotel Belalp auf dem Aletschbord an die Bergstation der Pendelbahn angeschlossen werden. So ist der atemberaubende Ausblick vom Aletschbord auf den Aletschgletscher für alle auf einem bequemen, schnellen Weg zugänglich. (Quelle: www.belalp.ch)

Stellt euch vor: Ihr seid in Brig und wollt auf einem möglichst schnellen, bequemen Weg einen Ort mit Blick auf den Aletschgletscher erreichen. Genau das ist auf der Belalp möglich, wo man vom Aletschbord auf den Aletschgletscher blicken kann. Dazu benutzt man das Postauto von Brig nach Blatten b. Naters, von wo aus man mit der Pendelbahn auf die Belalp fährt. Oben auf der Belalp angekommen, ist man umgeben von einem traumhaften Bergpanorama. Heute müsste man die 1.9 km von der Bergstation zum Aletschbord zu Fuss zurücklegen. Doch die Belalp Bahnen AG haben eine Vision: Sie wollen ein E-Shuttle von der Bergstation zum Aletschbord verkehren lassen. Damit soll eine schnelle, bequeme Anreise für euch zum Aletschbord ermöglicht werden.

Die Belalp Bahnen AG wollen diese Vision wahr werden lassen. Dafür wandten sie sich an die Verkehrssysteme-Klasse VS18a der Zürcher Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Die Klasse übernahm diesen Auftrag und erarbeitete dafür ein passendes Konzept. Dabei beschäftigte sich die Klasse in Gruppen mit den folgenden Fragen:

Welches Nachfragepotenzial steckt hinter dieser Vision?

Um genügend Nachfrage zu generieren, benötigt man zuerst ein Alleinstellungsmerkmal. Für die Belalp ist dies der schnellste, bequeme Weg zum Aletschbord. Ausserdem kann man bereits auf dem Weg dahin spannende Einblicke in die Geschichte erhalten und den Blick aufs Matterhorn und Weisshorn geniessen.

Anhand von Erfahrungswerten der Belalp Bahnen AG und dem Personenaufkommen der letzten Jahre haben die Studierenden ein Modell zur Berechnung des Potenzials der Nachfrage erstellt. Damit kann für verschiedene Szenarien, abhängig vom Wetter, Wochentag und Ferienzeit, eine Prognose für das Besucheraufkommen gemacht werden. Daraus berechnete sich für einen Spitzentag ein durchschnittlicher Wert von 209 beförderten E-Shuttle-Passagieren.

Welches Fahrzeug ist für diese Vision geeignet?

Die Auswahl an Fahrzeugen für ein E-Shuttle ist gross. Insbesondere in China gibt es zahlreiche Anbieter. Um die Auswahl einzuschränken, wurden diverse Filter angewendet. Dabei wurden zum Beispiel die maximale Breite, die minimale Steigleistung, die minimale Kapazität und der Wenderadius festgelegt. Am Ende sind zwei Favoriten übriggeblieben: ein Fahrzeug der Firma Zhongyi aus China und ein Fahrzeug der Firma Klingler aus der Schweiz.

Zu beiden Fahrzeugen konnten Erfahrungsberichte eingeholt werden. Die Erfahrungsberichte von Klingler sind alle positiv ausgefallen, da die Fahrzeuge von hoher Qualität sind und ein Service vor Ort angeboten wird.

Welche Erfolgsrechnung unterstützt diese Vision?

Um die Rentabilität der beiden Fahrzeuge zu bestimmen, machte die Klasse für beide eine Erfolgsrechnung. Das Fahrzeug von Zhongyi ist in der Beschaffung einiges günstiger als dasjenige von Klingler. Allerdings sind die zu erwartenden Unterhaltskosten bei Zhongyi höher. In einem Zeithorizont von zehn Jahren schneidet das Fahrzeug der Firma Klingler besser ab als dasjenige von Zhongyi.

Damit alle Erfolgsfaktoren für diese Vision zusammengefasst werden, erarbeitete die Klasse ein entsprechendes Geschäftsmodell nach der Canvasmethode. Dabei steht der Kundennutzen im Zentrum und die acht umliegenden Felder zeigen die wichtigen Bestandteile des Erfolgs auf.

Wie erreicht man mit den erlangten Erkenntnissen die Vision?

Die Belalp Bahnen AG entschieden sich für das Fahrzeug der Firma Klingler. Ausschlaggebend dafür war die zu erwartende Zuverlässigkeit des Fahrzeugs und der Service in der Schweiz.

Mit dem ausgesuchten Fahrzeug wurden verschiedene Betriebskonzepte erarbeitet, um den Takt zu bestimmen. Dafür wurde auch eine Streckenerweiterung zur Bergstation der Gondelbahn betrachtet. Aber auch für den Winter suchte man einen Einsatz für das E-Shuttle. In Absprache mit den Belalp Bahnen AG entstand die Möglichkeit für einen Einsatz auf den Parkplätzen in Blatten b. Naters, bei dem Skifahrer von den Parkplätzen zur Talstation gefahren werden sollen.

Zudem benötigt das Fahrzeug während der Nacht eine Garage. Auch dafür erarbeitete die Klasse einige Vorschläge. Ausserdem müssen diverse Zulassungen beschafft werden, sobald eine konkrete Offerte eingeholt wurde.

Die Klasse prüfte verschiedene Möglichkeiten der Tarifgestaltung. Dabei untersuchte man ein Kombiticket und ein Einzelticket. Beim Kombiticket ist das E-Shuttle im bestehenden Ticket zur Benützung der Pendelbahn integriert. Dafür müsste jedoch der Ticketpreis erhöht werden. Beim Einzelticket müsste man für das E-Shuttle ein separates Ticket kaufen. Als Favorit wurde dabei das Einzelticket auserkoren, da mit dieser Variante die Ticketpreise für die Pendelbahn nicht ansteigen. Für Halbtax- und GA-Besitzer sowie Kinder beträgt der Preis für eine einfache Fahrt mit dem E-Shuttle 3.90 CHF, für Erwachsene ohne Vergünstigung kostet es 6.90 CHF. Mit diesen Preisen ist es möglich, dass die Belalp Bahnen AG ab dem ersten Jahr eine schwarze Null erwirtschaften können. Möchte man den durchschnittlichen Ticketpreis um 1.00 CHF senken, braucht es 2350 Fahrten mehr mit dem E-Shuttle, um auf der schwarzen Null zu bleiben.

Wird die Vision wahr?

Die Studierenden konnten den Grundstein für die Vision legen. Darauf aufbauend folgt der nächste Schritt durch die Belalp Bahnen AG: das Einholen einer Offerte bei der Firma Klingler AG mit dem anschliessenden Beschaffen der notwendigen Zulassungen. Damit kann das E-Shuttle und somit die Vision der schnellsten, bequemen Anreise zum Aletschgletscher auf den gewünschten Zeitpunkt im Sommer 2021 realisiert werden.

Die Scooter kommen! Neue „Shared Mobility“-Studie veröffentlicht

Zum dritten Mal haben ZHAW-Studierende des Studiengangs Verkehrssysteme die Studie «Shared Mobility» durchgeführt. Hierfür haben sie in sieben europäischen Städten bestehende Sharing-Konzepte im Bereich der Mobilität untersucht. Die Ergebnisse aus Zürich, Berlin, Kopenhagen, London, Paris, Wien und Barcelona zeigen, dass das Wachstum der Sharing-Economy auch im vergangenen Jahr anhielt und zu weiteren Veränderungen führte. Erstmalig wurde die Entwicklung im noch jungen Markt des Scooter-Sharings untersucht.

Das Scooter-Sharing befindet sich laut der von den Studierenden der Klasse VS16a weitestgehend selbständig erstellten Studie in einem rasanten Wachstum. Besonders populär sind die Roller bereits in Berlin und Paris. In Zürich gibt es noch kein solches Angebot. Zwischen den Anbietern bestehen grosse preisliche Unterschiede. Die Kosten liegen, im Gegensatz zum Bike-Sharing, noch weit über dem öffentlichen Verkehr.

Sämtliche Ergebnisse und der Download der kompletten Studie (deutsch/englisch) sind auf den Webseiten der ZHAW School of Engineering zugänglich.