
Was macht einen Raum nachhaltig – und für wen ist er wirklich zugänglich? Dieser Frage näherte sich der diesjährige ZHAW Walks am 4. Juni nicht aus einer einzelnen Disziplin heraus, sondern in Bewegung: gemeinsam gehend und reflektierend, mit sechs Instituten aus drei Departementen:
- Institut für Mensch, Gesellschaft und Technologien (P)
- Institut Urban Landscape (A)
- Institut Konstruktives Entwerfen (A)
- Institut Bautechnologie und Prozesse (A)
- Institut für Ergotherapie (G)
- Institut für Public Health (G)
Inspiriert von der Promenadologie –der Wissenschaft vom Spazierengehen als Methode, die gebaute und natürliche Umwelt bewusst zu erleben, zu analysieren und neu wahrzunehmen – entfaltete sich der Tag als fortlaufende Auseinandersetzung damit, wie Räume gestaltet, genutzt und erlebt werden.

Zugänglichkeit als Entwurfshaltung
Der Tag begann in der Halle 180: einem umgenutzten Industriegebäude, dessen offene, atelierartige Struktur den Geist des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen bereits räumlich verkörpert. Hier wird nicht nur über Raum nachgedacht, sondern Raum aktiv erprobt. Und das machte gleich deutlich: Zugänglichkeit ist keine nachträgliche Ergänzung, sondern muss von Beginn an im Planungsprozess verankert sein. Das MoCool-Projekt veranschaulicht dies treffend: Bei der Planung der Thermoregulation von Räumen gibt es keine Einheitslösung – Temperaturempfinden ist individuell und variiert je nach Person und Kontext. Anstatt einen Raum pauschal zu klimatisieren, werden mobile Kühlpanels entwickelt, die gezielt dort eingesetzt werden können, wo sie gebraucht werden. Ein nutzerorientierter Ansatz, der Zugänglichkeit nicht als Kompromiss, sondern als Ausgangspunkt begreift. Diese Haltung zog sich durch alle vorgestellten Projekte: Räume gewinnen an Relevanz, wenn sie mit den Betroffenen gedacht werden und nicht nur für sie.

Wenn der Raum selbst Teil der Lösung ist
Wenige Meter weiter, und doch mit einem anderen Raumverständnis: Das Departement Gesundheit empfing die Gruppe mit einem Rundgang durch Stockwerke, terrassenartige Bereiche und Räume, die Praxis, Lehre und Forschung unter einem Dach vereinen. Die Gruppe bewegte sich dabei durch Räume, die mehr sind als Unterrichts- oder Arbeitsräume. Ein Beispiel dafür ist das Thetriz-Zentrum, wo Fachpersonen behandeln und beraten, Studierende in realen Umgebungen lernen und die ZHAW gleichzeitig neue Modelle und Angebote für das Gesundheitssystem entwickelt. Dieser ganzheitliche, anwendungsorientierte Ansatz zog sich wie ein roter Faden durch die vorgestellten Projekte des Departements, ob in der Ergotherapie, im Public Health oder im Umgang mit KI: Lösungen entstehen dort, wo Wissen und gelebte Praxis zusammenkommen.
Was einen Raum zum Begegnungsort macht

Nach einer kurzen Zugfahrt und einem Fussweg erreichte die Gruppe das Departement Angewandte Psychologie im Toni-Areal. Das Gebäude lud zur Erkundung ein und liess bisweilen die angenehme Vermutung aufkommen, dass das Sich-Verlieren durchaus beabsichtigt sein könnte. Zwei ZHAW-Departemente und eine weitere Hochschule teilen dasselbe Gebäude – doch wo Fachkulturen und Arbeitsschwerpunkte auseinandergehen, reicht räumliche Nähe allein nicht aus, um Zusammenarbeit zu fördern. Dies warf in der Gruppe eine naheliegende Frage auf: Wie lassen sich Räume gestalten, die Zusammenarbeit aktiv begünstigen? in Teil der Antwort könnte im Projekt Beyond Grey Walls liegen: Es untersucht, welchen Einfluss ein naturorientiertes, sogenanntes biophiles, Raumdesign auf Einzelpersonen und Gruppen haben kann. Der Tag endete im Raum, der im Rahmen dieses Projekts gestaltet wurde (siehe Vorher-Nachher-Bilder). Die Ergebnisse zeigen, dass er als attraktiver und anregender wahrgenommen wird – vielleicht tatsächlich ein erster Schritt hin zu mehr Begegnung und Austausch.
Über alle drei Stationen hinweg zeigte sich eine gemeinsame Erkenntnis: Nachhaltige und zugängliche Lösungen hängen nicht nur von Fachwissen ab, sondern vom Austausch – zwischen Disziplinen und mit den betroffenen Menschen. ZHAW Walks schafft genau diesen Raum. Durch Bewegung, informelle Gespräche und gemeinsame Erlebnisse werden Verbindungen sichtbar, die sonst verborgen bleiben.
| Über ZHAW Walks ZHAW Walks ist eine 2025 lancierte Initiative, die im Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen verankert ist, mit Unterstützung von ZHAW sustainable. Das Format bringt jährlich wechselnde Departementskonstellationen rund um eine gemeinsame Themenfrage zusammen. Methodisch basiert es auf der Promenadologie – Gehen als Forschungs- und Austauschpraxis, die an den ZHAW-Standorten zum Einsatz kommt. Durch Besuche vor Ort, Projektpräsentationen und Gespräche unterwegs fördert das Format ein vertieftes Verständnis für unterschiedliche Arbeitsansätze und ermöglicht persönliche Vernetzung. Damit leistet ZHAW Walks einen Beitrag zur Stärkung interdisziplinärer Zusammenarbeit. Möchte euer Institut an einer künftigen Ausgabe von ZHAW Walks teilnehmen? Meldet euch unter zaum@zhaw.ch. |
