Kategorie: Evaluation (Seite 2 von 3)

Zwischenbilanz nach dem Herbstsemester 2014

Im September 2014 sind an der ZHAW in Wädenswil weitere 111 Biotechnologie-Studierende des 1. und 3. Semesters in das papierlose Studium gestartet. Damit ist der Bachelor-Studiengang in Biotechnologie nun komplett auf papierlos umgestellt.

Die Umstellung lief diese Mal nicht ganz so problemlos wie letztes Jahr. Weil das Microsoft Surface Pro zu teuer war und wir mit dem grenzüberschreitenden Service von Microsoft keine guten Erfahrungen gemacht hatten, würde das Microsoft Surface Pro im 2014 durch das Dell Venue 11 Pro ersetzt.

Sorgenkind Dell Venue 11 Pro

Das neue Dell Venue 11 Pro sorgte für einige Probleme: Bereits bei der Einführungsveranstaltung zeigte sich, dass bei der Mehrheit der 67 Geräte der Touchscreen, der Eingabestift und teilweise auch die Tastatur nicht korrekt funktionierten. Hinzu kamen einige Performance Probleme; das Dell Venue 11 Pro liess sich teilweise nicht mehr einschalten oder stürzte immer mal wieder ab.

Dell und unsere interne ICT-Abteilung arbeiteten daraufhin fieberhaft an einer Lösung und gaben 6 Firmware Updates heraus. Die Probleme schienen damit behoben. Die letzte Umfrage bei den Studierenden zeigt nun aber, dass es offenbar immer noch (oder wieder) Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro gibt. Interessanterweise bringen aber nur wenige Studierende ihr Gerät zur Fehlerbehebung zur ICT und 25 der 67 Nutzer haben die Firmware Updates gar nicht erst installiert.

Die Hardware-Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro beeinflussen natürlich die Möglichkeit der Studierenden, papierlos zu arbeiten. Insbesondere die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen ist eingeschränkt. Entsprechend fällt auch die Zufriedenheit mit den Dell Venue 11 Pro schlechter aus als letztes Jahr mit dem Microsoft Surface Pro.

Zufriedene iPad-Nutzer

Anders sieht die Situation bei den iPad-Nutzern aus. Sie können wie erwartet gut mit dem iPad Air arbeiten und haben eine Zufriedenheit von 100%. Die Zufriedenheit ist im Vergleich mit der Pilotklasse BT12 um 38% gestiegen. Eher schlechte Erfahrungen haben wir allerdings mit dem Keyboard Folio von Logitech gemacht; die Halterung für das iPad Air ist bei vielen Cases bereits abgebrochen und das Tastenlayout ist recht gewöhnungsbedürftig, so wurde z.B. die „Caps Lock“-Taste kurzerhand zum Buchstaben „A“ umfunktioniert.

Bitte noch mehr Steckdosen, besseres WLAN und Dell-Adapter

Die Dell-Nutzer wünschen sich vor allem noch mehr Steckdosen in den Schulzimmern, da die Akkuleistung des Dell Venue 11 Pro eher schwach ausfällt. Die iPad-Nutzer beklagten sich teilweise darüber, dass das Ladekabel nicht bis zur Bodensteckdose reicht. Bei einer Akkulaufzeit von über 8h kann das iPad Air aber auch zu Hause aufgeladen werden.
Das WLAN ist ebenfalls in einigen älteren Schulzimmern nicht genügend leistungsfähig. Das fällt vor allem dann auf, wenn Lehrpersonen neue Lernszenarien wie z.B. Mobile Response einsetzen möchten.
Die Tablets haben alle unterschiedliche Anschlüsse für die Beamer. Die Lehrpersonen verfügen jeweils über einen Adapter für ihr persönliches Gerät. Bei Bedarf können die Studierenden für Präsentationen einen Adapter am Empfang im Grüental, Reidbach und bei der ICT Abteilung auslehnen.

Support besser organisieren

Die Erfahrung mit dem Dell Venue 11 Pro hat gezeigt, dass das Outsourcing des Supports bei Problemen nur bedingt funktioniert wenn die Geräte mit ZHAW-Profilen konfiguriert werden. Wir werden dies für das Herbstemester 2015 nochmals überdenken. Die Studierenden wünschen sich eine Ansprechperson vor Ort. Es wäre daher denkbar, dass die Geräte in Zukunft ohne Konfiguration abgegeben werden und sich die Studierenden, ähnlich wie beim studentischen Notebook Support Team, gegenseitig helfen.

Wie geht es weiter?

Diese Zwischenbilanz sieht auf den ersten Blick eher negativ aus. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass nur 56% der Studierenden an der Umfrage teilgenommen haben. Trotz der Probleme mit dem Dell-Tablet gaben 88% der Umfrageteilnehmenden an, dass sie im letzten Semester oft bis täglich papierlos arbeiten konnten. Auch die Rückmeldungen aus dem Klassengespräch mit BT13 waren deutlich positiver als die Ergebnisse der Online-Umfrage.

Die Rückmeldungen der Dell-Nutzer deuten darauf hin, dass die Möglichkeit, handschriftliche Skizzen und Notizen in den Unterlagen erfassen zu können beim Windows Betriebssystem den entscheidenden Mehrwert des Tablets darstellt. Ohne funktionierenden Stift ist das Dell Venue 11 Pro nicht viel mehr als ein Notebook. Dementsprechend hatten die Dell-Nutzer mehr Mühe, papierlos zu arbeiten, da ein Medienbruch entsteht, wenn sie handschriftliche Notizen auf Papier statt auf dem Bildschirm erfassen müssen.

Wir fokussieren uns nun darauf, die Kinderkrankeiten mit dem Dell Venue 11 Pro zu lösen und die Dienstleistungen für das kommende Herbstsemester zu optimieren.
Das Institut für Biotechnologie setzt auch im Herbst 2015 wieder auf das papierlose Studium und wird den neu eintretenden Studierenden ein Tablet zur Verfügung stellen.

Die detaillierten Ergebnisse dieser Zwischenevaluation vom Herbstsemester 14 stellen wir Ihnen gerne als Download und als grafische Zusammenfassung zur Verfügung.

Zwischenevaluation-HS14-Feb15

 

Meistverwendete Apps

Im Rahmen der Evaluation wurden die Studierenden auch danach gefragt, welche Applikationen sie im Präsenzunterricht und dem Selbststudium nutzen. Sie wurden gebeten, die 3 wichtigsten Apps nach Reihenfolge zu nennen. Leider haben wir dazu wenig Rückmeldung erhalten, so dass die Aussagen hier mit Vorsicht zu geniessen sind.

Apple iPad

Good Reader und Good Notes auf dem 1. Platz

Bei den iPad Nutzern zeigt sich ein relativ klares Bild. Sowohl im Präsenzunterricht wie auch im Selbststudium wurde die Good Reader App am häufigsten auf den ersten Platz gewählt. Im Präsenzunterricht teilt sich die Good Reader App den Platz mit Good Notes, die sich vor allem für handschriftliche Notizen eignet. Auf dem zweiten Platz befindet sich der Safari Internetbrowser gefolgt von Dropbox auf dem dritten Platz.

App iPad Praesenz

Meistverwendete Apps auf dem iPad im Präsenzunterricht

App iPad Selbststudium

Meistverwendete Apps auf dem iPad im Selbststudium

Safari als meistgenannte App auf dem iPad

Zählt man alle Nennungen über alle Phasen und Platzierungen zusammen ist der Internetbrowser Safari die am häufigsten genutzte App auf dem iPad. Am zweit häufigsten wurde Dropbox genannt. Die Good Reader App befindet sich auf dem dritten Platz und scheint sich als PDF Bearbeitungsprogramm bei  den iPad Nutzern der Pilotklasse BT12 durchgesetzt zu haben.

App iPad

Meistverwendete Apps auf dem iPad

Microsoft Surface Pro

Bei den Microsoft Surface Pro Nutzern zeigt sich ein weniger klares Bild. Im Präsenzunterricht wurde die App Drawbard für das Bearbeiten von PDF auf den ersten Platz gewählt, gefolgt von Word, das als zweit wichtigste Applikation genannt wurde. Auf dem dritten Platz wurden die Applikationen Excel, One Note, Dropbox und die Internetbrowser Chrome und Firefox aufgeführt, so dass sich hier kein klarer dritter Platz evaluieren lässt. Zählt man die unterschiedlichen Internetbrowser zusammen, sind sie  auf dem dritten Platz, vor den anderen genannten Applikationen.

Apps-Microsoft-Praesenz

Meistverwendete Apps auf dem Microsoft Surface Pro im Präsenzunterricht

Keine bevorzugte App für das Selbststudium

Noch schwieriger wird eine klare Aussage beim Selbststudium. Hier nannten die Studierenden so viele verschiedene Applikationen, dass sich aus den Einzelnennungen keine Platzierung evaluieren lässt. Einzig Drawboard und Adobe Reader stechen mit jeweils zwei Nennungen noch etwas heraus. Die übrigen Applikationen wie One Note, Excel, PowerPoint, PDFX Change Viewer, Internet und Notizzettel wurden nur einzeln genannt.

Internetbrowser auch beim Surface Pro auf dem 1. Platz

Wenn man alle Nennungen über alle Platzierungen und Phasen hinweg auswertet ergibt sich für die Erstplatzierung beim Microsoft Surface Pro ein ähnliches Bild wie beim Apple iPad: Auf dem ersten Platz befinden sich die Internetbrowser, wobei hier vor allem Firefox und Chrome genannt wurden. Drawboard und One Note folgen auf dem zweiten Platz.

Auf dem dritten Platz folgen mit dem Adobe Reader und dem PDFX Change Viewer weitere PDF Bearbeitungsprogramme. Dropbox wurde von den Microsoft Surface Pro Nutzern interessanterweise nur vereinzelt aufgeführt. Es fällt zudem auf, dass sich der auf den Tablets vorinstallierte Adobe Acrobat XI Pro für die Bearbeitung von PDFs offenbar nicht durchsetzen konnte.

Meistverwendete Applikationen auf dem Microsoft Surface Pro

Meistverwendete Applikationen auf dem Microsoft Surface Pro

Ökobilanz-Update: Recyclingpapier toppt Tablets

Autoren: Matthias Stucki, Armin Mühlematter

Armin Mühlematter vergleicht in seiner Bachelorarbeit die Umweltauswirkungen der Nutzung von Tablets im Studium mit denjenigen von Papierskripten (Mühlmatter 2014). Seine Ökobilanzergebnisse zeigen für das papierlose Studium mit einem Tablet ähnlich hohe Umweltauswirkungen wie bei einem Studium mit Skripten gedruckt auf Frischfaserpapier.

Eine Erweiterung des Ökobilanzmodells mit einer Recyclingpapiervariante ergibt nun für Unterrichtsskripte aus Recyclingpapier die tiefsten Umweltauswirkungen (siehe Abbildung 1). Bei einer Bewertung mit der Methode der ökologischen Knappheit (2013) haben bei den Tablets vor allem die Schwermetallemissionen beim Abbau der Edelmetalle für die Platinen sowie die Treibhausgasemissionen bei der Energiebereitstellung für Produktion, Transport und Nutzung hohe Auswirkungen auf die Umwelt.

Zwischen den verschiedenen Tablet-Modellen gibt es deutliche Unterschiede. Bei den Papiervarianten belasten die Treibhausgasemissionen und radioaktiven Abfälle bei der Energiebereitstellung für die Papierproduktion die Umwelt.

Recyclingpapier_vs_Tablet

Abbildung 1: Umweltauswirkungen gemäss der Methode der ökologischen Knappheit 2013 der Nutzung von Tablets resp. von Papierskripten bei der Bewältigung eines Bachelorstudiums mit 180 ECTS.

Ein Vergleich mit den von Apple selber veröffentlichten Daten zu den Treibhausgasemissionen des iPad 2 und 4[i] mit deutlich höheren Ergebnissen als in der Arbeit von Mühlematter (130-170 kg CO2-eq. bei Apple vs. 59-67 kg CO2-eq. in der Bachelorarbeit) deutet darauf hin, dass die Umweltauswirkungen der Tablet-Herstellung im Modell der Bachelorarbeit unterschätzt werden.

Aufgrund der Resultate in Abbildung 1 und dem Vergleich mit den veröffentlichten Daten von Apple wird daher geschlossen, dass die Variante mit Skripten aus Recyclingpapier aus Umweltsicht besser abschneidet als die Nutzung von Tablets.

Aus ökologischer Sicht machen Tablets vor allem dann Sinn, wenn sie die Nutzung von energieintensiveren Computern oder Laptops ersetzen können.

[i] https://www.apple.com/chde/environment/reports/

Evaluation papierloses Studium – Einschätzungen der Lehrpersonen

Nebst den Studierenden haben wir auch die Lehrpersonen zu ihren Erfahrungen mit dem papierlosen Studium befragt. Erfreulich ist, dass sie das Projekt nach einem Jahr positiver beurteilen als zu Beginn.

Bewertung-LehrpersonenPositiv erwähnt werden vor allem die Arbeitserleichterung, da das Drucken entfällt und die neuen Möglichkeiten, die im Unterricht entstehen. Kritisch wird zum Beispiel kommentiert, dass die Studierenden zu sehr auf das Tablet fixiert seien und darunter die Interaktion leide. Eine andere eher skeptische Begründung der Einschätzung geht dahin, dass von dem Projekt in erster Linie der Reiz des Neuen ausgehe, aber der didaktische Vorteil noch nicht erkennbar sei.

Eingewöhnungszeit von Lehrpersonen unterschätzt

Interessanterweise schätzen die Lehrpersonen die Eingewöhnungszeit der Studierenden ähnlich hoch ein wie die eigene und unterschätzen damit die Eingewöhnungszeit der Studierenden etwas. Die Lehrpersonen haben nämlich nach eigenen Angaben die Umstellung schneller bewerkstelligt als die Studierenden.

EingewöhnungszeitLehrpersonen nutzen Tablet weniger intensiv als Studierende

In der Vorbereitung des Unterrichts ist der Arbeitsplatzrechner nach wie vor das wichtigste Gerät für die Lehrpersonen. Das Tablet scheint eher eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Geraetenutzung-UnterrichtsvorbereitungIm Unterricht sind die Lehrpersonen in drei gleich grosse Lager geteilt. Ein Drittel nutzt das Tablet im Unterricht, ein Drittel den Laptop und ein anderes Drittel nutzt beide Geräte im Unterricht.

Wenn das Tablet eingesetzt wird, wird es nicht als blosser Laptopersatz verwendet. Überraschend ist, dass das Tablet für 46.2% der Lehrpersonen andere Medien wie Wandtafel und Overheadprojektoren nicht ersetzten kann. Zudem sind über 60% der Lehrpersonen der Meinung, dass im Studium nicht restlos auf Papier verzichtet werden kann.

Tablet-ersetzt-andere-Medien-nichtTablet vorwiegend für Präsentationen genutzt

Das Tablet wird von den Lehrpersonen vor allem zum Vorführen von Präsentationen, Videos und Fotos genutzt. Entsprechend werden als wichtigste Apps für die Arbeit mit dem Tablet auch Präsentationsapps wie Powerpoint und Slideshark genannt. Auch Browser (Safari, Chrome) und YouTube werden erwähnt. Im Unterschied zu den Antworten der Studierenden werden zudem der Zeitungskiosk, Notizen, Kalender und der BBC iPlayer aufgeführt.

Immerhin 23.1% der Lehrpersonen nutzen das Tablet für Lernszenarien, die ohne das Tablet nicht möglich wären. Zudem versucht fast die Hälfte der Befragten (46.2%) den Unterricht Tablet gerecht aufzubereiten.

Tabletnutzung-im-UnterrichtSeltener wird das Tablet für das Zeichnen, Markieren und Kommentieren genutzt. Unter Sonstiges werden Elemente aus dem Sprachunterricht genannt, wie Google Docs und Edupad für Schreibübungen, sowie Grammatikübungen und Forum-Nutzung. Gerade bei Live-Umfragen z.B. mit einem Classroom Respons System und Quiz- und Wissenstests besteht noch ein grosses Potenzial.

Einsatzmoeglichkeiten-TabletsVielfältiger Einsatz von Tablets im Unterricht gewünscht

2/3 der befragten Lehrpersonen würden das Tablet gerne vielfältiger im Unterricht einsetzen. Wir haben sie daher gefragt, welche Lernszenarien sie sich mit den Tablets vorstellen können: Leere Folien in einer PowerPoint Präsentation können z.B. als Wandtafelersatz dienen, Studierenden könnten selber Videos, Quizzes und ähnliches erstellen und untereinander austauschen, auch das Verwenden von E-Books stellt eine neue Möglichkeit dar.

Einsatz-von-TabletsEinige Lernschritte fallen mit den Tablets weg, wie z.B. das Abschreiben der Herleitung von der Tafel, das jetzt durch ein einfaches Foto ersetzt wird. Einige Lehrpersonen möchten ihre benutzten didaktischen Methoden daher auf ihre Tauglichkeit für den Einsatz mit Tablets überprüfen, um das Tablet didaktisch besser einsetzen zu können.

Moodle wird nicht automatisch mehr genutzt

Während die Studierenden Moodle intensiver nutzen als früher, sind die Lehrpersonen bei dieser Frage geteilter Meinung. Auch scheinen sie den Studierenden nicht mehr Unterlagen zur Verfügung zu stellen als früher. Obwohl diese Möglichkeit als Faktor genannt wurde, der sich durch das papierlose Studium verändert hat.

Moodle-Nutzung Veränderungen werden unterschiedlich bewertet

Interessant sind die Antworten der Lehrpersonen auf die Frage , was sich durch den Unterricht mit den Tablets geändert hat. Oftmals wird aufgeführt, dass das papierlose Studium mit weniger Aufwand verbunden sei, weil das “Ausdrucken und Schleppen von Papierbergen” wegfalle. Dies ermögliche auch kurzfristigere Änderungen. Auch das Verteilen der Unterlagen falle weg, das Präsentieren mit dem Tablet sei einfacher als mit Laptop. Allerdings gibt es auch gegenteilige Stimmen: “Es braucht viel mehr Zeit für die Vorbereitung des Unterrichtes. In der Molekularbiologie müssen sehr viele Klonierungsstrategien mit DNA-Sequenzen gezeichnet werden. Dies ist auf Folie sehr viel besser”.

Für die Studierenden sehen die Befragten vor allem die Möglichkeit, selbständiger zu arbeiten. “Man kann viel mehr Materialien zur Verfügung stellen und erwarten, dass die Studis selbständig recherchieren.” Dazu gehört auch, dass kleine Internetrechercheaufträge gestellt werden. “Students can work a lot more independently. They can do work in groups and get running feedback from me in the class much more easily. It allows me to respond to the needs of the class.”

Ein Befragter empfindet die Studierenden als besser vorbereitet und konzentrierter, ein anderer hingegen stellt fest, dass die Studierenden während des Unterrichts in ihre Tablets vertieft sind.

Potenzial für Flipped Classroom

Die meisten Lehrpersonen finden den Frontalunterricht die geeignetste Unterrichtsform für den Einsatz von Tablets. Eine Antwort jedoch hält Frontalunterricht für weniger geeignet, stattdessen könne ein “Flipped Classroom” Ansatz besser sein. Für das Praktikum dagegen gäbe es nur eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten. Eine Stimme sagt: “Ich sehe da keinen grossen Unterschied, ob mit oder ohne Papier unterrichtet wird.”
Die Evaluation bei den Studierenden hat gezeigt, dass sie das Tablet auch im Selbststudium intensiv nutzen, es besteht daher auch Potenzial ausserhalb des Frontalunterrichts.

Herausforderung für die Infrastruktur

Die Evaluation zeigt auch, dass es bei der Infrastruktur noch Verbesserungspotenzial gibt. Vor allem die Steckdosen sind ein Problem, da die Akkuleistung der Windows-Geräte nicht für 8-9 Stunden ausreicht. Von den Lehrpersonen werden WLAN-Beamer gewünscht: „Derzeit ist das Tablet, mit einem Kabel an den Beamer gebunden, welches stört, wenn man das Tablet in der Hand hält und das hängende Kabel zur Stolpergefahr wird. Auch das Netzwerk und das WLAN funktionieren noch nicht optimal, so dass man auf Ausfälle vorbereitet sein muss.“

Anpassungsbedarf-bei-Projektausweitung

Evaluation papierloses Studium – Einsatz von Tablets in der Prüfungsphase

Die Tabletklasse hatte bis jetzt erst eine OpenBook Prüfung im Herbstsemester 2013, an der das Tablet erlaubt war. In dieser Prüfung gab es keine Einschränkung, was die Mitnahme von elektronischen Unterlagen anging. Lediglich das Internet durfte während der Prüfung nicht verwendet werden. Um die Funkverbindungen auf dem Tablet zu unterbrechen wurde das Gerät während der Prüfung in den Flugmodus versetzt.

Die übrigen Prüfungen wurden auf Papier durchgeführt. Es gab nebst der OpenBook Prüfung auch zwei Prüfungen, in denen Unterlagen in Form von Formelsammlungen und eigenen Zusammenfassungen erlaubt waren. Die Mehrheit der Studierenden in der Tabletklasse gab an, 11 Prüfungen in diesem Semester (FS14) zu absolvieren.

Suchfunktion erleichtert das Auffinden relevanter Inhalte

Alle Studierenden, die ein Tablet an eine Prüfung mitnehmen durften, gaben an, zur Vorbereitung PDF‘s in einer Datei zusammenzuführen. Das Markieren wichtiger Stellen in den Unterlagen scheint bei OpenBook Prüfungen mit Tablet nicht mehr so wichtig zu sein wie bei Papierprüfungen. Mit der Suchfunktion im PDF wird das Auffinden bestimmter Stellen erleichtert. Einige Lehrpersonen sehe jedoch gerade darin ein Problem: ”Studenten sind schneller durch Suchfunktion und müssen die Unterlagen weniger kennen”.

Markierungen-PruefungsunterlagenBessere Orientierung in den Unterlagen

Nicht überraschend wird die Orientierung in den Unterlagen während der Prüfung von der Tabletklasse fast ausschliesslich positiv bewertet.

OrientierungBedeutung der Unterlagen in OpenBook Prüfungen

Bei der Frage nach der Bedeutung von OpenBook Prüfungen zeigt sich, dass es für die Kontrollgruppe (BT13) deutlich wichtiger ist, Unterlagen auf Papier in die Prüfung mitnehmen zu können. Allerdings ist dieser Unterschied nicht statistisch signifikant.

Unterlagen-an-PruefungDie erlaubten Unterlagen wurden in den Prüfungen tatsächlich genutzt, allerdings bei der Kontrollgruppe BT13 ein bisschen weniger intensiv als bei der Tabletklasse.

Unterlagen-PruefungDas Mitnehmen von Unterlagen gibt Sicherheit, insbesondere in mathematischen Fächern. Mathematische Fächer werden auch auf die Frage genannt, in welchen Fächern die Studierenden sich rückblickend lieber mit Papier vorbereitet hätten.

Andere Befragte gaben an, keinen Unterschied zu finden, während wiederum andere betonten, sich in fast allen Fächern mit Papier vorbereitet zu haben. “Das Risiko, sich auf einem Tablet vorzubereiten und sich auf eine neue Methode einzustellen, würde ich bei 11 Prüfungen nicht eingehen.”

Lehrpersonen stehen Prüfungen mit Tablets kritischer gegenüber als Studierende

Auffällig ist, dass die Lehrpersonen den Einsatz von Tablets und die Gefahr des Betrugs viel kritischer einschätzen als die Studierenden. 70% der befragten Lehrpersonen gehen davon aus, dass bei der Nutzung von Tablets in der Prüfung die Gefahr des Betrugs steigt. Der Betrug kann in unerlaubten Internetrecherchen bestehen oder aber durch schnelles Chatten zwischen den Studierenden.

Tablets-Pruefung-Dozierende

Einschätzung der Lehrpersonen

Die Studierenden hingegen lehnen in der Selbsteinschätzung die Aussage, dass durch das Tablet die Versuchung zu „spicken“ grösser sei, mit einer grossen Mehrheit ab.

Betrug-mit-Tablet

Einschätzung der Studierenden

Chance für neue Prüfungsformen

Obwohl die Lehrpersonen dem Einsatz von Tablets bei Prüfungen – insbesondere mit Internetzugang – sehr kritisch gegenüber stehen, sehen einige auch gewisse Vorteile darin.
In den offenen Antworten zu dieser Frage werden z.B. neue Möglichkeiten der Aufgabenstellung gesehen, bei denen die Antworten nicht fixiert sind, was aber zu einem grösseren Korrekturaufwand führt. Andere sehen es durchaus als sinnvoll an z.B. Internetrecherchen in die Prüfung zu integriere: “Exams can take on an entirely different nature where students are participants in solving problems rather than just answering questions.” Andere hingegen bezweifeln, dass der schnelle Zugriff auf das Internet eine geeignete Möglichkeit ist, Wissen und Kompetenzen zu prüfen.

Sichere Prüfungen als technische Herausforderung

Aktuell haben wir keine Möglichkeit, die Funkverbindungen bei OpenBook Prüfungen mit Windows-Tablets und iPads sicher zu unterbinden und zu überwachen, so das ein Betrug mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Der Flugmodus kann relativ einfach deaktiviert werden.

Störsender sind in der Schweiz verboten
Sowohl Studierende als auch Dozierende haben die Idee der Störsender eingebracht. Diese sind allerdings in der Schweiz verboten.

E-Assessment Software nicht für Open Book Prüfungen geeignet
Lösungen für E-Assessments mit Tablets gibt es zwar, allerdings beschränken sich diese meist auf das Arbeiten innerhalb einer bestimmten Applikation. Die Entwickler von E-Assessment Lösungen gehen jeweils davon aus, dass für die Prüfungen standardisierte und durch die Hochschule verwaltete Prüfungsgeräte genutzt werden, was bei OpenBook Prüfungen natürlich nicht der Fall ist. Im Unterschied zu einer Multiple-Choice-Prüfung benötigen die Studierenden bei einer OpenBook Prüfung Zugriff auf ihre persönlichen Notizen. Da die Studierenden das Tablet personalisiert haben – und es damit schon fast ein Personal Learning Environment darstellt – ist es wichtig, dass sie auch an der Prüfung ihr eigenes Gerät benutzen dürfen.

Lösungen entweder für Windows oder iOS
Leider berücksichtigen die von uns geprüften Applikationen jeweils nur entweder Windows oder iOS. Dadurch müssten wir zwei unterschiedliche Systeme einsetzten, was dazu führen würde, dass nicht alle Studierenden derselben Prüfungsbedingungen haben.

Mit dem Safe Exam Browser (SEB), der unter anderem an der ETH Zürich für E-Assessments an Desktop PCs eingesetzt wird, können der Zugriff auf die Festplatte, USB Sticks, das Internet und weitere Funktionen eines Windowsgerätes gesperrt werden. Der SEB läuft allerdings nicht auf iPads.

Die iPads hingegen verfügen über eine „Guided Access“ Funktion, die vor der Prüfung manuell eingeschaltet werden kann. Damit kann der Zugriff vorübergehend auf eine einzige App beschränkt werden oder die Hardware-Tasten können deaktiviert werden. Der Guided Access kann nach der Prüfung mit einem Code deaktiviert werden. Eine weitere Möglichkeit für E-Assessments mit den iPads ist iExam@Bri-C oder die von der Universität Basel entwickelte BeAXi Applikation.

Überwachung über Mobile Device Management nicht ausreichend
Die Idee, die Funkverbindungen während der Prüfung über das Mobile Device Management zu unterbrechen, hat unsere ICT-Abteilung geprüft, aber wegen zu wenig Sicherheit wieder verworfen. Mobile Device Management Systeme wie FileWave, das bei uns im Einsatz ist, können die Geräte zwar in den Flugmodus versetzten, können danach aber keine Anpassungen mehr vornehmen, weil das Gerät nicht mehr erreichbar ist.

Aktuell sieht es so aus, als müssten wir eine eigene Lösung für Open Book Prüfungen mit Tablets entwickeln. Unsere Idee ist aktuell eine Kontroll-App für iOS und Windows. Die Studierenden müssten bei Prüfungsbeginn die App starten, den Flugmodus aktivieren und während der Prüfung auf jegliche Kommunikationssysteme (WiFi, Bluetooth, IR, USB etc.) verzichten. Die App kontrolliert in kurzen Zeitabständen, ob eine Kommunikation stattfindet und erstellt ein Log-File, welches am Ende der Prüfung abgeschickt wird. Dieses Log-File wird von einer Software analysiert und die Lehrperson erhält die Ergebnisse zugeschickt.

Evaluation papierloses Studium – Einsatz von Tablets im Selbsstudium

Wie bereits erwähnt wurde in der Evaluation durch das Zentrum für Innovative Didaktik auch die Nutzung von Tablets im Selbststudium untersucht. Die ersten Ergebnisse aus der Interviewphase deuteten zuerst darauf hin, dass sich das Tablet vor allem für den Präsenzunterricht eignet. Die Studierenden nutzen das Tablet aber auch überraschend intensiv im Selbststudium zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und der Prüfungsvorbereitung.

Fällt die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts mit Tablet leichter?

Die Vorbereitung bzw. Nachbereitung des Unterrichts macht den Studierenden mit dem Tablet keine Schwierigkeiten. Von der wöchentlichen Vor- und Nachbereitungszeit für den Unterricht wird nach Selbsteinschätzung der Studierenden 65,4% mit dem Tablet gearbeitet.

Eine ähnliche Frage nur mit einer etwas allgemeineren Ausrichtung „Ich habe keine Probleme, den Unterricht vor- oder nachzubereiten“ wurde auch der Kontrollgruppe (BT13) gestellt. Hier fällt die Antwort deutlich reservierter aus, so dass der Unterschied statistisch signifikant ist.

SelbststudiumOb dies mit den Tablets zusammen hängt, lässt sich daraus nicht eruieren. Es kann auch sein, dass die Frage in der Tabletklasse etwas anders aufgefasst wurde: „Ich habe zwar teilweise Probleme mit der Vorbereitung des Unterrichts aber nicht durch das Tablet“ oder aber die Unterrichtsvorbereitung fällt im ersten Studienjahr schwerer als im zweiten Jahr.

In den Kommentaren zu dieser Frage wird deutlich, dass die Wenignutzer die aktive Vorbereitung am Laptop vornehmen. Interessant sind auch Aussagen wie „Dank des Tablets kann ich im Unterricht direkt meine Zusammenfassungen machen, dadurch hat sich der Zeitaufwand für das Nacharbeiten massiv verkürzt. Die Möglichkeit zur Vorbereitung hängt allerdings auch immer von den Lehrpersonen ab, mit welchem Vorlauf diese die Unterlagen zur Verfügung stellen.

Prüfungsvorbereitung mit Tablet, PC und Papier

Wider Erwarten wird das Tablet auch zur Prüfungsvorbereitung genutzt. Nach Einschätzung der Studierenden, verwenden sie durchschnittlich in 51,9% ihrer Vorbereitungszeit das Tablet. Ein Viertel der Studierenden verwenden fast ausschliesslich das Tablet zur Vorbereitung (80%-98% Nutzungsanteil), während es für 17.9% der Befragten mit bis zu 20% eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Tabletnutzung-PruefungsvorbereitungEinige Studierende gaben an, dass sie in dieser Phase lieber am PC mit grossem Bildschirm oder mit Papier arbeiten. Für einen anderen Befragten erfüllt das Tablet in dieser Phase eine andere Zielsetzung als Papier, da hier z.B. Apps für Lernkarten zum Einsatz kommen.

Verschiebung bei der Mediennutzung

Bei der Prüfungsvorbereitung zeigt sich dann auch eine deutliche Verschiebung der Mediennutzung. Das Tablet ist in dieser Phase das wichtigste Hilfsmittel/Medium, gefolgt von Papier und Laptop. Die Einführung des Tablets hat dazu geführt, dass Laptop, Papier und Smartphone in der Prüfungsvorbereitung eine etwas weniger wichtige Rolle spielen. Lediglich bei den Medien „Desktop Rechner“ und „E-Reader“ gibt es keinen signifikanten Unterschied zur Kontrollgruppe (BT13).

Medien-PruefungsvorbereitungStudierende nutzen das Tablet als Lesegerät

Das Tablet wird in der Phase der Prüfungsvorbereitung vor allem zum Lesen benutzt. Das Anfertigen von Zusammenfassungen ist bereits im Unterricht erfolgt oder wird lieber am Laptop / bzw. PC gemacht. Allenfalls werden noch Unterlagen bearbeitet. Einige Studierenden betonen, dass sie auf dem Tablet mehr Ordnung vorfinden. Zu den positiven Aspekten der Tabletnutzung in dieser Zeit gehört die Betonung auf das ortsunabhängige Lernen „z.B. an den See gehen“ oder dass alle Unterlagen beisammen sind: „Es ist ein Skriptsammler“.

Nutzung-PruefungsvorbereitungNotizen und Markierungen dienen als Basis für die Prüfungsvorbereitung

Die Studierenden nutzen für die Prüfungsvorbereitung mehrheitlich die zuvor direkt im Material angefertigten Notizen und Markierungen. Dies spricht dafür, dass die Bearbeitung der Unterlagen während des Unterrichts mit dem Tablet effektiv genug ist, um auch als Vorbereitung für die Prüfungen zu dienen.

Unterlagen-PruefungsvorbereitungInteressanterweise geben über die Hälfte der Studierenden an, die Unterlagen nochmal neu zu überarbeiten. Fast genauso wichtig wie die Notizen und Markierungen sind zudem eigene Zusammenfassungen. Einige Studierende betonen auch hier wieder die Ordnungsmöglichkeit des Tablets. Es ermöglicht eine Selektion der relevanten Dokumente, die dann teilweise auch ausgedruckt werden. Ein Befragter / eine Befragte stellt fest, durch das Tablet effizienter geworden zu sein.

Unterlagen-Pruefungsvorbereitung_3Lernkarten noch wenig genutzt

Interessanterweise geben einige Studierende an, dass elektronische Lernkarten auf dem Tablet eine neue Möglichkeit des Lernens darstellen und eine sehr effiziente Lernkontrolle ermöglichen. Allerdings zeigt die Umfrage, dass nur 13.8% diese Möglichkeit auch nutzen. Hier zeigt sich ein noch unausgeschöpftes Potenzial der Tablets in der Selbstlernphase.

elektronische-LernkartenEs überrascht dann aber doch etwas, dass in der Prüfungsvorbereitung nebst den meist verwendeten Apps wie GoodReader und Drawboard für die Bearbeitung von PDF und NotesPlus/GoodNotes für das Erfassen von Notizen die Flashcards an dritt häufigster Stelle genannt werden. Welche Flashcard Applikation damit genau gemeint ist, wissen wir nicht. Es gibt z.B. Flashards Pro für Windows und Flashcards+ oder Quizlet für iOS.

Tablet-Nutzer drucken auch zu Hause weniger aus

Die Kontrollgruppe ohne Tablet (BT13) druckt nach eigener Einschätzung in der Prüfungsvorbereitung mehr aus als die Tabletklasse. 2/3 der Befragten in der Kontrollgruppe (BT13) gaben an, noch zusätzlich zu den ausgegebenen Papierunterlagen weitere wichtige Unterlagen auszudrucken, während dies bei der Tabletklasse nur 41.3% waren, ein statistisch signifikanter Unterschied.

Unterlagen-AusdruckenDie Tabletklasse druckt vor allem noch Teile von Skripten und Zusammenfassungen aus. Ausgedruckt werden auch Formelsammlungen und Material, das mit in die Prüfung genommen wird und Übungsaufgaben und Probeprüfungen, auch wenn diese als Quiz auf Moodle zur Verfügung gestellt werden.

Unterlagen-Ausdrucken-TypIm nächsten Beitrag werden wir den Einsatz von Tablets in den Prüfungen anschauen. Wir haben damit noch wenig Erfahrung, eine Open Book Prüfung mit Tablets wurde allerdings bereits durchgeführt.

Ergebnisse der Evaluation zum papierlosen Studium

Das Zentrum für Innovative Didaktik der ZHAW hat das Pilotprojekt „papierloses Studium“ im Sommer 2014 aus didaktischer Perspektive evaluiert.

Die Ergebnisse dieser Studie möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Wir werden daher in den nächsten Wochen die spannendsten Erkenntnisse aus der Evaluation auf diesem Blog veröffentlichen.

Einige Infos zum Aufbau der Studie vorweg:

Die didaktische Evaluation schliesst an die Erkenntnisse aus der Interviewphase an und hatte zum Ziel, den Tablet-Einsatz in den verschiedenen Lehr- und Lernphasen zu analysieren:

  • Präsenzphase
  • Selbststudium/Vorbereitungsphase
  • Prüfungsvorbereitung
  • Prüfung

Die Hypothese war, dass der Tablet-Einsatz in diesen vier Lehr- und Lernphasen unterschiedlich starke Vor- und Nachteile aufweist. Um Unterschiede sichtbar zu machen, wurden in den verschiedenen Lehr- und Lernphasen Online-Befragungen bei der Tabletklasse (BT12) und einer Vergleichsklasse (BT13) durchgeführt.

Gesucht wurde nach statistisch relevanten Unterschieden zwischen der Tabletklasse und der Vergleichsklasse, die noch mit Papier studiert.

Die Daten wurden in anonymisierter Form über alle drei Online-Umfragen miteinander verknüpft. Dadurch haben wir in der Tabletklasse 20 kohärente Datensätze erhalten, die über alle Lehr- Lernphasen gehen. In der Vergleichsklasse lag die Rücklaufquote zur Umfrage bei 65%. Von den 19 Lehrpersonen nahmen 13 an der Umfrage teil.

Wichtigste Ergebnisse aus der Präsenzphase

Hohe Zufriedenheit

Über 70% der Studierenden aus der Tabletklassen würden ihren Mitstudierenden raten, sich ein Tablet anzuschaffen.  „Eine gelungene Sache, ich möchte nicht mehr auf ein Tablet verzichten müssen“. Allerdings fällt das Votum deutlich uneinheitlicher aus, wenn die Studierenden gefragt werden, ob sie sich für das Studium das Tablet auch selbst kaufen würden.

Studierende

Studierende

Auch bei den Lehrpersonen fällt die Beurteilung des papierlosen Studiums nach einem Jahr positiver aus als zu Beginn.

Lehrpersonen

Lehrpersonen

Wahlmöglichkeit zwischen Apple und Microsoft hat sich bewährt

Die beiden Tablet-Modelle führen kaum zu signifikanten Unterschieden. Die Wahlmöglichkeit hat die Zufriedenheit aber offenbar positiv beeinflusst.

GerätewahlMit den Tablets entstehen neue Formen des Lernens

Überraschend ist, dass über ¾ der Studierenden angeben, mit dem Tablet neue Möglichkeit des Lernens zu erleben. Hier wird einer der wenigen signifikanten Unterschiede zwischen Microsoft Surface Pro Nutzern und den Apple iPad Nutzern sichtbar: Die 10% der Studierenden, die keinen Neuigkeitswert beim Lernen feststellen, sind allesamt Microsoft Surface Pro Nutzer.

Neue Möglichkeiten des LernensDie Studierenden sind sich jedoch uneins, ob das Tablet in Zukunft aktiver im Unterricht eingesetzt werden sollte. Der derzeitige Unterricht wird bereits als abwechslungsreich angesehen.

Vermehrter Einsatz von Tablets im Unterricht ist nicht von allen gewünscht

Vermehrter Einsatz von Tablets im Unterricht ist nicht von allen gewünscht

Tablets erschliessen zusätzliche Informationsquellen

Eine wesentliche Änderung zeigt sich bei der Nutzung von Apps und dem Internet als zusätzliche Informationsquelle während des Unterrichts. Diese Möglichkeit war über die Smartphones, mit denen alle Studierenden ausgestattet sind, bereits vorher gegeben, nun wird sie aber auch tatsächlich genutzt, wie der Vergleich der Kontrollgruppe zeigt.

Informationsquelle

Nutzung zusätzlicher Informationsquellen während des Unterrichts – Vergleich mit Kontrollgruppe (BT13)

Intensivere Bearbeitung der Unterlagen

Eine weitere Veränderung zeigt sich bei der Bearbeitung der Unteralgen. Die Studierenden mit Tablet schreiben während dem Unterricht mehr in die Unterlagen hinein und unterstreichen mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Kontrollgruppe.

Durch die Möglichkeit, den Platz in den Unterlagen besser nutzen zu können, Anmerkungen ständig weiter bearbeiten und Veränderungen vornehmen zu können, findet mit den Tablets eine intensivere Bearbeitung der Unterlagen statt.

Bearbeitung der Unterlagen - Vergleich mit Kontrollgruppe

Bearbeitung der Unterlagen – Vergleich mit Kontrollgruppe (BT13)

Vermehrt Notizen mit der Tastatur

Das Tablet führt zudem zu einem signifikanten Unterschied in der Art und Weise, wie die Unterlagen bearbeitet werden. Die Notizen werden vermehrt mit der Tastatur angefertigt und die Bedeutung von handschriftlichen Notizen geht zurück.

Art der Bearbeitung - Vergleich mit Kontrollgruppe

Art der Bearbeitung – Vergleich mit Kontrollgruppe

Die handschriftlichen Notizen werden jedoch von der Tastatur nicht vollständig verdrängt. Über 50% der Tablet-Nutzer geben immer noch an, oft handschriftliche Notizen mit dem Tablet zu machen. Es gibt zudem bei den Annotationsformen keine signifikanten Unterschiede zwischen iPad und Surface Pro Nutzern.

Annotationsformen mit dem Tablet

Multimediale Funktionen werden wenig genutzt

Die erweiterten medialen Funktionen wie Integration von Fotos, Videos und Audiomitschnitten für die Dokumentation des Unterrichts werden seltener genutzt, spielen aber dennoch eine Rolle, wenn immerhin 32,2% der Studierenden oft Fotos anfertigen und je 10% gelegentlich Audio und Videomitschnitte.

Weniger Augenkontakt

Die Studierenden scheinen sich nicht hinter den Tablets zu verstecken. Was aber tatsächlich anders wahrgenommen wird, ist der Augenkontakt zwischen den Lehrpersonen und den Studierenden. Dieser scheint nach Beobachtung von 29% der Studierenden zurückgegangen zu sein. Bei der Kontrollgruppe gibt nur einer von 37 Befragten an, Augenkontakt mit der Lehrperson zu vermeiden. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant und interessanterweise auch stärker ausgeprägt bei den Microsoft Surface Pro Nutzern.

Augenkontakt Der fehlende Augenkontakt scheint die Atmosphäre im Klassenzimmer jedoch nicht stark zu beeinflussen. Die Angaben der Kontrollgruppe unterscheiden sich nicht signifikant. Im Allgemeinen wird die Atmosphäre im Klassenzimmer als offen wahrgenommen. 30% haben einen gemischten Eindruck.

Gängige Vorurteile bestätigen sich nicht

Befürchtungen, dass die Studierenden durch das Tablet abgelenkt sind, lassen sich nicht eindeutig bestätigen. 51.6% geben an, dass sie nicht häufiger abgelenkt sind als früher. Auch bei einem Blick auf die Kontrollgruppe mit Papier lassen sich keine signifikanten Unterschiede ausmachen.

Aufmerksamkeit

Tablets eignen sich nicht für alle Fächer gleich gut

Die Studierenden scheinen sich einig darüber zu sein, dass sich das Tablet besonders gut für Fächer eignet, bei denen man sich Notizen im Unterricht machen kann, die also vor allem mit Folien als Unterrichtsmaterial arbeiten. Hier betonen einige Studierende, dass das Tablet eine bessere Ordnung in die Unterlagen gebracht habe.

Eine skeptische Haltung gibt es hingegen bei dem Einsatz von Tablets in Praktika. Strittig ist auch der Einsatz der Tablets in mathematischen Fächern. Etwas über 50% der Studierenden sehen dem Einsatz von Tablets in der Mathematik und Physik kritisch. Das Arbeiten mit Arbeitsblättern und das Rechnen auf dem Tablet fällt den Studierenden offenbar schwerer als auf Papier. Es zeichnet sich hier ein sehr uneinheitliches Bild, es wären weitere, detailliertere Untersuchungen notwendig.

Intensivere Moodle Nutzung

Moodle wird durch den Tablet Einsatz eindeutig mehr genutzt als früher. Anders sieht es jedoch aus, wenn man sich den Funktionsumfang von Moodle anschaut. Der Aussage „Ich nutze mehr Funktionen von Moodle als früher“ stimmen 61,7% zu, für 25,8% jedoch trifft es nicht zu. Dennoch lässt sich an diesen Antworten ablesen, dass die Einführung von Tablets zu einer stärkere Nutzung elektronischer Lernmedien führt.

Moodle-NutzungSoziales Lernen wird nicht gefördert

Das Lernen mit Tablets führt nicht dazu, dass soziales Lernen gefördert wird. Die Tabletklasse zeigt trotz der neuen Technologie ein deutlich geringeres, kollaboratives Lernverhalten als die Vergleichsklasse.

kollaboratives-arbeitenDer Austausch untereinander fällt den Studierenden mit dem Tablet jedoch leicht. 19.4% tauschen sich sogar mehr aus als früher. Interessanterweise stimmen die iPad Nutzer signifikant mehr der Aussage zu, sich mit den Mitstudierenden häufiger als früher auszutauschen.

Die Frage, ob der Austausch zwischen den Studierenden durch die Tablets einfacher bzw. intensiver geworden ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die Studierenden der Kontrollgruppe geben mit 63,9% an, dass ihnen der Austausch mit Mitstudierenden leicht fällt. Der Wert ist niedriger als bei der Tabletklasse, liegt aber statistisch nicht im signifikanten Bereich.

AustauschTablet ergänzt bestehende Endgeräte

Das Tablet ist vor allem ein zusätzliches Gerät, das mit seinen Einsatzmöglichkeiten anderen Geräten ähnelt, diese aber nicht vollständig ersetzt. Nicht überraschend, ersetzt das Microsoft Surface Pro in einem statistisch signifikanten Bereich häufiger den Laptop als das Apple iPad.

Auf die Frage, ob die Studierenden das Tablet eher wie Papier oder eher wie einen Laptop einsetzen, ergibt sich ein sehr durchmischtes Bild. 41,9% geben an, es eher wie einen Laptop zu benutzen, während 58,1% es in ihrer Nutzung eher vergleichbar mit Papier finden. Die meisten Kommentare betonen den hybriden Zustand des Tablets.

Substitution

Tablets werden im Präsenzunterricht und dem Selbststudium genutzt

Die Ergebnisse der Interviewphase deuteten zuerst darauf hin, dass sich das Tablet vor allem für den Präsenzunterricht eignet. Die Studierenden nutzen das Tablet aber auch im Selbststudium. Die Evaluation zeigt, dass das Lernen mit dem Tablet über alle Lehr- und Lernphasen hinweg möglich ist.

Wie die Tabletnutzung in der Vor- und Nachbearbeitung des Unterrichts, der Prüfungsvorbereitung und der Prüfung aussieht, was die Lehrpersonen dazu sagen und vor welchen Herausforderungen wir noch stehen, verraten wir Ihnen in Kürze in unseren nächsten Beiträgen.

Ein Dankeschön an das Projektteam

Ich möchten an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um allen, die an der Evaluation mitgearbeitet haben, zu danken. Insbesondere die Projektleiterin Dr. Maren Lübcke und ihr Team bestehend aus Dr. Ute Woschnack und Flavio Di Giusto haben viel Einsatz gezeigt und tolle Arbeit geleistet. Aber auch die Studierenden und Lehrpersonen, die  geduldig all unsere Fragen beantwortet haben, haben an dieser Stelle ein grosses Dankeschön verdient.

Surface Pro oder iPad – eine Frage der Gewohnheit?

Im Rahmen der Evaluation des papierlosen Studiums interessiert uns auch, was die Studierenden dazu bewogen hat, sich für ein iPad oder ein Surface Pro zu entscheiden. Die Studierenden der Biotechnologieklasse BT12 hatten zu Beginn des Projektes im Sommer 2013 die Wahl zwischen den zwei Gerätetypen. 17 von ihnen haben sich für ein iPad, 16 für das Surface Pro entschieden.

Wahl des Tablets

Bei der Wahl des Gerätetyps scheint mitunter die Vertrautheit mit einem bestimmten Gerätetyp oder einem Betriebssystem eine Rolle zu spielen. Die Entscheidungen wurden teilweise aber auch auf Grund formaler Leistungsmerkmale getroffen. Allgemein entsteht der Eindruck, dass die Wahl auf Grund persönlicher Vorlieben und Gewohnheiten getroffen wird, als auf Grund von Anforderungen, die sich aus dem Studium heraus ergeben. Die Wahlmöglichkeit hat sicher zu der hohen Akzeptanz des Projektes beigetragen.

Vor- und Nachteile der Gerätetypen

Die Vorteile und Nachteile der Geräte wurden in den Interviews intensiv diskutiert, waren aber bisher auch schon bekannt:

  • iPad: Lange Akkulaufzeit, sensibler Touchscreen, kein Flash, keinen USB-Anschluss
  • Surface Pro: Office-Kompatibilität, zu kurze Akkulaufzeit

Einarbeitungszeit

Interessant ist, dass die Einarbeitung mit dem Surface Pro deutlich mühevoller gewesen zu sein scheint. Das überrascht, da man annehmen könnte, dass die Einarbeitung in ein neues Betriebssystem wie iOS mühevoller ist als die Umstellung auf eine neue Windows-Version. Die längere Einarbeitungszeit mit dem Surface Pro könnte allerdings mit den technischen Problemen, die zu Anfang bestanden, zusammenhängen.

Der Vorschlag einer Studentin ist deshalb auch: „2-3 Wochen nach Einführung der Tablets jemand in den Unterricht kommen lassen für technische Probleme. Bei technischem Support muss man über den Servicedesk ein Ticket lösen. Das ist mühsam. Oft haben mehrere die gleichen Probleme. So kämen die Probleme auch bei der IT an.“

Für eine Ausweitung des Projektes erscheint es ratsam eine Eingewöhnungszeit von 4-6 Wochen anzunehmen.

Detailliertere Ergebnisse aus Online-Befragung erhofft

Diese Woche ist die erste Online-Befragung der Tabletklasse und der Kontrollklasse gestartet. Darin möchten wir unter anderem auch noch etwas detaillierter erfahren, nach welchen Kriterien sie ihr Gerät ausgewählt haben.

Office und Windows: Ein unschlagbares Team?

In Schweizer Schulen sind Apple Geräte weit verbreitet, nicht zuletzt wegen Apple’s Bildungsinitiative. Könnte es sein, dass zukünftige Generationen von Studierenden vermehrt mit Mac, iPad und iPhone vertraut sind und sich entsprechend eher für ein Apple Gerät entscheiden werden? Andererseits hat Windows an der Hochschule bereits lange Tradition und für gewissen wissenschaftliche Anwendungen durchaus seine Berechtigung. Die ZHAW Life Sciences und Facility Management hat beispielsweise ein Windows Notebook Obligatorium für alle Studierenden. Grund hierfür ist unter anderem auch der Informatikunterricht, wo die Office Produktpalette unterrichtet wird.

Bei Bring Your Own Device wird es jedoch immer wahrscheinlicher, dass Studierende der Einfachheit halber mit Tools arbeiten, die auf allen Geräten verfügbar sind und über die Cloud synchronisiert werden, z.B. Google Docs, Dropbox usw. Das ist eine Entwicklung, die an Hochschulen aus Datenschutzgründen nicht gerne gesehen wird, die sich aber wohl kaum verhindern lässt. Neue Medien und Technologien verändern das Hochschulumfeld und wir müssen uns überlegen, in wie weit wir uns an diese neuen Herausforderungen anpassen wollen und können.

Tablets als Alleskönner…

Wenn man bedenkt, dass es weit mehr iPads und Android Tablets als Windows Tablets auf dem Markt gibt, drängt sich etwas die Frage auf, welche Zukunft die Windows Tablets haben. Werden die Tablet-Hersteller in Zukunft eher auf Android oder Windows setzen?

Infografik: Android ist das neue Windows | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Man kann es auch andersherum betrachten und sich fragen: Welche Zukunft haben Tablets für das produktive Arbeiten?
Will der Nutzer ein Gerät, das Tablet/Notebook/PC vereint? Oder wird er für jede Anwendung ein dafür ausgerichtetes, spezifisches Gerät nutzen?Es drängen immer mehr Hybridmodelle auf dem Markt, die Tablet und Notebook in einem vereinen sollen. Das Surface Pro geht auch bereits in diese Richtung, hat diese Symbiose meiner Meinung nach aber noch nicht so ganz überzeugend geschafft. Wir dürfen gespannt sein, wie sich der Markt in diesem Bereich entwickeln wird.

Eine Komponente, die wir bis jetzt kaum berücksichtigt haben ist Android. Dabei sind Android Geräte statistisch gesehen auf dem Vormarsch und wir werden langfristig wohl kaum darum herum kommen, auch Android Geräte in die Hochschulumgebung einzubinden. Zumal die Android Tablets bedeutend günstiger sind als iPads und Microsoft Tablets. Leider sind Android Geräte bei unseren ICT-Experten nicht gerne gesehen, da sie offenbar ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Aber auch die Technik macht Fortschritte und ich bin zuversichtlich, dass es für diese Herausforderungen in Zukunft, z.B. im Rahmen von Mobile Device Management, eine Lösung geben wird.

Besser, schlechter, ändert nichts?

Diese oder eine ähnliche Frage kommt zwangsläufig auf, wenn im Unterricht Innovationen eingeführt werden. Wir fragen und im Rahmen des Pilotprojektes zum papierlosen Studium natürlich auch, welchen Einfluss der Einsatz von Tablets auf den Unterricht hat.

Evaluation des Projektes aus didaktischer Perspektive

Für diesen Zweck haben wir unsere Kolleginnen und Kollegen der Fachstelle für Innovative Didaktik (ZID) der ZHAW School of Management and Law beauftragt, den Pilotversuch aus didaktischer Perspektive zu evaluieren.

Im März 2014 wurde die erste explorative Erhebungsphase der Evaluation durchgeführt. Hierfür wurden Leitfadeninterviews mit 6 nach bestimmten Kriterien ausgewählten Studierenden, zwei Dozierenden sowie den ICT-Verantwortlichen und der Projektleitung durchgeführt. Der Einsatz der Tablets wird dabei während der Präsenz-, der Selbststudiums-, der Prüfungsvorbereitungsphase und in der Prüfung selbst untersucht, um die Lehr- und Lernprozesse phasenbezogen bewerten zu können.

Tablets unterstützen vielfältige, individuelle Lernstile

Über alle Lehr- und Lernphasen hinweg zeigen sich bei der Nutzung von Tablets vielfältigste Lehr- und Lernpraktiken, die alle zu einer sehr positiven Bewertung des Einsatzes führen. Überrascht hat uns, dass die tatsächliche Stärke des Tablets offenbar nicht in der Möglichkeit liegt, handschriftliche Notizen und damit Formeln und Skizzen zu erstellen, sondern in der Vielfältigkeit der Nutzungsmöglichkeiten, die sehr individuelle und sogar gegensätzliche Lernstile unterstützt. Insgesamt zeigt sich, dass gängige Vorurteile gegen die Nutzung von Tablets wie beispielsweise ein erschwertes Lese- und Orientierungsverhalten im Text nicht haltbar sind.

Grösster Einfluss auf die Präsenzphase

Die Präsenzphase – das wird in der vorliegenden Untersuchung deutlich – ist die Phase beim Einsatz von Tablets, in der sich der stärkste Wandel vollzieht. Je weiter weg von dieser Phase – beispielsweise in der Prüfungsvorbereitung – werden neue Arbeitsweisen häufiger zu Gunsten von alten, eingeübten aufgegeben und die Studierenden kommen zu ihren alten Lernpraktiken zurück.

Weitere detailliertere Ergebnisse aus dem Zwischenbericht werden wir hier im laufe der nächsten Wochen veröffentlichen.

Vorstudie gute Basis für Validierung

Die Interviews enthalten viele Widersprüchlichkeiten und gegensätzliche Aussagen, was jedoch auch auf die Qualität der Fallauswahl und der explorativen Untersuchung hindeutet. Sinn und Zweck solcher qualitativen Vorstudien ist es gerade, die Vielfalt der Stimmen und Meinungen zu einem Untersuchungsthema einzuholen. Die nachfolgende Phase von EvaTab – die Validierung – wird dann versuchen, aus diesen Stimmen Tendenzen und Gewichtungen herauszuarbeiten.

Wir sind gespannt auf die nächste Evaluationsphase und werden im Sommer über die Ergebnisse berichten.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Maren Lübcke und das Team vom Zentrum für Innovative Didaktik und natürlich an die Studierenden, Dozierenden und ICT-Verantwortlichen, die an den Interviews teilgenommen haben.

Kann man auch ohne Tablet papierlos studieren?

Das papierlose Studium ist auch an anderen Hochschulen ein Thema, wie der Artikel auf campus.nzz.ch zeigt. Längst nicht alle Studieren sind von der Vorstellung, papierlos zu arbeiten, jedoch so begeistert wie unsere Pilotklasse. So zeigt z.B. eine Studie der Berner Fachhochschule, dass sich lediglich 40% der Studierenden vorstellen könnten, Zusatzunterlagen ausschliesslich in elektronischer Form zu nutzen.

Ähnliche Ergebnisse erhielten wir bei einer Umfrage zur Papierreduktion, die im 2012 bei allen Studierenden der ZHAW Life Sciences und Facility Management durchgeführt wurde. Damals gaben zwar 68% der 412 Umfrageteilnehmenden an, dass sie bereit wären, ihren Papierverbrauch zu reduzieren, aber nur 26% konnten sich vorstellen, hauptsächlich mit elektronischen Dokumenten zu arbeiten und zu lernen.

Die 72%, die sich damals gegen ein papierloses Studium aussprachen, gaben als Gründe unter anderem folgendes an:

  • Ich habe kein Programm gefunden, dass auch nur annähernd so schnell mathematische und chemische Formeln mit PC generiert wie ich (und der Dozent).
  • Lernen an der Sonne wird unmöglich, das einzig Gute an der Prüfungsvorbereitungszeit im Sommer fällt weg 🙁
  • Bitte nicht noch mehr Computerarbeit!

Die Kommentare zeigten, dass die Studierenden davon ausgingen, dass sie mit einem Notebook arbeiten würden und dadurch die Möglichkeit, handschriftliche Notizen mit Formeln und Skizzen zu erfassen, wegfallen würde.

Bei der Frage nach den Rahmenbedingungen für ein papierloses Studium brachten einige Studierende dann die Tablets ins Spiel:

  • Es wäre sicherlich möglich ein Pilotprojekt mit einem Hersteller von Tablet-PCs auf die Beinen zu stellen und somit ein Zeichen gegen diese Papierflut zu setzten. Dabei könnte die ZHAW den Studenten ein Tablet zur Verfügung stellen, was der 90.- CHF Skriptpauschale angerechnet werden kann.
  • Es braucht ein Textverarbeitungsprogramm, mit dem ich Texte und vor allem mathematische und chemische Formeln mit dem PC gleich schnell wie von Hand generieren kann.

Und ein/e Studierende/r brachte es zum Schluss noch wie folgt auf dem Punkt:

Der Papiergebrauch sollte sich früher oder später von selbst einstellen, da die „Jugend“ von heute mit elektronischen Medien aufwächst. Es gibt länger je mehr „Tablet-User“.

Wir haben die Rückmeldung der Studierenden ernst genommen und versucht, ihrem Wunsch nach weniger Papier nachzukommen, ohne dabei ihre Mobilität und die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen, einzuschränken.

Die Studierenden der Pilotklasse, die seit letztem Herbst papierlos arbeitet, haben deshalb als Hilfsmittel ein Tablet erhalten. Die Mehrheit der Klasse möchte nicht mehr zurück zum papierbasierten Studium. Gehörten sie zu den 26%, die sich im 2012 für ein papierloses Studium ausgesprochen haben? Oder was hat sie umgestimmt?

Das Pilotprojekt wird in den nächsten Monaten durch das Zentrum für innovative Didaktik der ZHAW School of Management and Law evaluiert. Eine der Fragen, die wir uns im Rahmen dieser Evaluation stellen ist, welche Rolle das Tablet beim papierlosen Studium spielt.

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