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Erste Erfahrungen mit Bring Your Own Device

Seit Herbst 2016 studieren unsere angehenden BiotechnologInnen, Facility ManagerInnen und UmweltingenieurInnen papierlos mit ihren eigenen Notebooks und Tablets. Diese Neuausrichtung des papierlosen Studium war nötig, um das frühere Pilotprojekt in den Normalbetrieb zu überführen. Zudem hat das Pilotprojekt gezeigt, dass die Studierenden sehr individuelle Anforderungen an ihre Arbeitsgeräte haben. Als Hochschule können wir dieser Vielfalt aufgrund der komplexen und aufwändigen Ausschreibungsverfahren nicht gerecht werden und hinken dem technologischen Fortschritt immer etwas hinterher.

Wir haben unsere Erstsemestrigen und deren Lehrpersonen nach den ersten vier Monaten mit Bring Your Own Device befragt und ziehen nun hier mit einer Serie von Beiträgen eine erste Bilanz. Den Anfang machen wir mit der Hard- und Software sowie mit der Infrastruktur.

Bei den Studierenden haben 131 Personen aus dem 1. Semester der Studiengänge in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an der Umfrage teilgenommen. Die Rücklaufquote lag bei 35%. Bei den Lehrpersonen haben 52 Personen an der Umfrage teilgenommen und die Rücklaufquote betrug 68%.

Geräte

Über 70% der Studierenden haben sich speziell ein Gerät für das Studium angeschafft. zusammengefasst machen normale Notebooks und Macs mit 59% die Mehrheit der Geräte aus, gefolgt von Hybridgeräten mit Touchscreen und dem Surface Pro mit 51%. Nur eine Minderheit von 13% arbeitet mit Tablets, wobei dort vor allem das Apple iPad dominiert. Damit besitzen 64% der Studierenden entweder ein Notebook, Hybridgerät oder Tablet mit Touchscreen. Rund 1/4 der Studierende gab zudem an, dass sie das Smartphone zum Lernen nutzen, vielleicht ein mobiler Ersatz für das Tablet?

Touchscreen wichtiger als erwartet
Zufrieden mit ihrer Wahl sind vor allem die NutzerInnen eines Microsoft Surface Pro und weiterer Hybridgeräte mit Touchscreen, wie z.B. das Lenovo Yoga. Auch die wenigen Studierenden, die ein Apple iPad nutzen sind sehr zufrieden mit ihrem Gerät.

Ich arbeite im Studium mit folgenden Geräten

Studierende mit einem Mac finden ihr Gerät zwar nach wie vor gut, sie haben aber teilweise Mühe mit der Bedienung, weil sie oft mit der Windows-Partition arbeiten müssen und dann z.B. einige Tasten auf der Tastatur nicht mehr übereinstimmen:

Grundsätzlich würde ich mich wieder für Apple entscheiden. Da aber jedoch mit Windows gearbeitet wird, wäre ein Surface wohl die bessere Option.

Eher unzufrieden mit ihrem Gerät sind Studierende, die mit einem handelsüblichen Notebook ohne Touchscreen arbeiten:

Wir zeichnen sehr viel im Unterricht, was vorher nicht bekannt war. Hätte ich das gewusst, hätte ich ein Laptop mit Touchscreen gekauft.

Es ist schwer, ich muss den Akku zu häufig aufladen, es hat keine Maus, es ist schwierig Notizen zu machen.

Ich würde mich wieder für das gleiche Gerät entscheiden

Empfehlung
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Touchscreen und die damit verbundene Möglichkeit, handschriftliche Annotationen und Skizzen in den Unterlagen zu erfassen vor allem im Unterricht wichtig ist. Wir empfehlen daher zukünftigen Studierenden, sich nach Möglichkeit ein Gerät mit abnehmbarem/drehbarem Touchscreen und Eingabestift zu kaufen, damit das Gerät als Papierersatz genutzt werden kann und beim Arbeiten nicht ständig zwischen Papier und Notebook hin- und hergewechselt werden muss.

Programme

Windows dominiert das Feld
Bei den genutzten Applikationen hat die Vielfalt im Unterschied zu den Pilotklassen mit Tablets stark abgenommen.Microsoft OneNote dominiert sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium, gefolgt von Microsoft Word und dem kostenlosen Adobe Acrobat Reader. Diese Dominanz deR Microsoft Produkte hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Office 365 mittlerweile auf allen Betriebssystemen genutzt werden kann, wenn auch mit weniger Funktionen als auf Windows.

Das Office 365 Pro Plus Angebot der ZHAW wird von 77% der Studierenden genutzt. Einige dürften auch Office Professional 2016 installiert haben und einige wissen offenbar nicht, dass es Office 365 auch für das iPad und Android gibt.

Drawboard als beliebte Alternative zum Adobe Reader
Mehrere Studierende haben angemerkt dass ihnen die Kombination aus OneNote und Adobe Reader für das Bearbeiten der PDF-Unterlagen nicht ausreicht und sie daher die kostenpflichtige App Drawboard nutzen.

Die Nutzung der bisher sehr beliebten iPad Apps wie PDF ExpertGood Notes oder Notability ist stark zurückgegangen, da im Vergleich zum Pilotprojekt viel weniger mit Tablets gearbeitet wird. Auch der früher sehr beliebte PDF X-Change Editor wurde seltener genannt. Dafür wird Drawboard vermehrt genutzt. Die Browser (IE/Firefox) werden sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium oft genutzt. Spezifische Android Apps wurden keine genannt.

Genutzte Applikationen im Unterricht und Selbststudium, visualisiert nach Häufigkeit der Nennung.

Cloud Dienste
Die Mehrheit der Studierenden (66%) speichert die Daten auf OneDrive for Business.Damit haben Dropbox und Google Drive stark an Beliebtheit eingebüsst und auch der akademische Cloud-Dienst SWITCHdrive spielt mit 3% nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. 36% gaben zudem an, dass sie ihre Daten auch auf lokalen Speichern, externen Festplatten oder USB Sticks speichern.

Infrastruktur

Studierende möchten (noch) mehr Steckdosen
Das WLAN und die Stromversorgung wurden in den vergangenen drei Jahren massiv ausgebaut. Das hat sich offenbar gelohnt, denn mittlerweile sind über 80% der Studierenden mit der Ausstattung der Unterrichtsräume im Hinblick auf Steckdosen und WLAN zufrieden. In einigen Räumen sind die Steckdosen allerdings schlecht zugänglich oder es sind nicht genügend Steckdosen vorhanden. Zudem wünschen sich die Studierenden auch an den Lernplätzen mehr Steckdosen.

Bewertung der Infrastruktur durch Studierende und Lehrpersonen.

Gesundheitliche Bedenken ernst nehmen
Eine Person hat sich über gesundheitliche Bedenken geäussert und gefordert, dass wegen der Geräteemissionen in den Unterrichtsräumen für eine bessere Abluft und eine höhere Luftwechselrate gesorgt werden sollte. Sie schlug auch vor, dass die Hochschule technologiefreie Zonen schaffen sollte – wie das an anderen ZHAW-Standorten z.B. mit einem „Raum der Stille“ bereits gemacht wird. Die Hochschule in Wädenswil hat mit den Gärten im Grüental eine technologiefreie Zone die sich ideal für einen achtsamen Spaziergang und eine technologiefreie Pause eignet.

Didaktischer Rückschritt durch verkabelte Tische
Etwas anders sieht die Situation bei den Lehrpersonen aus. Die Montage der Steckdosen an den Tischen hat dazu geführt, dass viele Tische in den Gruppenräumen fix verkabelt sind und nicht mehr verstellt werden können. Das stellt die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen und schränkt die didaktischen Möglichkeiten während des Unterrichts ein. Unterrichtsszenarien, welche die aktive Partizipation der Studierenden und das kollaborative Lernen in den Vordergrund stellen, werden dadurch erschwert:

Der didaktische Fortschritt mit dem papierlosen Studium wurde durch das Zusammen“binden“ der Bänke gleich wieder ins Minus gebracht (Gruppenarbeiten sind so fast nicht möglich.)  Auch sonst ist die Infrastruktur noch nicht auf der Höhe, z.B. fristen die Visualizer eher ein Schattendasein.

Teilweise veraltete, mangelhafte Beamer und Mikrofone
Bemängelt wird zudem die AV-Technik in den Unterrichtsräumen. Die Beamer haben teilweise eine schlechte Auflösung oder funktionieren nicht zuverlässig:

Technik in den GA-Räumen hatte Kinderkrankheiten. Ich stand 3-mal in einem Unterrichtsraum, wo die Technik nicht funktionierte und das Problem konnte von den Technikern nicht innerhalb von Minuten behoben werden.

Der Beamer funktioniert manchmal nicht und ich habe Mühe mit den Settings für Sound auf meinem Notebook: benutze daher meinen eigenen Lautsprecher.

Auch die Mikrofone scheinen teilweise nicht zu funktionieren, wodurch Studierende in den hinteren Reihen dem Referenten nur schwer folgen können:

Es hat nicht in jedem Zimmer funktionstüchtige Mikrofone. Die in den mittleren Reihen bis hintere Reihen verstehen nicht alles wenn der Dozent vorne was erzählt.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mit dem Ausbau der Infrastruktur die Bedürfnisse der Studierenden hinsichtlich WLAN und Steckdosen mit einigen wenigen Ausnahmen erfolgreich abgedeckt werden konnten. Allerdings zeigt sich auch, dass die verkabelten Tische für den didaktischen Fortschritt eher kontraproduktiv sind, da dadurch die didaktischen Szenarien im Präsenzunterricht eingeschränkt werden. Gerade beim aktiven Lernen im Rahmen von Gruppenarbeiten, Debatten und Diskussionsrunden wird die Interaktion im Raum auch durch die Bestuhlung mitgesteuert.

Leider besitzen noch nicht alle Studierenden Geräte mit einer Akkulaufzeit von 8 oder mehr Stunden. Gerade handelsübliche Notebooks laufen oft nur 4h am Stück und verbrauchen im Vergleich zu Tablets sehr viel Strom. Die Verkabelung in den Unterrichtsräumen bleibt somit bis auf weiteres ein notwendiges Übel, um die Tische mit Strom zu versorgen.

Andererseits darf man sich durchaus fragen, warum die Gruppenräume nach dem traditionellen Hörsaalprinzip mit Tischen in Reih und Glied bestuhlt sind. Man könnte in Gruppenräumen auch eine andere Bestuhlung vorgeben und die Verkabelung entsprechend anpassen. Das würde dann aber bedeuten, dass in diesen Räumen tatsächlich nur noch aktive Lernsettings wie Gruppenarbeiten, Diskussionen und Übungen und keine Vorlesungen mehr stattfinden.

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